HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Werften melden laut IG Metall und einer Auswertung mit WMP Consult einen starken Beschäftigungsaufbau. Innerhalb eines Jahres kamen mehr als 2000 Jobs hinzu, sodass die Zahl der Beschäftigten in den befragten Betrieben auf fast 17.200 steigt. Die Werften rechnen zudem mit einer anhaltend guten Auftragslage und erwarten nur in wenigen Betrieben Personalabbau. Gleichzeitig warnt Gewerkschaftschef Daniel Friedrich in Mecklenburg-Vorpommern vor einer schnellen Verschlechterung, falls sich politische Einstellungen weiter radikalisieren.

Der Schiffbau in Norddeutschland läuft derzeit auf hohem Niveau, und genau diese Dynamik macht die aktuellen Zahlen politisch und wirtschaftlich so relevant. In den befragten Werften steigt die Zahl der Beschäftigten binnen eines Jahres um mehr als 2000 auf fast 17.200. Die Stimmung ist damit offenbar besser als in vielen zurückliegenden Quartalen: Der Stand gilt als höchster seit sechs Jahren. Als Treiber werden vor allem weltweit hohe Rüstungsausgaben genannt, ergänzt durch die Energiewende, die zusätzliche Nachfrage in angrenzenden maritimen Bereichen anstoßen soll.
Aus technischer und betrieblicher Sicht zeigt sich der Effekt vor allem in der Kapazitäts- und Planungslogik der Werften. Werftarbeit ist stark projektgetrieben, mit langen Vorlaufzeiten für Baugruppen, Logistik und Zulieferketten; wenn gleichzeitig militärische und zivile Programme laufen, lassen sich Auslastung und Schichtplanung oft stabiler durchziehen. Entsprechend liegt die durchschnittliche Auslastung der beteiligten Werften bereits in diesem Jahr bei 90 Prozent. Für 2028 wird sogar erwartet, dass die 100-Prozent-Marke erreicht wird – das wäre ein klares Signal dafür, dass Engpässe nicht mehr nur kurzfristig überbrückt, sondern strukturell abgefedert werden müssen.
Die Datenbasis kommt aus einer regelmäßigen Betriebsräte-Befragung, die seit 1991 durchgeführt wird. Laut den Angaben wurden im April und Mai Betriebsräte von 41 Betrieben befragt, darunter sowohl Anbieter im militärischen als auch im zivilen Schiffbau. Regional zeigt sich eine deutliche Konzentration: Mehr als 6500 Beschäftigte entfallen auf Schleswig-Holstein, danach folgen Niedersachsen mit knapp 4700, Bremen mit fast 2400 und Hamburg mit annähernd 2000. Mecklenburg-Vorpommern liegt mit knapp 1600 auf dem letzten Platz im Norden. Unter den größten Gruppen entfallen die meisten Stellen auf TKMS Kiel, die Meyer-Gruppe in Papenburg sowie die Lürssen-Gruppe in Bremen.
Auch die Zusammensetzung des Personalaufbaus ist ein Hinweis darauf, wie stark einzelne Programme dominieren. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 56 Prozent der Unternehmen weiter steigende Beschäftigungszahlen; insgesamt sind mehr als 1700 zusätzliche Jobs vorgesehen. Dabei soll der Schwerpunkt in zwei Dritteln im Marineschiffbau liegen. Parallel bleibt die Auftragslage stabil: 51 Prozent rechnen mit weiter steigenden Aufträgen, insbesondere in den drei wichtigsten Märkten Marine, Kreuzfahrt und Offshore-Energie. Rückgänge werden den Angaben zufolge von keinem Unternehmen erwartet, was die Planbarkeit in Fertigung und Einkauf grundsätzlich verbessert.
Dass der Engpass bei der Personalgewinnung langsam nachlässt, gehört ebenfalls zu den aktuellen Kerndaten. Trotz des Hochlaufs habe sich die Lage spürbar entspannt: Hatten im Vorjahr noch 73 Prozent der Betriebe Probleme, Stellen zu besetzen, sind es nun 53 Prozent. Rund ein Drittel der Unternehmen hat in diesem Bereich inzwischen gar keine Sorgen mehr. In der Praxis heißt das oft: weniger ungeplante Vakanz, bessere Übernahme der Schichtübergaben und ein stabileres Onboarding für Fachkräfte in Fertigung, Montage und Instandhaltung.
Politisch macht die Lage in Mecklenburg-Vorpommern den nächsten Unterschied: Der Gewerkschaftsboss Daniel Friedrich warnt dort vor möglichen Folgen einer stärkeren Radikalisierung. Er verweist auf die Landtagswahl am 20. September und nennt die hohen Umfragewerte für die AfD als Risikofaktor, weil sich die Rahmenbedingungen schnell drehen könnten. Außerdem bezeichnet er den AfD-Plan eines EU-Austritts als wirtschaftlich problematisch für den Schiffbau. Gleichzeitig bleibt das Ausbildungsbild vorerst günstig: Rund 3000 Bewerber stehen den Angaben zufolge knapp achtmal so vielen angebotenen Ausbildungsplätzen gegenüber, die Zahl der Auszubildenden liegt bei rund 900, und die Übernahmequote wird mit 94 Prozent beziffert.
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