NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Athene Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit bringt im Rahmen des UP26@it-sa Startup Awards fünf Finalisten auf die it-sa Bühne. Am 28. Oktober sollen die Unternehmen ihre Produkte auf der Messe in Nürnberg pitchen. Die Auswahl reicht von Embedded-Fuzzing und KI-gestütztem Pentesting bis zu CRA-gestützter Compliance und SOC-as-a-Service für den Mittelstand. Besonders auffällig ist der hohe Anteil neuer KI-basierter Sicherheitsansätze, die in kurzer Zeit messbare Ergebnisse liefern sollen.

Wenn sich im Oktober die it-sa in Nürnberg öffnet, geht es nicht nur um etablierte Cybersecurity-Produkte, sondern auch um die Frage, welche Ideen sich vom Prototyp in Richtung Markteinführung bewegen. Genau an diesem Punkt setzt das Athene Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit mit dem Startup Award „UP26“ an. Der Preis wird bereits zum neunten Mal vergeben, und die diesjährigen Finalisten stellen ihre Lösungen am 28. Oktober live vor, was Startups eine Bühne für Feedback aus dem Fachpublikum und für konkrete Kontakte in die Praxis geben soll.
Das von Athene ausgelöste Momentum wirkt dabei nicht zufällig in Richtung KI: Laut dem Forschungszentrum lag die Zahl der Bewerbungen in diesem Jahr besonders hoch, und auch das Themenspektrum sei auffällig breit gewesen, wobei viele neue KI-basierte Produkte für Cybersecurity eingereicht wurden. Das zeigt sich in der Zusammensetzung der fünf Finalisten, die unterschiedliche Schichten der Sicherheitskette adressieren: von der Absicherung von KI-Systemen über hardwarenahe Tests bis hin zu Prozessen, die Compliance in den Entwicklungs- und Betriebsalltag übertragen sollen. Damit deckt der Award sowohl „Prevent“-Ansätze als auch „Detect“- und „Govern“-Bausteine ab.
Technisch betrachtet startet Fuzzware aus Bochum beim Thema Embedded-Software-Sicherheit. Das Startup bietet Sicherheitstests über ein skalierbares und neuartiges Fuzzing-Testverfahren, das Schwachstellen frühzeitig identifizieren und dadurch die Zeit bis zur Behebung verkürzen soll. Solche Verfahren sind besonders relevant, weil klassische Penetrationstests in vielen Embedded-Szenarien an Grenzen stoßen: Man benötigt hohe Ausführungsabdeckung bei begrenzten Ressourcen und will Fehlbedienungen oder ungewöhnliche Eingabepfade systematisch provozieren. Fuzzing liefert dafür einen messbaren Zugang, vorausgesetzt, die Testautomatisierung bleibt robust gegen wachsende Codebasen.
Mit Squr aus Weingarten tritt ein anderer Schwerpunkt in den Vordergrund: KI-gestütztes Pentesting, bei dem das Unternehmensnetz automatisiert nach Schwachstellen abgescannt und diese bewertet werden. Die Plattform soll Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden liefern, also einen klar getakteten Rhythmus für Sicherheitschecks ermöglichen. Gerade im Unternehmensalltag ist diese Art von Zeitfenster wichtig, weil sich Maßnahmenplanung sonst an nicht eingeplanten Security-Fenstern reibt. Wenn ein Anbieter dagegen eine spürbar kurze Durchlaufzeit verspricht, rückt die Frage nach der Zuverlässigkeit der Bewertungslogik in den Fokus: Automatisierung senkt zwar den Aufwand, muss aber die Qualität der Priorisierung halten, damit Teams nicht in der Flut von Funden untergehen.
Für die „Govern“-Perspektive steht Complioty aus München: Das Startup adressiert Maschinen- und Anlagenbauer, die den Cyber Resilience Act (CRA) umsetzen müssen. Die Lösung kombiniert automatisierte S-BOM-Generierung mit kontinuierlicher Schwachstellenüberwachung und Unterstützung für die relevanten Prozesse. Das ist mehr als Reporting, denn die S-BOM schafft die Grundlage, um Abhängigkeiten und Komponenten nachvollziehbar zu machen; kontinuierliche Überwachung wiederum übersetzt diese Transparenz in operative Reaktionsfähigkeit. In der Praxis entscheidet genau diese Kette über die Durchgängigkeit der Resilienzanforderungen – vom Entwicklungsstand bis in den Betrieb.
Daneben decken Redcastle aus Heubach und Blindsight aus Zürich den Bereich Betriebsschutz und KI-spezifische Angriffe ab. Redcastle setzt auf einen Monitoring-Dienst im Stil von „SOC as a Service“ und will die Angriffsfläche mittelständischer Unternehmen analysieren, sie mithilfe von KI bewerten und daraus Empfehlungen ableiten. Ein externer SOC-ähnlicher Ansatz ist vor allem dort attraktiv, wo interne Analystenknappheit auf anspruchsvolle Bedrohungsmodelle trifft. Blindsight geht mit der Plattform zur Überwachung und zum Schutz eigener KI-Systeme noch einen Schritt weiter: Das System soll vor Poisoning- und Injektionsangriffen, menschlichem Fehlverhalten sowie Modellverschlechterungen schützen und zusätzlich gegen Schatten-AI helfen. Für Unternehmen wird damit KI-Security nicht nur zur Modellfrage, sondern zur Frage, wie Verhalten, Trainingsumfeld und tatsächliche Nutzung zusammenwirken.
Die it-sa selbst schafft dafür den passenden Kontext. Die Fachmesse findet vom 27. bis 29. Oktober 2026 in der Messe Nürnberg statt und gilt als die größte Fachmesse für IT-Sicherheit; sie deckt nach Veranstalterangaben die gesamte Breite von Hardware, Software, Trainings- und Beratungsangeboten bis hin zu Security as a Service ab. Die Themen reichen von Cloud- und Mobile-Security über Daten- und Netzwerksicherheit bis zur Absicherung kritischer Infrastrukturen und der Industrie 4.0. Dass die Messe bereits seit 2009 besteht, unterstreicht, wie stark sich Cybersecurity als Dauerbaustelle etabliert hat – und wie wichtig es ist, Innovationen aus dem Startup-Umfeld nicht nur anzukündigen, sondern im Live-Pitch mit Anwenderfragen zu validieren. Für Entscheiderinnen und Entscheider im Mittelstand kann der UP26@it-sa Award damit ein schneller Zugang zu neuen Sicherheitsansätzen sein, wenn die Lösungen die versprochenen Durchlaufzeiten und Qualitätskriterien in der Praxis einlösen.
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