ZOSSEN/MÜHLENFLIESS – Die Erneuerbaren-Branche in Brandenburg warnt vor einem möglichen Ausbremsen der Energiewende. Betreiber berichten von der Sorge, dass Reformen beim EEG und das geplante Netzpaket Arbeitsplätze in Wind- und Solarprojekten gefährden könnten. Besonders das geplante Ende der dauerhaften Förderung kleiner Dachanlagen ab 2027 trifft laut Kritik die Investitionsplanung. Gleichzeitig steigt für Kommunen zwar die Einnahme aus dem sogenannten Wind-Euro, die Unternehmen sehen aber insgesamt die Rahmenbedingungen weiter unter Druck.

Brandenburg: Erneuerbare-Branche warnt vor Ausbremsen der Energiewende
Brandenburg: Erneuerbare-Branche warnt vor Ausbremsen der Energiewende (Foto: IT BOLTWISE)
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In Brandenburg treffen politische Reformpläne zur Energiewende auf eine Branche, die im Alltag von Genehmigungen, Bauzyklen und Netzanschlüssen lebt. Rund um Zossen und Mühlenfließ berichten Projektierer, wie schnell sich neue Rahmenbedingungen in reale Arbeitsbelastung übersetzen: Wenn Förderlogiken kippen oder Netzanschlüsse länger dauern, verschieben sich Aufträge und damit auch Schichten, Subunternehmerverträge und langfristige Materialplanung. Der Gründer der Energiequelle GmbH aus Zossen-Kallinchen, Michael Raschemann, bringt die Stimmung dabei auf den Punkt, indem er öffentlich auf die gesunkene Personaldecke verweist: „Wir sind heute in Deutschland 40 Prozent weniger Belegschaft, 180 Mitarbeitende sind nicht mehr bei uns.“ Für ihn ist das ein Indikator dafür, dass die Energiewende nicht nur ein Infrastrukturprojekt ist, sondern ein arbeits- und investitionspolitischer Umbau, der ohne stabile Signale nicht im gewünschten Tempo funktioniert.

Seine Kritik richtet sich vor allem auf zwei Reformbausteine aus Berlin: die Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und ein Netzpaket, das den Ausbau der erneuerbaren Energien stärker mit dem Ausbau der Stromnetze verzahnen soll. Beim EEG wird dabei konkret die dauerhafte Förderung kleiner Solaranlagen auf dem Hausdach ab 2027 infrage gestellt. Das wirkt auf den ersten Blick wie eine Detailfrage, ist aber in der Praxis ein Hebel für eine ganze Klasse von Projekten: Dachanlagen werden häufig von Hausbesitzern oder kleineren Gewerbetreibenden geplant, die zwar technisch routiniert sind, aber auf kalkulierbare Förderzeiträume angewiesen bleiben. Wenn sich dieser Zeitraum nach hinten verengt, sinkt typischerweise die Bereitschaft, heute zu investieren, weil sich die Finanzierung stärker an die künftige Förderlogik koppelt.

Raschemann verbindet die Reformdebatte zudem mit einer breiteren Erwartung an Kontinuität in der Förderpolitik. Er ordnet das Ende der Ampel-Regierung als Zäsur ein und verweist dabei auch auf die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die laut Bericht ebenfalls den Landkreis Teltow-Fläming als Herkunftsregion hat. Entscheidend ist für die betroffenen Unternehmen, dass die Bundesregierung nach eigener Darstellung einen Abbau von Überförderung anstrebt. Branchenintern bedeutet das: Selbst wenn das Ziel sachlich nachvollziehbar ist, kann der Weg über schnelle Anpassungen und ein „neues Zusammenspiel“ aus Marktmechanismen und Netzplanung kurzfristig zu Bremseffekten führen. Dass die Investitionsbereitschaft schwankt, sehen auch die lokalen Einnahmeströme nicht vollständig als Gegenargument an, denn Einnahmen aus einzelnen Komponenten ersetzen keine stabile Projektsicherheit im gesamten Anlagenbau.

Während Unternehmen in Brandenburg vor den Folgen der EEG-Novelle und des Netzpakets warnen, zeigt sich an konkreten Kommunalzahlen, dass zumindest einzelne Elemente der Energiewende finanzpolitisch bereits wirken. Die Gemeinde Mühlenfließ mit 950 Einwohnern profitiert nach Zahlen von 2024 in Brandenburg besonders vom sogenannten Wind-Euro, den Betreiber der Windanlagen an betroffene Kommunen zahlen müssen. Bürgermeister Jens Hinze nennt für Mühlenfließ 412.000 Euro Einnahmen aus Öko-Energien, die bis 2031 auf 1,1 Millionen Euro steigen sollen. Für die kommunale Haushaltsplanung ist das nicht abstrakt, sondern unmittelbare Liquidität: Hinze stellt die Frage nach Stabilisierung der Haushalte in den Vordergrund und verknüpft sie mit Investitionsfähigkeit, wenn er sagt, es gehe darum, ob Investitionen „nicht stattfinden“ und damit regionale Wertschöpfung ausbleibt. Genau diese Spannung macht deutlich, warum Unternehmens- und Kommunalperspektive auseinanderdriften können: Einnahmen aus bestehenden Anlagen wirken, aber neue Projekte brauchen dennoch verlässliche Spielregeln.

Auch eine Umfrage des Landesverbands Erneuerbare Energien Berlin Brandenburg unter 30 Unternehmen unterstreicht die Unsicherheit. Rund drei von vier Betrieben erwarten demnach einen Schaden durch die EEG-Novelle und das Netzpaket. Davon bewerteten 63 Prozent die Geschäftslage schlechter als vor einem Jahr; als einen Grund nennen sie zusätzlich aktuelle politische Rahmenbedingungen. Der Vorsitzende Jan Hinrich Glahr formuliert den Kern der Erwartung sehr direkt: Unternehmen wollen Gemeinden und Gewerbegebiete mit Energie beliefern. Daraus folgt eine zweite Debattenlinie, die in der öffentlichen Debatte oft weniger sichtbar ist als die reine Förderhöhe: Es geht um regionale Stromnutzung und darum, ob Energie möglichst nah am Verbrauch ankommt, statt sie nur in weiter entfernte Netzbereiche zu verschieben. Der Verband appelliert daher an die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, Solaranlagen auf dem Hausdach wieder stärker zu fördern und eine direkte Belieferung der Industrie mit Energie zu ermöglichen, sodass Strom regional genutzt werden kann.

Technisch lässt sich diese Forderung mit der Bedeutung von Netzkapazitäten und Lastprofilen erklären. Wind- und Solarleistung schwankt, sodass Verteil- und Übertragungsnetz nicht nur „mehr Leistung“, sondern auch mehr Regelbarkeit und Planungssicherheit brauchen. Das geplante Netzpaket soll genau diese Kopplung stärken: Ausbaupfade für Netze und Anlagen sollen sich besser aufeinander abstimmen. Doch für die Projektpipeline an Land zählt: Wenn Netzbetreiber längere Bearbeitungszeiten ansetzen oder Anschlussoptionen neu bewertet werden, entstehen Wartezeiten, die sich finanziell sofort niederschlagen. Besonders relevant sind dabei Übergänge im Übergangsjahr zwischen alter und neuer Förderlogik. Gerade in der Zeit, in der kleine Dachanlagen nach 2027 weniger dauerhaft gefördert werden sollen, könnte die Branche kurzfristig weniger Neuaufträge gewinnen, obwohl langfristig Bedarf an erneuerbaren Energien hoch bleibt.

Für Entscheider in Unternehmen und Kommunen ergibt sich daraus eine operative Konsequenz: Förderpolitik, Netzplanung und regionale Vermarktungsstrategien müssen zusammen gedacht werden. Wer Projekte vorbereitet, sollte die Auswirkungen der geplanten Förderungslücken für Dachanlagen in seine Szenarienplanung aufnehmen und gleichzeitig prüfen, wie regionale Direktbelieferungsmodelle mit Industrieabnahme ausgestaltet werden könnten, um Stromflüsse näher an den Verbrauch zu bringen. Auf Landesebene wiederum geht es darum, ob die Rahmenbedingungen so gesetzt werden, dass aus der Theorie der Netzverzahnung auch eine verlässliche Projekt- und Bauplanung entsteht. Brandenburg kann mit Blick auf die bereits genannten Kommunalzahlungen zwar einzelne positive Effekte vorweisen, aber die Branchenwarnungen zeigen, dass die Energiewende politisch nicht nur „gebaut“, sondern vor allem planbar gemacht werden muss.


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