LONDON (IT BOLTWISE) – Streaming von Musik, Filmen und Serien verbraucht messbar Energie, weil Videodaten dauerhaft über Serverfarmen bereitgestellt werden. Eine Studie der Medienforschung (MiP) beziffert die tägliche Streaming-Nutzung in Deutschland ab 14 Jahren auf 64 Minuten. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale rät unter anderem zu lokalem Herunterladen statt permanentem Neucasten sowie zu geringeren Videoauflösungen wie 720p oder 480p. Auch der Vergleich von CO2-Bilanzen und der Einsatz von Ökostrom können den ökologischen Fußabdruck spürbar senken.

Strom sparen beim Streaming: Von 720p bis klimaneutralen Anbietern
Strom sparen beim Streaming: Von 720p bis klimaneutralen Anbietern (Foto: IT BOLTWISE)
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Streaming ist längst Alltag, und gerade deshalb kollidiert es mit dem Ziel, Emissionen im digitalen Betrieb zu reduzieren. In Deutschland schauen viele Menschen nicht nur über TV-Geräte, sondern auch über Plattformen wie YouTube, Mediatheken und klassische Streamingdienste. Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie 2021, Teil der Studienreihe „Medien und ihr Publikum (MiP)“, nutzen die Menschen in Deutschland ab 14 Jahren im Schnitt 64 Minuten pro Tag YouTube, Mediatheken und Streamingdienste. Bei Videostreaming-Diensten ist Netflix am beliebtesten: 32 Prozent greifen mindestens einmal pro Woche auf das Angebot zu. Auf Platz zwei und drei folgen Amazon Prime Video und Disney+ mit 18 beziehungsweise 8 Prozent. Dass Videonutzung dabei als Wachstumstreiber gilt, erhöht aber auch den Handlungsdruck beim Thema Energieverbrauch.

Der Knackpunkt liegt weniger im „Abspielen“ beim Nutzer zu Hause, sondern in der Kette davor: Inhalte müssen gespeichert, für Abrufe bereitgestellt und durch Rechenzentren verarbeitet werden. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale verweist darauf, dass für das Speichern von Audio- und Videoinhalten große Serverfarmen nötig sind. Dazu kommt der tägliche Zugriff durch Millionen Personen sowie das Betreiben dieser Infrastruktur insgesamt. Als anschauliche Größenordnung wird genannt: Ein einstündiges Streamen eines Films entspricht in etwa den Emissionen eines Kleinwagens bei einer Kilometerfahrt. Das ist natürlich keine exakte CO2-Formel für jeden Einzelfall, aber die Botschaft ist klar: Selbst scheinbar „leichte“ digitale Gewohnheiten addieren sich, wenn sie massenhaft erfolgen.

Praktisch wird es, wenn man einzelne Stellschrauben im eigenen Nutzungsverhalten und in der Gerätekonfiguration betrachtet. Die Verbraucherzentrale empfiehlt zum Beispiel, die favorisierte Musik nicht immer wieder neu zu streamen, sondern einmal herunterzuladen und dann lokal abzuspielen. Der Unterschied ist greifbar: Statt wiederholter Datenübertragung startet die Wiedergabe dann ohne dauernden Upload- und Download-Flow. Ebenso rückt sie die Mobilfunknutzung in den Fokus: Eine Datenübertragung über Mobilfunk kann klimaschädlicher sein als ein Transfer über ein LAN-Kabel. Das klingt zunächst trivial, hängt aber mit Energieprofilen von Netzinfrastruktur, Funkbetrieb und Wiederholungen durch Funkqualität zusammen, während im Kabelbetrieb das Übertragungsverhalten oft stabiler ausfällt.

Besonders wirksam ist oft die Bildqualität. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale nennt als Orientierung nicht zwingend „maximal“: Statt voller HD-Auflösung seien 720p oder 480p in vielen Alltagssituationen ein sinnvoller Kompromiss. Das führt bei Video-Streams in der Regel zu geringeren Datenraten, wodurch sowohl Übertragungsaufwand als auch die Verarbeitung in der Streaming-Kette sinken. Auch die Bildschirmgröße spielt eine Rolle, weil größere Displays typischerweise mehr Energie benötigen. Wer ohnehin neue Unterhaltungselektronik anschafft, sollte auf energieeffiziente Geräte setzen und nicht nur auf reine Leistungsdaten achten. Damit verschiebt sich das Thema weg von abstrakten Klimaappellen hin zu konkreten Parametern, die Nutzer in den Einstellungen ihrer Anwendungen und bei Hardwareentscheidungen tatsächlich beeinflussen können.

Neben dem persönlichen Setup lohnt auch der Blick auf Anbieter-Strategien. Denn nicht jeder Teil der Wertschöpfungskette wird von Endkundenseite gleich beeinflusst. Die Verbraucherberatung rät daher explizit dazu, die CO2-Bilanzen verschiedener Streamingdienste zu vergleichen. Ein Beispiel ist Netflix: Der Dienst verfolgt laut eigenen Angaben das Ziel, klimaneutral zu werden. Dabei soll verstärkt in Regenerationsprojekte investiert werden; zudem wird angegeben, dass Netflix im Jahr 2020 rund 1,1 Millionen Tonnen CO2 erzeugt habe. In einer Pressemitteilung wird außerdem die Perspektive „Netto-Null“ beschrieben: Netflix wolle bis Ende 2022 und von da an jedes Jahr Netto-Null-Emissionen von Treibhausgasen erreichen. Gleichzeitig zeigt dieses Vorgehen, dass „klimaneutral“ in der Praxis häufig aus einer Kombination von Emissionsreduktion und -kompensation besteht.

Dass dieser Weg nicht zwingend bei Netto-Null-Zielen enden muss, zeigt der Streamingdienst Zattoo. Nach den Angaben des Unternehmens ist Zattoo klimaneutral. Gemeinsam mit dem Umweltberatungsunternehmen ClimatePartner berechnet der Anbieter jährlich seine CO2-Bilanz; diese werde vollständig über zertifizierte Klimaprojekte kompensiert. Ergänzend heißt es, dass Zattoo seine Rechenzentren mit Ökostrom betreibt. Im Text wird sogar ein Rechenzentrum erwähnt, das sich direkt in einer Windkraftanlage befindet. Für Unternehmen und technisch interessierte Nutzer ist das vor allem deshalb relevant, weil es eine konkrete Organisationsentscheidung sichtbar macht: Energiequellen für Infrastruktur und die Art der Bilanzierung lassen sich als Parameter vergleichen, statt nur auf Marketingbegriffe zu vertrauen.

Für die Praxis bedeutet das: Wer Energie sparen will, sollte nicht nur „weniger streamen“, sondern gezielt die effizientesten Varianten im Alltag nutzen. Dazu gehören lokal gespeicherte Inhalte, angepasste Videoauflösungen, die richtige Wahl der Netzroute (LAN statt Mobilfunk, wenn möglich) sowie ein bewusster Umgang mit Bildschirmgröße und Geräteeffizienz. Gleichzeitig können B2B-Entscheider aus IT- und Nachhaltigkeitssicht ableiten, dass Streaming-KPIs wie Datenrate und technische Qualität nicht getrennt von Umweltkennzahlen betrachtet werden sollten. Gerade für Organisationen, die mit internen Videokanälen, Schulungen oder Medienarchiven arbeiten, ist das ein nützlicher Perspektivwechsel: Nicht nur „Zugang“ ist relevant, sondern auch die Energieeffizienz der Auslieferung und die Herkunft des Stroms in der Infrastruktur. So wird Streaming vom reinen Konsumfaktor zu einem Bereich, in dem technische Einstellungen und Anbieterwahl messbar zusammenwirken.


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