LONDON (IT BOLTWISE) – Ando geht mit einer neuen Team-Messaging-App aus der Stealth-Phase und positioniert sie als Ersatz für Slack für Unternehmen mit KI-Agents. Statt Agents wie „installierte Apps“ zu behandeln, sollen sie eigene Identitäten erhalten und in Kanälen, DMs und Gruppen chatten wie Menschen. Die App zielt darauf ab, Tokenspeicher zu sparen, indem Kontext direkt in die gemeinsamen Gespräche eingebunden wird. Ando hat dafür 20 Millionen US-Dollar Pre-Seed- und Seed-Kapital eingesammelt und will vor allem den Aufbau des Agenten-Workflows vorantreiben.

Ando startet Slack-Alternative: KI-Agents arbeiten direkt in Team-Chats
Ando startet Slack-Alternative: KI-Agents arbeiten direkt in Team-Chats (Foto: IT BOLTWISE)
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Ando will den „Slack-Style“ der Teamkommunikation nicht nur erweitern, sondern konzeptionell neu ordnen: In der Stealth-Phase entstand eine Messaging-Plattform, die KI-Agents nicht als externe Add-ons behandelt, sondern sie als gleichberechtigte Teilnehmer am Arbeitsalltag wirken lässt. Die Kernidee von Gründerin Sara Du entsteht dabei aus einem praktischen Problem, das beim Bau von MCP-Servern sichtbar wurde: Wenn Teams KI-Agents über einen separaten Kanal nutzen, muss die eigentliche Agentenarbeit häufig erst in menschlich verständliche Zwischenschritte übersetzt werden. Genau diesen zusätzlichen Transfer nennt Du „meat proxies“ – also die Metapher für die Vermittlungsschicht, die Informationen weiterreicht, aber immer auch Reibung und Kosten verursacht.

Technisch entscheidet sich die Frage, wie Agents in den Kommunikationsfluss eingebunden werden, an mehreren Stellen zugleich. Ando adressiert nach eigenen Angaben die Hürde, Nachrichten zwischen Menschen, Agenten und Kontextquellen zuverlässig hin- und herzuschieben, ohne dabei den Token-Budgetrahmen zu sprengen. Der Ansatz wirkt wie eine Abkehr vom klassischen Pattern „Agent liefert Ergebnis“ hin zu „Agent versteht das Gesprächsformat und die geteilte Arbeitslogik“. Im Zielbild können Agents in Kanälen, Direktnachrichten, Gruppenchats und sogar live transkribierten Calls mitlesen, gezielt beitreten und – wichtiger noch – ohne formales Tagging „ins Gespräch kommen“, wenn sie das für relevant halten.

In der Argumentation von Sara Du steckt zudem ein tieferer Designkritikpunkt an etablierten Kollaborationsplattformen: „The deeper I went, the more I felt Slack and Teams were built for a world that was starting to pass us by, “ sagte Du. Sie beschreibt damit, dass Agents zwar im Arbeitsalltag angekommen seien, die Plattformarchitekturen aber weiterhin die Logik „Apps installieren“ statt „Teilnehmer integrieren“ nachbildeten. „Agents were treated as apps you install even as they were becoming participants in the team, “ lautet der zweite Satz aus ihrer Sicht. Für Unternehmen bedeutet das konkret: Wenn ein Agent lediglich ein Tool ist, landet Verantwortung fast immer wieder bei Menschen – etwa wenn Zusammenfassungen, Entscheidungen oder Rückfragen erst nachträglich „durchgeleitet“ werden müssen.

Ando setzt dem laut Produktbeschreibung eine neue Steuerungsschicht entgegen: Agents erhalten eigene Identitäten und Postfächer und können dadurch in derselben Kommunikationsoberfläche auftreten, die Menschen ohnehin für Abstimmungen nutzen. Das reicht über das reine Mitlesen hinaus: Agents sollen Kanäle gezielt durchsuchen, einzelne Konversationen auswählen und Beiträge so anstoßen können, dass die Gruppe daraus automatisch Nutzen zieht. Du nennt als Beispiel einen Ablauf, in dem ein Agent zwei parallel laufende Gespräche in unterschiedlichen Kanälen erkennt und dann ohne Aufforderung eine gemeinsame Gruppennachricht erstellt, inklusive Kontextaufbereitung und sogar Entscheidungsvorschlägen. In einem solchen Modell verlagert sich die Agentenleistung stärker in Richtung Koordination statt nur in Richtung Generierung einzelner Antworten.

Marktseitig ist der Schritt riskant, aber nicht überraschend. Slack und Microsoft Teams hatten bereits früh Bot- und KI-Funktionen, etwa durch integrierte Bot-Logiken beziehungsweise KI-Workflows, die sich an den Office-Ökosystemen orientieren. Dennoch bleibt ein Raum für „agent-native“ Messaging-Ansätze, weil Unternehmen die Integration von KI in den Alltag derzeit oft als Patchwerk umsetzen: Tools werden ergänzt, Arbeitsprozesse aber häufig nicht vollständig auf den kontinuierlichen Kontextbetrieb ausgelegt. Ando versucht genau diesen Gap zu schließen. Auch außerhalb des „Enterprise-Mainstream“ tauchen Alternativen auf; erst vor Kurzem kündigten Gründer aus dem Umfeld von Entwickler- und Social-Produkten ein Messaging-Konzept an, das Menschen und KI-Agents in einem gemeinsamen Chat zusammenführt, jedoch stärker auf Entwickler ausgerichtet ist.

Finanziell bekommt Ando Rückenwind: Das Startup berichtet von 20 Millionen US-Dollar an Pre-Seed- und Seed-Funding. Zu den genannten Investoren zählen Accel, Index Ventures und Emergence. Du stellt die Mittelverwendung dabei klar in den Kontext von Produktentwicklung und Kapazitätsaufbau: Die frische Finanzierung soll mehr Mitarbeitende finanzieren und zugleich „mehr Tokens“ verbrauchen, also die Agentenlaufzeit in Tests und frühen Implementierungen erweitern. Der erwartete Hebel ist dabei bemerkenswert: Du formuliert, dass KI-Agents sehr kleine Teams in eine Größenordnung bringen könnten, die zuvor Hunderte Mitarbeitende erforderte. Aus ihrer Sicht übernehmen Agents einen Großteil von Ausführung, Recherche und Koordination, während Menschen stärker auf Urteilskraft, Strategie und das „Was passiert als Nächstes?“ fokussieren.

Für IT- und Produktverantwortliche liegt der entscheidende Punkt weniger in der Chat-Oberfläche selbst, sondern in der Frage, wie gut sich geteiltes Gesprächsverständnis als Betriebsmodell etablieren lässt. Wenn Agents nicht nur Antworten erzeugen, sondern Entscheidungen erklären, nachfragen und passende Menschen zur richtigen Zeit einbinden können, verschiebt sich auch der Qualitätsmaßstab: Erfolg hängt dann daran, wie robust Kontext erfasst, wie sauber Identitäten und Berechtigungen im Verlauf gehandhabt werden und wie nachvollziehbar Agentenaktivitäten für die Teammitglieder bleiben. Ando arbeitet derzeit mit Kunden aus Software, Immobilien und Finanzen in 15 Ländern; viele Teams sind dabei noch klein. Genau diese Ausgangslage kann beim Rollout helfen, weil sich Agentenverhalten, Tonalität und Abstimmungslogik iterativ an realen Workflows trainieren lassen – bevor man breiter skaliert.


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