DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen, während das Unternehmen die rechtliche Grundlage für Stabilisierung und eine nachhaltige Zukunft schaffen will. Unklar bleibt, ob und welche Standorte schließen müssen und wie es für die rund 12.000 Beschäftigten weitergeht. Parallel zeigen Branchendaten, dass Kauf- und Warenhäuser seit Jahren an Bedeutung verlieren.

Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 12.000 Beschäftigte bangen um Standorte und Jobs
Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 12.000 Beschäftigte bangen um Standorte und Jobs (Foto: IT BOLTWISE)
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Galeria versucht erneut, einen geordneten Weg aus der Krise zu finden: Die Warenhauskette hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das Unternehmen ließ dabei über die Deutsche Presse-Agentur ausrichten, dass der Geschäftsbetrieb in 83 Filialen vorerst fortlaufen soll. In der Mitteilung bezeichnet Galeria den Insolvenzantrag als Schritt, um die aktuelle Lage rechtlich zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. Gleichzeitig machte der Warenhausbetreiber zunächst keine Detailangaben dazu, wie stark der Umbruch ausfallen wird.

Im Zentrum steht dabei die Frage nach der unmittelbaren Auswirkung auf Arbeitsplätze und Filialen. Die rund 12.000 Beschäftigten wurden am Freitagvormittag informiert und müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Ob Insolvenzgeld fließt, ist laut Angaben im Umfeld des Verfahrens derzeit offen. Hintergrund ist, dass das Amtsgericht Essen die Planüberwachung für Galeria nach dem bislang letzten Insolvenzfall nicht aufgehoben hat. Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, geht die Bundesagentur für Arbeit nach eigener früherer Aussage davon aus, dass in der Regel kein erneut gezahltes Insolvenzgeld möglich sein dürfte; zugleich betonte die Bundesagentur, dass die konkrete Situation bei jeder Prüfung individuell bewertet werden muss.

Verfahrensseitig wurde der Eingang des Insolvenzantrags durch das Amtsgericht Düsseldorf bestätigt, weitere Angaben gab es zunächst nicht. Auch auf Ebene der Arbeitnehmervertretung bleibt vieles zunächst im Unklaren: Der Gesamtbetriebsrat wollte sich zunächst nicht äußern, wie auf Anfrage mitgeteilt wurde. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di beschrieb die Lage für Beschäftigte als „völlige Ungewissheit“ und verlangte eine schnelle Aufklärung, wie es für die Beschäftigten praktisch weitergeht. Gerade diese zeitliche Taktung ist im Einzelhandel entscheidend, weil Personalplanung, Schichtmodelle und Standortentscheidungen in vielen Häusern eng mit kurzfristigen Liquiditäts- und Lieferbedingungen verknüpft sind.

Dass es ausgerechnet nach mehreren Anläufen erneut zu einem Insolvenzantrag kommt, ist im Kontext der Historie der Kette besonders relevant. Galeria ist nach 2020, 2022 und 2024 bereits der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden in Folge früherer Verfahren geschlossen, während Gläubiger laut Darstellung auf Milliardenforderungen verzichtet hatten, um der Warenhauskette einen Ausweg aus der Krise zu ermöglichen. Vor gut zweieinhalb Jahren hatte Galeria noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof den zuletzt bekannten Antrag gestellt; als Auslöser wird die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa genannt. Im Zuge dieser Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen.

Seit Sommer 2024 gehört Galeria demnach zur US-Investmentgesellschaft NRDC sowie zu einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz; entsprechend verschwanden die Namen Kaufhof und Karstadt aus dem Firmennamen, und der Sitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt. Auch finanzielle Engpässe haben das Bild zuletzt geprägt: Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben. Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro, deren Zweck unter anderem der Ablösung eines laufenden Kredits sowie die Begleichung offener Mietzahlungen dienen sollte.

Für die Bewertung der Lage ist zudem wichtig, wie diese Finanzierung in eine Sanierungslogik eingebettet ist. Die Kreditlinie stellt Gordon Brothers bereit; sie soll durch die Ware von Galeria abgesichert sein und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft sein, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen, so die Argumentation aus dem Unternehmen, sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet. Handelsexperten halten unter bestimmten Bedingungen weiterhin einen Fortbestand für möglich, allerdings nicht mehr als Vollsortimenter wie zuvor: Gefragt seien lokale, erlebnisorientierte Konzepte, ergänzende Drittpartner und höhere Aufenthaltsqualität. Zugleich bleibt laut dieser Einschätzung der strategische Investor ein Engpass, der wirklich transformieren wolle.

Auch die Marktdaten liefern hierfür den Hintergrund. Das Handelsforschungsinstitut EHI ordnet Galerias Umsatz rückläufig ein: 2019 setzte die damalige Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen demnach 4,5 Milliarden Euro Nettoumsatz um; sechs Jahre später liege der Wert mit weniger als der Hälfte der Standorte bei nur noch 2 Milliarden Euro. Parallel sank die Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern im deutschen Handel: Laut EHI fielen die Marktanteile seit 2000 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. In dieser Kennzahl sind neben Galeria auch andere Handelsketten wie Müller und Woolworth enthalten. Kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe oder das Kaufhaus Stolz bestehen zwar noch, doch ein Aus von Galeria würde zugleich das Ende einer „klassischen“ Warenhausära markieren.

Der Druck auf den stationären Einzelhandel kommt derzeit zudem aus mehreren Richtungen. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht: Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Auch prominente Fälle zeigen, wie breit das Problem inzwischen ist: So traf es etwa Non-Food-Discounter wie Kodi und Mäc Geiz, die zahlreiche Filialen schlossen, während die Deko-Kette Depot den Geschäftsbetrieb einstellen will. Die Baumarktkette Hellweg wird ebenfalls abgewickelt, etliche Standorte sollen von anderen Händlern übernommen werden, etwa von Bauhaus. Prognosen des Handelsverbands Deutschland gehen davon aus, dass die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken dürfte, nachdem sie Ende 2015 noch etwa 372.000 betrug. In dieser Gemengelage wird verständlich, warum selbst eine Sanierungsfinanzierung in kurzer Zeit an ihre Grenzen stoßen kann und weshalb die nächsten Wochen für Galerias Standorte, Lieferketten und Beschäftigte besonders richtungsweisend sind.


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