LONDON (IT BOLTWISE) – TotalEnergies meldet für das dritte Quartal eine Raffineriemarge von 33,2 US-Dollar je Barrel nach 8,4 US-Dollar im Vorjahr. Auslöser ist die faktische Schließung der Straße von Hormus, die Öltransporte verlangsamt und Rohöl sowie Gas deutlich verteuert. Besonders das Raffineriegeschäft profitiert, weil Diesel und andere Produkte knapp bleiben und Lagerbestände niedrig sind. Die vollständigen Quartalszahlen sollen am 29. Oktober folgen.

TotalEnergies: Raffineriemarge durch Hormus-Krise fast vervierfacht
TotalEnergies: Raffineriemarge durch Hormus-Krise fast vervierfacht (Foto: IT BOLTWISE)
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TotalEnergies bekommt den geopolitischen Druck direkt in die Ergebnisrechnung: Für das dritte Quartal nennt der französische Ölkonzern eine Raffineriemarge von 33,2 US-Dollar je Barrel. Das liegt nach Unternehmensangaben deutlich über dem Wert von 8,4 US-Dollar je Barrel im Vorjahr und deutet damit auf einen nahezu vierfachen Effekt hin. Die Marge gilt dabei als Kennzahl, die zeigt, wie stark eine Raffinerie mit dem Verkauf von Produkten wie Diesel und Benzin gegenüber den Rohölkosten verdient. Je größer die Differenz, desto mehr Ertrag lässt sich pro verarbeitetem Fass erzielen – allerdings mit der Einschränkung, dass es sich um einen Zwischenindikator handelt und der operative Gewinn erst im Gesamtkonto entsteht.

Technisch betrachtet folgt der Zusammenhang aus einer einfachen Logik: Raffinerien kaufen Rohöl ein und verkaufen daraus hergestellte Produkte. Steigen die Produktpreise schneller als die Rohölpreise, wächst die Marge; fällt der Rohölpreis stärker, schrumpft sie entsprechend. Genau diese Dynamik wird in der aktuellen Situation begünstigt. Laut der Unternehmensdarstellung treibt der Krieg der USA und Israels mit dem Iran eine faktische Schließung der Straße von Hormus an, einer der wichtigsten Seewege für den Energietransport. Die Folge ist, dass die globale Versorgung stärker aus dem Takt gerät. Wenn Rohöl und Gas dadurch auf Mehrjahreshochs gedrückt werden, verschieben sich Marktpreise oft so, dass besonders dort Einnahmen entstehen, wo Endprodukte kurzfristig knapp sind.

Dass ausgerechnet das Raffinerie- und Produktgeschäft so stark anspringt, hängt auch mit der Lage bei Nachfrage und Lagerbeständen zusammen. Das Unternehmen argumentiert, dass Diesel und andere Produkte knapp bleiben und die Bestände niedrig sind. In so einem Umfeld reichen kleine Angebots- oder Logistikstörungen aus, um Preisniveaus zu erhöhen, während die Kostenkomponente am Rohölmarkt nicht im gleichen Tempo nachzieht. Im Ergebnis profitieren Raffinerien überproportional, weil sie ihre Marge häufig nicht nur im Spotmarkt, sondern auch im Rahmen von Handels- und Preisbildungsmechanismen realisieren. Genau deshalb fällt der Fokus bei TotalEnergies in den aktuellen Aussagen auf das Raffineriegeschäft – während gleichzeitig andere Sparten je nach Marktsegment anders laufen können.

Der Rückenwind ist aber kein Alleinstellungsmerkmal. Auch die Konkurrenz arbeitet mit ähnlichen Rahmenbedingungen und verschafft sich damit ebenfalls Spielräume: Aus der Branche ist zu hören, dass Shell eine Rekord-Raffineriemarge in Aussicht gestellt hat und BP mit einer Verdreifachung rechnet. TotalEnergies und Shell legen ihre vollständigen Quartalsergebnisse am 29. Oktober vor; BP folgt einen Tag später. Diese zeitliche Staffelung ist für Investoren relevant, weil sich die Marktmeinung oft daran festmacht, ob die Margen in den Folgemonaten „weiterlaufen“ oder nur eine kurzfristige Ausnahme darstellen. Bereits das zweite Quartal untermauerte die Richtung: TotalEnergies erzielte dort einen bereinigten Nettogewinn von sechs Milliarden US-Dollar, 67 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Raffinerie- und Chemiegeschäft, das auch den Ölhandel umfasst, standen 1,8 Milliarden US-Dollar zu Buche – mehr als dreimal so viel wie ein Jahr zuvor.

Neben dem Ölteil zeigen die Zahlen auch, wie differenziert die Wirkung ausfallen kann. Beim Öl- und Handelssignal spielte der Ölpreis der Sorte Brent im Schnitt rund 97 US-Dollar je Barrel eine Rolle, 45 Prozent über dem Vorjahr. Gleichzeitig blieb das Geschäft mit Flüssigerdgas schwach: Es brachte 807 Millionen US-Dollar, ein Minus von 22 Prozent, vor allem wegen des Handels. Damit rückt eine zweite Frage in den Vordergrund: Wie gut lässt sich die Profitabilität in anderen Geschäftsbereichen stabilisieren, wenn Logistik und Preisbildung im Rohstoff- und Produktmarkt gleichzeitig unter Stress stehen. Auch auf der Kapitalseite setzt der Konzern Akzente: Für das dritte Quartal hielt TotalEnergies ein Rückkaufprogramm von 1,5 Milliarden US-Dollar aufrecht und kündigte an, die Beteiligung an der russischen Anlage Arctic LNG 2 aufzugeben.

Allerdings ist die Lage nicht „überall gleich gut“. TotalEnergies verweist zugleich auf Risiken: Im Nahen Osten könnte die Förderung im dritten Quartal die Gesamtproduktion um fünf bis zehn Prozent drücken, ohne Störungen hätte der Konzern dagegen mit einem Plus von drei Prozent gerechnet. Zudem soll die Förderung in der Region nur langsam wieder anlaufen. Genau hier wird die Marge zur Prüfung auf die reale Ergebnisqualität: Selbst wenn die Raffineriemarge hoch bleibt, entscheidet die verfügbare Förder- und Verarbeitungskapazität darüber, wie viel davon am Ende tatsächlich im Gewinn ankommt. Für Anleger ist außerdem entscheidend, dass der Blick auf die Marge allein nicht reicht: Ob TotalEnergies ein weiteres Rekordquartal liefert, hängt davon ab, wie viel Öl der Konzern fördern und verarbeiten konnte und wie sich das Handelsgeschäft entwickelt. Der Ölhandel trug im ersten Halbjahr stark bei, das Gasgeschäft dagegen nicht.

Der zentrale Punkt für die nächsten Quartale bleibt deshalb die Dauer der Ausnahmesituation an der Straße von Hormus. Wenn sich die Lage entspannt, dürften die Margen wieder sinken – ein Muster, das die Vergangenheit bereits gezeigt hat. Als Beispiel nennt der Konzern das Jahr 2022: Damals schossen Raffineriegewinne nach Russlands Überfall auf die Ukraine nach oben und fielen danach innerhalb weniger Monate deutlich. Für Investoren bedeutet das: Dividende und Rückkäufe sind zwar planbar, die operative Profitabilität jedoch nicht. Wer den Konzern über Rückkauf und Ausschüttung im Blick hat, sollte besonders darauf achten, ob TotalEnergies die Rückkäufe fortsetzt und welche Aussagen der Konzern im Ausblick zum vierten Quartal macht – denn genau dort entscheidet sich, ob aus der aktuellen Margen-Spitze ein nachhaltiger Trend wird oder nur eine kurze Welle.


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