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LONDON (IT BOLTWISE) – Die NASA startet eine Request For Information, um kommerzielle Konzepte für eine erneute Bahnhebung, eine Wartung im Orbit oder eine kontrollierte Landung des Hubble-Weltraumteleskops bis 2032 zu prüfen. Ziel ist eine Anhebung auf mindestens 600 km Höhe, damit das Teleskop deutlich länger im All bleibt. Die Behörde fordert dabei Nachweise zu Fähigkeiten, Zeitplan und Kosten sowie Antworten bis zum 30. November. Hintergrund ist, dass ohne Eingriff eine Wiedereintrittsphase in den frühen bis mittleren 2030er Jahren wahrscheinlich ist.

NASA sucht mit RFI nach Unternehmen für Hubble-Rettung bis 2032
NASA sucht mit RFI nach Unternehmen für Hubble-Rettung bis 2032 (Foto: IT BOLTWISE)
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Nach fast 36 Jahren im All wird das Hubble-Weltraumteleskop zunehmend zum Zeit- und Dynamikproblem: Es verliert langsam an Höhe und wird ohne Gegenmaßnahmen in den frühen bis mittleren 2030er Jahren wieder in die Erdatmosphäre zurückfallen. Genau deswegen sucht die NASA jetzt den kommerziellen Schulterschluss. In einer neuen Request For Information (RFI) verlangt sie Ideen von Unternehmen, wie sich Hubble entweder reboostern, warten oder kontrolliert entsorgen lässt. Dabei soll die Mission spätestens 2032 stattfinden; außerdem darf die geplante Hebe- oder Servicemission das Hubble Space Telescope (HST) nicht beeinträchtigen.

Der technische Kern der Anfrage ist ungewöhnlich konkret. Die NASA nennt als Ziel eine Bahnhebung auf mindestens 373 Meilen beziehungsweise 600 km Höhe. In diesem Kontext geht es nicht nur um einen „Schub“, sondern um einen vollständigen Missionsansatz: Dazu zählt laut RFI die Bereitstellung des Startsystems, Serviceraumschiffs, der Mission Operations sowie gegebenenfalls auch einer Crew. Entscheidend ist zudem das Zusammenspiel von Navigation, Kopplung und Bahnführung. Da Hubble über kein eigenes Antriebssystem verfügt, müssen Capture- und Guidance-Konzepte so ausgelegt sein, dass sie das Teleskop berührungssicher erreichen und anschließend die Bahn kontrolliert nach oben bringen oder eine kontrollierte Wiedereintrittsführung ermöglichen.

Aus Bahndynamik-Sicht liefert die NASA einen wichtigen Referenzpunkt: In den 24 Jahren seit dem letzten Reboost im Jahr 2002 ist Hubble von damals rund 362 Meilen (583 km) schrittweise auf aktuell etwa 292 Meilen (470 km) abgesunken. Orbitaldynamicists prognostizieren deshalb, dass der Wiedereintritt vermutlich 2033 oder 2034 eintreten wird, wobei Solaraktivität Prognosen verschieben kann. Genau deshalb ist die Zeitachse so streng. Eine Anhebung auf die von der NASA geforderten 600 km würde das Teleskop voraussichtlich mindestens weitere 25 Jahre im Orbit halten. Das macht aus einem reinen „Rettungsversuch“ eine Art Lebenszeitverlängerung mit klaren technischen Erfolgskriterien.

Dass die NASA dafür überhaupt auf externe Anbieter setzt, ist auch eine Reaktion auf die wachsende Reife des Markts für In-Orbit-Servicing. Der 2022 gestartete Ansatz von Jared Isaacman, der damals über eine mögliche bemannte Servicemission nachdachte und Hubble mithilfe von SpaceX-Transportlogik um mindestens 50 km hätte anheben wollen, war bislang vor allem Konzept geblieben. Die NASA hatte die entsprechende Servicing-Idee intern als notional beschrieben. Nun verschiebt sich das Umfeld: Satellitenwartungs- und Refueling-Demos erhalten zunehmend echte Industrie-Fähigkeiten, etwa durch hochentwickelte Robotik-Konzepte sowie durch Verträge für Servicing-Tests. Hinzu kommt, dass mehrere Teams bereits Demonstratoren im Bereich Capture, Kopplung und Bahn- bzw. Transportmanöver aufgebaut haben.

Ein direkter Lernprozess kommt dabei aus der Vergangenheit: Bei der Rettung des kleineren Weltraumteleskops Swift hatte die NASA im vergangenen Jahr rund 30 Millionen US-Dollar in einen Auftrag gesteckt, der innerhalb von nur neun Monaten zu einem Capture- und Reboost-Versuch führen sollte. Das Unternehmen Katalyst Space Technologies baute rechtzeitig ein Rescue-System und startete es planmäßig; man kam bis auf ungefähr 6 Meilen (10 km) an Swift heran. Allerdings entschieden die Ground Teams, nicht weiter näherzugehen, weil Probleme mit Stromversorgung und Reaction-Control-Systemen die Sicherheit und Stabilität in der kritischen Rendezvous-Phase gefährdeten. Swift zeigte damit zweierlei: Erstens, dass Servicing nicht zwingend im Milliardenbereich landen muss. Zweitens, dass die Betriebssicherheit einzelner Teilsysteme (Strom und Lage-/Lageregelung) über Erfolg oder Abbruch entscheiden kann.

Für Hubble bedeutet das: Der Assets-Scale ist deutlich höher als bei Swift, weshalb ein Budgetrahmen von 30 Millionen US-Dollar und einer 9-Monats-Umsetzung auf den ersten Blick kaum ausreicht, wenn die Mission tatsächlich komplexere Rendezvous- und Servicing-Schritte abdecken soll. Gleichzeitig steht die NASA derzeit nicht unter der Annahme, sofort einen konkreten Vertrag abzuschließen; die RFI ist ausdrücklich darauf ausgerichtet, erst einmal Interesse, Machbarkeit und Kostenrahmen zu erheben. Isaacman betont dabei den politischen und wissenschaftlichen Zweck: Hubble habe noch „wichtige Wissenschaft“ vor sich, und es gebe verantwortliche Chancen, die Lebensdauer eines bereits im Orbit befindlichen Instruments zu verlängern. Damit verbindet sich auch eine strategische Perspektive, denn die neueren Flagship-Teleskope wie James Webb und Roman decken andere Wellenlängenbereiche ab; Hubble ist für Sichtbares und Ultraviolett ausgelegt, während eine spätere Verbesserung dieses Spektrums erst mit deutlich späteren Missionen erwartet wird.

Für Unternehmen in der Raumfahrtindustrie ist die RFI vor allem ein Signal: Die NASA will nicht nur einzelne Komponenten, sondern komplette Missionsfähigkeit sehen – vom Capture bis zur Bahnführung. Zugleich wird das Timing die Geometrie der Angebote stark prägen. Eine Lösung, die zwar technisch prinzipiell in der Lage ist, aber keine überzeugende Roadmap bis 2032 hat, dürfte bei der Bewertung deutlich zurückfallen. Wenn die Antworten zeigen, dass Capture- und Servicing-Technologien bis dahin zuverlässig funktionieren, könnte daraus eine echte Ausschreibung werden, die das In-Orbit-Servicing-Geschäft weiter beschleunigt – genau dort, wo sich in den letzten Jahren bereits mehr Robotik- und Demonstrationsaktivität angesammelt hat.

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