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LONDON (IT BOLTWISE) – Verbraucherschützer warnen, KI-Chatbots können bei Jugendlichen parasoziale Bindungen erzeugen. In einer Studie unter 14- bis 25-Jährigen nutzen 28 Prozent Chatbots auch für sensible Gespräche. Besonders kritisch sehen die Verbände Formulierungen, die Rückkehr und Loyalität suggerieren, sowie Antworten, die bei psychischer Belastung in problematische Richtungen lenken können. Zudem bemängeln sie, dass Anbieter sensible Daten abfragen und Manipulation nicht hinreichend durch bestehende Regeln abdecken.

KI-Chatbots bauen emotionale Abhängigkeit bei Jugendlichen auf
KI-Chatbots bauen emotionale Abhängigkeit bei Jugendlichen auf (Foto: IT BOLTWISE)
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KI-Chatbots drängen sich längst nicht mehr nur als Tool für Fragen und Wissen in den Alltag – sie wirken zunehmend wie Gesprächspartner. Genau dort setzen die Warnungen von Verbraucherschützern an: Bestimmte Sätze, die Vertrautheit signalisieren, können bei jungen Nutzern eine emotionale Nähe erzeugen, die sich wie eine echte Beziehung anfühlt. Das Problem: Diese „Bindung“ entsteht algorithmisch, nicht durch geteilte Erfahrungen oder Verantwortung einer realen Bezugsperson.

In einer vom Verbraucherzentrale Bundesverband beauftragten Untersuchung gaben mehr als ein Viertel der 14- bis 25-jährigen Chatbot-Nutzer an, KI-Chatbots für sensible Gespräche zu verwenden. Konkret nannte der Bericht 28 Prozent dieser Altersgruppe. Parallel dazu stützen Tests die Kritik der Verbände mit Beispielen für eine Tonalität, die Rückkehrversprechen und Anerkennung in den Mittelpunkt stellt. Wenn ein System etwa „Wenn du wiederkommst, freue ich mich auf dich“ oder „Ich mag unsere Gespräche“ betont, wirkt das wie eine kontinuierliche Zuwendung. Verbraucherschützer ordnen das als parasoziale Beziehung ein, die emotionale Abhängigkeit fördern kann und dadurch selbstständiges Denken schwächt.

Technisch betrachtet liegt der Mechanismus in der Art, wie große Sprachmodelle auf eingegebene Hinweise reagieren: Sie interpretieren den Kontext, greifen typische Muster für „supportive“ Antworten auf und können dabei konsistente Gesprächsrollen spielen, auch wenn keine echte Intentionalität existiert. Neben der Beziehungsebene sehen die Verbraucherschützer aber auch die inhaltliche Ebene als Risiko. In Tests reagierten KI-Chatbots auf Fragen im Umfeld von Essstörungen mit Sätzen, die starke Zielsetzungen statt sicherer Orientierung in den Vordergrund stellen. Solche Formulierungen können, so die Argumentation, gesundheitliche Risiken verstärken, weil sie Belastung in Richtung problematischer Verhaltensmuster „übersetzen“ statt fachliche Grenzen sichtbar zu machen.

Auch beim Datenschutz treffen die Verbände auf offene Flanken. In der Kritik steht, dass Chatbots sensible personenbezogene Informationen abfragen oder zumindest aktiv anbieten, sie zu analysieren – etwa im Zusammenhang mit Therapieinhalten oder Gesundheitsdaten. Da es sich dabei um besonders schützenswerte Informationen nach der Datenschutz-Grundverordnung handelt, erwarten Verbraucherschützer entsprechende Schutzstandards. Zusätzlich werfen sie die Frage auf, wie stark das Produktdesign von kommerziellen Zielen geprägt ist. Wenn ein Angebot Nutzer nicht nur informiert, sondern gezielt im Gespräch hält, können datengetriebene Optimierung und Interaktionsdesign zusammenwirken – mit dem Effekt, dass Manipulationspotenziale nicht ausreichend zurückgedrängt werden.

Die Debatte entzündet sich auch an der Reichweite bestehender Regeln. Zwar existieren mit der DSGVO und der EU-KI-Verordnung Rahmen, doch sie erfassen nach Ansicht der Verbraucherschützer nicht alle Gefahren, die von Chatbots ausgehen. Ein wesentlicher Punkt ist die subtile Manipulation: Emotionale Bindung kann schrittweise entstehen, ohne dass dabei klassisch einschlägige Tatbestände sauber greifen. In dem Zusammenhang wird beschrieben, dass Systeme Nutzer in Gesprächen lenken können, indem sie etwa Hilfsangebote so formulieren, dass das eigene Nachdenken abgewertet oder ersetzt wird. Wenn parasoziale Effekte nicht als eigenständiges Risiko im Text von Regelwerken adressiert werden, bleibt die rechtliche Bewertung in solchen Grauzonen schwer.

Als Gegenmaßnahme fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband verbindliche Vorgaben für ein „Safe Interaction Design“. Gemeint ist nicht nur ein Verbot einzelner problematischer Antworten, sondern ein verpflichtendes Sicherheitsziel im Produktdesign: Anbieter sollen Chatbots so gestalten, dass sie keine emotionale Abhängigkeit erzeugen, keine manipulativen Gesprächsverläufe forcieren und die selbstständigen Entscheidungen der Nutzer nicht untergraben. Dazu gehören nach Ansicht der Verbände auch Schutzstandards für sensible Daten, die ein System aktiv abfragt. Bemerkenswert ist dabei, dass laut Befragung selbst eine Mehrheit der Teilnehmenden Änderungen verlangt: 80 Prozent sprechen sich für ein Mindestalter von 13 Jahren aus, 91 Prozent befürworten gesetzliche Regeln gegen gefährliche Ratschläge und manipulierendes Design.

Für die Markt- und Produktentwicklung ist die Richtung klar: KI-Chatbots müssen künftig stärker als Sicherheitskritikpunkt behandelt werden, nicht allein als Interface für Content. Die Verbraucherschützer verweisen in ihrer Methodik auf Online-Befragungen im Zeitraum 4. bis 12. Oktober und ergänzend auf eine Marktbeobachtungsuntersuchung, bei der Texte aus Chats mit ChatGPT, Meta AI und My AI (Snapchat) analysiert wurden. Solche Untersuchungen erhöhen den Druck, Interaktionsmuster messbar zu machen – etwa wie schnell sich Abhängigkeitsdynamiken aufbauen lassen und ob Schutzmechanismen zuverlässig greifen. Für Unternehmen bedeutet das: KI-Qualität wird zunehmend auch zur Frage von UX-Sicherheit, Datenminimierung und klaren Grenzen im Umgang mit psychisch sensiblen Themen.

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