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LONDON (IT BOLTWISE) – Die DAK-Gesundheit meldet im Psychreport 2026 psychisch bedingte Fehltage als zweithäufige Ursache in Deutschland. Im Jahr 2025 entfallen 366 Fehltage je 100 Versicherte, bei einem Anstieg um 7 % gegenüber dem Vorjahr. Die Auswertungen zeigen außerdem höhere Belastung bei Frauen, längere Krankheitsverläufe bei Älteren und einen starken Anteil von Depressionen. Für Betriebe rücken damit Frühintervention und eine rechtssichere Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen stärker in den Fokus.

DAK-Report 2026: 366 Fehltage je 100 Versicherte durch psychische Leiden
DAK-Report 2026: 366 Fehltage je 100 Versicherte durch psychische Leiden (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Befund, den die DAK-Gesundheit mit dem Psychreport 2026 liefert, ist für den Arbeitsalltag von Führungskräften unbequem, aber klar: Psychische Erkrankungen sind im Jahr 2025 die zweithäufigste Ursache für Fehltage in Deutschland. Konkret berichten die Auswertungen von 366 Fehltagen je 100 Versicherte. Das entspricht einem Plus von 7 % gegenüber dem Vorjahr, in dem 342 Fehltage gezählt wurden. Damit verschiebt sich die Diskussion in vielen Unternehmen weg von der allgemeinen Sensibilisierung hin zu konkreten Prozessen, die mit Belastungsvorsorge, Gesprächsführung und Unterstützungswegen in der Praxis verknüpft sind.

Technisch betrachtet geht es in den Kennzahlen nicht nur um Häufigkeit, sondern um die Dynamik der Krankheitsverläufe. Die Zahl der Fälle liegt bei 10,7 je 100 Versicherte, ebenfalls mit einem Zuwachs von 3 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Ausfalldauer von 32,9 Tagen (2024) auf 34,2 Tage (2025). Diese Kombination aus mehr Fällen und längeren Verläufen hat direkten Einfluss auf Einsatzplanung, Vertretungsmodelle und die Kapazität von Teams. Auffällig ist zudem die Geschlechterdifferenz: Frauen kommen auf 456 Fehltage je 100 Versicherte, Männer auf 288. Das verstärkt in der betrieblichen Praxis die Notwendigkeit, Unterstützungsangebote nicht nur bereichsweit, sondern auch entlang konkreter Belastungsmuster zu denken.

Unter der Diagnoseebene zeigt der Report, welche Krankheitsbilder besonders ins Gewicht fallen. Depressionen erreichen 202 Fehltage je 100 Versicherte und wachsen um 11 %, zugleich stellen sie 55 % aller psychisch bedingten Fehltage. Auf Anpassungsstörungen entfallen 63,5 Tage bzw. 17 %. Besonders relevant für die Präventionsarbeit sind aber auch die Langzeitverläufe: Krankschreibungen von mehr als 42 Tagen steigen um 12 % an und verursachen 71 % der psychisch bedingten Fehltage. Je länger ein Fall dauert, desto größer wird meist der organisatorische „Sekundärschaden“ durch Wissensverluste, Projektverzögerungen und Mehrarbeit bei verbleibenden Kolleginnen und Kollegen. Genau hier setzen Qualifizierungsformate für Vorgesetzte an, etwa Seminarprogramme, die Führungskräfte für Anzeichen sensibilisieren und handlungssichere Schritte vermitteln sollen.

Mit fortschreitendem Alter werden die Verläufe im Report spürbar langwieriger: Von 12,6 Tagen bei den 15- bis 19-Jährigen auf 63,5 Tage in der Altersgruppe der über 60-Jährigen. Die DAK-Gesundheit leitet daraus die Empfehlung zu einem systemischen Betrieblichen Gesundheitsmanagement ab. Das ist mehr als ein Schlagwort, denn „systemisch“ bedeutet in der Umsetzung, dass ein Unternehmen Belastungsquellen identifiziert, Maßnahmen plant, Wirksamkeit überprüft und Verantwortlichkeiten sauber zuordnet. Auch das wird in Initiativen rund um die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen konkret. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin arbeitet beispielsweise an einem Handbuch zur Gefährdungsbeurteilung, das sich an betriebliche Akteure und Multiplikatoren richtet; parallel wird in der Praxis ein überarbeitetes Instrument namens „IGAcheck“ neu ausgerollt, das branchen- und berufsspezifische Profile erstellt, um Schwerpunkte systematisch zu erkennen und Prävention gezielter zu steuern.

Damit rückt zugleich die rechtssichere Dokumentation in den Mittelpunkt: Wer im Betrieb Verantwortung für den Arbeitsschutz trägt, muss psychische Belastungen nachvollziehbar erfassen und dokumentieren, um präventiv handeln zu können. In der Praxis entscheiden dabei Details wie Skalierung, Bewertungslogik und Nachweisführung darüber, ob eine Maßnahme später im Alltag greift oder nur auf dem Papier existiert. Die im Umfeld genannten Vorlagen und Muster zielen genau darauf ab, Überlastungsgefahren früh zu identifizieren und anschließend den Anforderungen aus § 5 ArbSchG zu entsprechen. Für IT-Verantwortliche und HR-Teams heißt das: Ergänzend zu Schulungen für Führungskräfte werden oft auch Datenflüsse, Umfrageroutinen und Workflow-gestützte Dokumentation benötigt, damit Gefährdungsbeurteilungen nicht jedes Mal bei Null starten.

Auch der Blick auf Branchen zeigt, dass es keine „Einheitslösung“ gibt. Das Gesundheitswesen liegt bei 474 Fehltagen je 100 Versicherte und damit rund 30 % über dem Branchendurchschnitt, die öffentliche Verwaltung folgt mit 430, Bildung, Kultur und Medien mit 368. Bei Berufsgruppen fallen Unterschiede ebenfalls stark aus: medizinische Gesundheitsberufe kommen auf 409 Fehltage, nichtmedizinische Gesundheitsberufe – etwa in der Altenpflege – erreichen 524. Zudem taucht Arbeitszeit als zusätzlicher Hebel in der Debatte auf: Nach Angaben aus dem DGB-Index Gute Arbeit 2025 arbeiten 43 % der Beschäftigten häufig länger als acht Stunden am Tag, meist unfreiwillig. Fast die Hälfte dieser Gruppe fühlt sich nach der Arbeit regelmäßig leer oder ausgebrannt. Wenn Ruhezeiten zwischen zwei Arbeitstagen unter elf Stunden liegen, steigt laut der Untersuchung die Wahrscheinlichkeit für Erschöpfungszustände. Diese Kombination aus psychischer Belastung und Arbeitszeitstress macht deutlich, warum Unternehmen nicht nur „Gespräche“ brauchen, sondern belastbare Rahmenbedingungen, die die Belastung langfristig reduzieren.

Für die nächsten Monate ist entscheidend, wie konsequent Betriebe die Zahlen in operative Entscheidungen übersetzen. Seminarformate für Vorgesetzte sind ein guter Startpunkt, weil sie die erste Reaktionsfähigkeit verbessern, doch der Report legt nahe, dass Unternehmen parallel die Ursachenebene adressieren müssen: längere Ausfallzeiten, eine hohe Konzentration auf bestimmte Diagnosegruppen und deutliche Unterschiede zwischen Lebensphasen und Berufsrealitäten. Wer bereits heute Betriebliches Gesundheitsmanagement als laufenden Prozess behandelt, kann zudem schneller auf Langzeitverläufe reagieren und Unterstützungswege frühzeitig mit HR-, Führungskräfte- und Arbeitsschutzrollen verbinden. Unterm Strich wird die betriebliche Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen damit vom Pflichttermin zur Managementaufgabe – mit messbaren Auswirkungen auf Fehlzeiten, Teamstabilität und Rückkehrchancen.

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