SAN JOSE / LONDON (IT BOLTWISE) – Im Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI stützt der Konzern neue Vorwürfe auf eine forensische Auswertung eines übergebenen MacBooks. Apple will die Beweisaufnahme beschleunigen und behauptet unter anderem den Zugriff auf Schaltplan-Daten zur Trainingsphase eines KI-Agenten. OpenAI weist die Vorwürfe zurück und stellt Apple eigene interne Abläufe zur Trennung von privaten und Firmendaten sowie zur Rückgabe von Geräten in Frage. Wie das Gericht auf den Antrag reagiert, dürfte den weiteren Zeitplan des Verfahrens deutlich beeinflussen.

Im Prozess um mutmaßlichen Geheimnisverrat zwischen Apple und OpenAI rückt jetzt die Beweisführung stärker in den Fokus: Apple beruft sich auf eine forensische Auswertung eines MacBooks, das OpenAI im laufenden Verfahren übergeben hatte. Konkret geht es um frühere Apple-Mitarbeiter, darunter Chang Liu sowie Tang Tan, denen Apple eine missbräuchliche Nutzung von Geschäftsgeheimnissen im Zusammenhang mit Hardware-Design, Fertigung und Lieferkettenabläufen vorwirft. Während Apple damit einen zusätzlichen Strang in die Auseinandersetzung einziehen will, stellt OpenAI das Gesamtbild infrage und beschreibt den Konflikt als gegenseitiges Durcheinander, das Apple selbst verursacht habe.
Besonders brisant wird die jüngste Ergänzung in dem neuen Dokument vom 31. August: Apple macht geltend, Chang Liu habe während seiner Zeit bei OpenAI auf den Schaltplan eines Spannungswandlers zugegriffen. Im März, so Apples Darstellung, sei auf dieser Grundlage ein KI-Agent mit proprietären Apple-Informationen trainiert worden. Dieser Punkt wirkt nicht nur wie ein zusätzlicher Sachverhalt, sondern wie ein Versuch, die technische Plausibilität der eigenen Vorwürfe zu schärfen: Forensik liefert typischerweise Indizien über Zugriffszeiten, Dateioperationen und Spuren auf Datenträgern, die sich im Prozesskontext oft schneller in die Argumentation übersetzen lassen als rein abstrakte Behauptungen.
Darauf aufbauend beantragt Apple beim zuständigen US-Bundesgericht in San Jose eine beschleunigte Beweisaufnahme. Für beide Seiten bedeutet das: Ein beschleunigtes Vorgehen kann den Druck auf die gegenseitige Beweislast erhöhen, weil weniger Zeit bleibt, um interne Dokumente zu sichten, technische Experten vorzubereiten oder Gegenbeweise aus forensischen Artefakten abzuleiten. OpenAI hatte zuvor die Abweisung der gesamten Klage beantragt und betonte, die eigenen Produkte seien neu gegenüber allem, was Apple anbietet. In der aktuellen Replik verlagert OpenAI den Streit zudem auf die Frage, ob Apples Vorwürfe überhaupt stichhaltig sind, etwa indem behauptet wird, Chang Liu habe nach dem Ausscheiden lediglich bei der Auffindung von Dateien oder beim Beantworten von Fragen geholfen, die von Apple-Mitarbeitern selbst angestoßen worden seien.
OpenAI hält außerdem dagegen, dass Apple den Fall nicht sauber trennt: Nach Darstellung des KI-Labors sollen Apples Vorgehen und interne Prozesse selbst dazu beitragen, private und geschäftliche Inhalte schwerer voneinander zu unterscheiden. Genannt werden dabei Apples eigene Praxis, Mitarbeiter zu ermutigen, für Arbeitsdokumente private iCloud-Konten zu nutzen, sowie die Art der Rückgabe- und Übergabeabläufe. Auch die Situation um Tang Tan wird von OpenAI mit einer anderen Timeline eingeordnet: Tan habe vor dem Ausscheiden Apple-Prototypen zurückgegeben und nur nicht vertrauliche Unterlagen behalten, darunter eine Checkliste für den Austritt von Mitarbeitern, die nach OpenAIs Darstellung nicht als vertraulich eingestuft gewesen sei. Für das Gericht sind solche Gegenargumente relevant, weil sie nicht nur die behauptete Vertraulichkeit betreffen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, welche Daten in einem konkreten Zeitraum tatsächlich verfügbar waren.
Aus Marktperspektive bleibt die unmittelbare Wirkung auf den Kurs zunächst begrenzt, auch wenn die Vorwürfe die Schlagzeilen dominieren. Apple-Aktien beendeten den Handel am Montag laut vorliegenden Angaben rund 0,89 Prozent schwächer bei 316,85 US-Dollar, und auch im vorbörslichen Handel zeigte sich zunächst ein weiterer leichter Rückgang. Die Bewertung am Kapitalmarkt bleibt dabei laut den genannten Analystenstimmen mehrheitlich positiv: Von 30 Analysten wurden 16 mit Buy, zehn mit Hold und vier mit Sell eingestuft, das mittlere Kursziel lag bei 338,99 US-Dollar; die Spanne reichte von 245 bis 400 US-Dollar. In der Logik vieler Anleger bedeutet das: Der Rechtsstreit wird zwar beobachtet, aber nicht automatisch als kurzfristiger Bruch mit der Unternehmensstrategie interpretiert.
Gleichzeitig ist der technische Hintergrund des Konflikts ein Hinweis darauf, wie hart die Schnittstelle zwischen KI-Entwicklung und Hardware-Engineering geworden ist. OpenAI verweist darauf, dass für das eigene Hardware-Vorhaben nach Angaben der Parteien etwa 400 ehemalige Apple-Mitarbeiter eingestellt worden seien. Für Unternehmen wird daran deutlich, dass die Frage nach Datenzugriffen, Schulungsmaterial und internen Abläufen längst nicht mehr nur juristisch, sondern auch operativ beantwortet werden muss: Wer KI-Systeme in Produkt- und Engineering-Kontexte einbindet, braucht saubere Prozesse zur Datentrennung, zur Dokumentation von Trainingsdaten sowie zu kontrollierten Übergaben bei Mitarbeiterwechseln. Ob das Gericht in San Jose dem Beschleunigungsantrag folgt, wird den weiteren Zeitplan prägen; damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit schnell von der Story zur Forensik, also zu dem Teil der Beweisführung, der sich am ehesten in konkrete technische Schlüsse überführen lässt.
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