LONDON (IT BOLTWISE) – Raoul Pal erwartet, dass Bitcoin künftig die Nasdaq 100 schlägt. Seiner Argumentation nach wirken steigende Zinsen nicht wie ein Bremsklotz, sondern treiben über „fiskalische Dominanz“ mehr Liquidität ins System. Er verweist auf den kurzfristigen Kurswechsel nach Fed- und BoJ-Entscheidungen sowie auf charttechnische Hinweise im Wochenverhältnis. Besonders spannend: Pal richtet den Blick dabei auch auf einen breiteren Altcoin-Teilmarkt.

Bitcoin soll Nasdaq 100 outperformen: Raoul Pal setzt auf steigende Zinsen
Bitcoin soll Nasdaq 100 outperformen: Raoul Pal setzt auf steigende Zinsen (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin bekommt derzeit Rückenwind, den viele Marktteilnehmer eher als Gegenwind interpretiert hätten: Nach der jüngsten Straffung durch die US-Notenbank und der anschließenden geldpolitischen Anpassung in Japan haben sich die Erwartungen an die Zinsrichtung zwar weiter erhitzt, der Kursverlauf von BTC folgte aber nicht dem klassischen Muster „höhere Zinsen = sinkende Risikobereitschaft“. In diesem Umfeld positioniert sich Raoul Pal als Makro-Investor gegen die Konsenslogik, indem er dem Bitcoin-Trade eine relative Stärke gegenüber dem Nasdaq 100 zuschreibt. Der Kern seiner These lautet, dass höhere Finanzierungskosten für hoch verschuldete Staaten den Bedarf an neuer Liquidität erhöhen – und Bitcoin als besonders zins- und liquiditätssensibles Asset davon überproportional profitieren könnte.

Der zeitliche Rahmen ist dabei entscheidend für die Plausibilität der Story: Laut Angaben im vorliegenden Material stieg der Leitzins der Fed um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 % bis 4,00 %; zuvor gab es zuletzt im Juli 2023 eine Zinserhöhung. Zwei Tage später zog auch die Bank of Japan ihre Politik nach, wobei der Leitzins auf 1,25 % angehoben wurde. Der Markt war auf der Grundlage solcher Schritte häufig auf fallende Kurse bei riskanten Anlagen eingestellt, doch Bitcoin drehte statt zu bremsen – nach einem Bereich um 75.580 US-Dollar soll der Kurs die 80.000-US-Dollar-Marke überschritten haben und dort zunächst stabil geblieben sein. Genau diese Abweichung vom Erwartungsbild nutzt Pal als „Signal“, das seiner Makroerzählung mehr Gewicht verleiht.

Technisch betrachtet läuft Pal’s Argumentation auf ein Liquiditäts- und Refinanzierungskalkül hinaus. Er greift dabei die Idee der „fiscal dominance“ auf: Wenn ein Staat im Aggregat so viel Schulden trägt, dass die steigenden Zinskosten politisch und fiskalisch zum Problem werden, entsteht Handlungsdruck. Aus seiner Sicht bedeutet Refinanzierung zu höheren Zinssätzen nicht einfach „weniger Geld in der Wirtschaft“, sondern vielmehr, dass zusätzliche frische Liquidität irgendwo im System bereitgestellt werden muss. Bitcoin wird in diesem Modell als Vehikel gesehen, das besonders stark auf solche Liquiditätsimpulse reagiert. Als Begründungsanker nennt das Material außerdem Korrelationen mit globaler Liquidität – für Bitcoin 87 % gegenüber 97 % beim Nasdaq 100 – und liest die Differenz als Chance, dass sich Bitcoin bei einer erneuten Liquiditätswende sogar relativ besser entwickeln kann.

Auf der Chart-Ebene stützt Pal die These gleich auf mehrere Ebenen der relativen Betrachtung: Er setzt Bitcoin in ein Verhältnis zum Nasdaq 100 und zeigt dieses über einen länger zurückreichenden Zeitraum, der im Material bis 2013 zurückgeführt wird. Entscheidend ist laut Darstellung, dass das Verhältnis nach einem Rückgang durch 2026 in der Nähe des unteren Bereichs einer log-basierten Regressionkanal-Spanne liegt. Für den jüngeren Trend schaut er dann auf die wöchentliche Struktur: Das Material beschreibt, dass im Wochenverhältnis ein Abwärtstrend gebrochen worden sei und „DeMark lows“ in den Raum gestellt würden. DeMark bezieht sich dabei auf eine Familie von Indikatoren, die unter anderem darauf zielen, das potenzielle Auslaufen eines Trends anhand von Zählmechanismen zu erkennen. Konkreter gesagt: Die im Material erwähnten „Buy“-Signale nahe lokaler Tiefs deuten für Pal darauf hin, dass Verkäufer erschöpft sein könnten – und die anschließende Rückkehr über ein seit Mitte 2025 fallendes Channel-Niveau liefert die technische Bestätigung.

Interessant wird es, als Pal den Blick von Bitcoin auf einen breiteren Markt öffnet. Sein „größeres Spiel“ bezieht sich laut Material auf einen Index, der den Gesamtwert des Krypto-Markts abbildet, allerdings ohne die zehn größten Coins. Dieser Marktwert wird im Material mit rund 226,27 Milliarden US-Dollar beziffert; außerdem wird ein wöchentlicher Zuwachs von 13,67 % genannt. Daraus lässt sich eine zweite Lesart ableiten: Selbst wenn Bitcoin als liquiditätssensibles Leitasset dient, könnte die „Neusortierung“ nach einer Makro-Entscheidung auch andere Segmente mitnehmen. Genau deshalb wirkt Pal’s Positionierung im aktuellen Kontext auch nicht nur „bullisch für BTC“, sondern potenziell taktisch für den Altcoin-Komplex, zumal das Material Pal zuletzt mehrfach auf diesen Teilbereich festlegt.

Für Anleger mit längeren Zeithorizonten ist in Pal’s Kommunikation zudem ein psychologisches Thema enthalten: Er adressiert laut Material enttäuschte Halter, die mit Blick auf Drawdowns klagen. Die Kernaussage ist nicht, dass Verluste irrelevant wären, sondern dass die Bewertung von Risiko und Zeitfenster oft zu knapp gewählt wird. Historisch, so lässt es sich aus dem vorliegenden Text ableiten, waren Pal’s Calls zwar häufig „groß“, aber nicht jedes Timing traf exakt den gewünschten Zeitpunkt. Als Beispiel werden Zielvorstellungen für eine mögliche Bitcoin-Supercycle-Story genannt, inklusive sehr hoher Kursmarken bis in das Jahr hinein. Gleichzeitig endet seine Argumentation mit einer klaren Warnung gegen das Überhebeln: Geduld ja, Leverage nein – eine Formulierung, die eher das Risikomanagement als die Richtung des Marktes betont.

Für die Praxis in Unternehmen und Portfolios folgt daraus vor allem eine Frage: Lohnt es sich, die Makroverknüpfung zwischen Zinsen, Liquidität und Krypto-Renditen als wiederkehrenden Mechanismus in Szenarien zu modellieren? Wenn Pal’s Kernannahme – Refinanzierung erhöht den Liquiditätsbedarf – auch nur teilweise zutrifft, könnte das mehrere Handlungsstränge beeinflussen: erstens die Timing-Logik in wiederkehrenden Allokationen, zweitens die relative Betrachtung zwischen Bitcoin und marktbreiteren Krypto-Segmenten sowie drittens die Notwendigkeit, Drawdown- und Volatilitätsparameter so zu definieren, dass ein „Liquiditätsschub“-Narrativ nicht durch kurzfristige Schwankungen entwertet wird. Unabhängig davon, ob man Pal’s DeMark-Lesart teilt oder nicht: Die Verbindung aus makroökonomischem Regimewechsel und charttechnischer Bestätigung liefert derzeit einen konkreten Interpretationsrahmen, der in den meisten Investment- und Risikomodellen noch stärker zusammen gedacht werden dürfte.


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