LONDON (IT BOLTWISE) – Bitwise-CIO Matt Hougan rechnet bis 2035 mit einem Bitcoin-Kursziel von 1,3 Millionen US-Dollar pro Coin. Als Treiber sieht er vor allem institutionelles Kapital, das über Spot-Bitcoin-ETFs und klassische Vermögensverwaltung schrittweise in den Markt gelangt. Eine 1%-Quote aus Institutionen mit 100 bis 200 Billionen US-Dollar Assets könnte sein Szenario rechnerisch stützen. Gleichzeitig erwartet er, dass der Nachfrageimpuls von großen Unternehmenskäufen wie Strategy langfristig nachlässt.

Bitwise erwartet bis 2035 1,3 Mio. US-Dollar pro Bitcoin – dank Institutionen
Bitwise erwartet bis 2035 1,3 Mio. US-Dollar pro Bitcoin – dank Institutionen (Foto: IT BOLTWISE)
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Matt Hougan, Chief Investment Officer von Bitwise, baut seine langfristige Bitcoin-These auf einem relativ einfachen Hebel auf: Wenn Institutionen in nennenswertem Umfang Kapital in Bitcoin umschichten, verschiebt sich die Nachfragekurve deutlich schneller als im Retail-lastigen Anfangsstadium. Sein Kernpunkt lautet, dass der Markt bis 2035 nicht nur breiter zugänglich sein muss, sondern vor allem anders „durchströmt“: über professionelle Portfolios, Anlageausschüsse und Produkte, die Bitcoin wie eine reguläre Allokationsoption handhabbar machen. Hougan knüpft daran unmittelbar sein Kursziel von 1,3 Millionen US-Dollar pro Bitcoin – und ordnet es in eine eher langfristige Logik ein, die nicht auf ein einzelnes Ereignis, sondern auf einen mehrjährigen Kapitaltransfersprozess zielt.

Rechenlogik und Annahmen sind dabei der entscheidende Teil der Aussage. Hougan verweist auf Institutionen mit zusammen zwischen 100 Billionen und 200 Billionen US-Dollar an verwalteten Vermögenswerten. Sein Szenario: Eine institutionelle Allokation von nur 1% könnte ausreichen, um seine langfristigen Preisziele zu stützen. Als Marktstruktur verankert er das in der Vorstellung, dass Bitcoin einen Anteil am wachsenden „Store-of-Value“-Markt einnehmen könnte. Konkret greift er den Vergleich mit Gold auf: Dessen Marktkapitalisierung sei von etwa 2 Billionen US-Dollar zum Zeitpunkt der Gold-ETFs (Start um 2004) auf rund 30 Billionen US-Dollar angestiegen. Wenn dieser Markt in einem historischen Tempo von etwa 13% pro Jahr weiter wächst und Bitcoin wiederum einen Viertelanteil erreichen würde, läge sein Rechengang bei einem Kurs von 1,3 Millionen US-Dollar pro Coin bis 2035.

Technisch betrachtet hängt die These damit weniger an der „Güte“ einer einzelnen Anlageidee, sondern an der Infrastruktur, über die Kapital in Bitcoin fließt. Hougan betont, dass die Zugänglichkeit mittlerweile stark vereinfacht wird, weil Spot-Bitcoin-ETFs eine direkte Alternative zur früher oft fragmentierten Krypto-Exposition bieten. Damit reduziert sich für viele Vermögensverwalter der Umweg über eigenständige Verwahrung, Sonderlösungen für Risikoprüfung oder interne Compliance-Setups. Dass diese Bewegung bereits messbar ist, sieht Hougan unter anderem in 13F filings im Kontext von Spot-Bitcoin-ETFs sowie in konkreten Schritten großer Vermögenshäuser, die Bitcoin leichter in Beratungsprozesse integrieren. In der Praxis heißt das: Je weniger „Reibung“ zwischen Anlageausschuss und Marktpreisbildung entsteht, desto wahrscheinlicher wird eine schrittweise Allokation über viele Institutionen statt weniger großer, singulärer Deals.

Die zweite Stellschraube ist die Frage, wer die Nachfrage dominiert – und damit auch, wie stabil ein Aufwärtsmomentum über mehrere Marktphasen hinweg sein kann. Hougan stellt das langfristige Bild so dar, dass Unternehmenskäufe wie die von Strategy zwar weiterhin relevant bleiben, aber zunehmend an Leitfunktion verlieren. Strategy war in den vergangenen Jahren einer der größten institutionell wirkenden Käufer und wurde als größter börsennotierter Unternehmenshalter von Bitcoin genannt; Hougan argumentiert jedoch, dass die Vorteile, mit denen sich ein „Kaufmaschinen“-Effekt erzeugen ließ, inzwischen erodieren. Er verweist auf zwei Mechanismen: Erstens sei der Aktienmarkt früher eine von wenigen Möglichkeiten gewesen, öffentliches Crypto-Exposure zu erhalten, wodurch das Unternehmen Shares mit einem Aufschlag gegenüber dem Nettoinventarwert (NAV) ausgeben konnte. Zweitens hätten convertible debt und Preferred-Stock-Angebote zusätzlich Kapital für weitere Käufe mobilisieren helfen. Mit Spot-ETFs als direktem Zugang fällt Hougan zufolge der erste Vorteil schwerer ins Gewicht, während die Kapitalaufnahme über Schuldinstrumente an die Belastbarkeit der bestehenden Kapitalstruktur gebunden bleibt.

Für den Markt bedeutet diese Verschiebung etwas sehr Konkretes: Nachfrage wird wahrscheinlicher „glatter“ und weniger abhängig von einzelnen Preissignalen, die an Unternehmenskapitalmaßnahmen gekoppelt sind. Hougan geht dabei nicht davon aus, dass die Nachfrage von Unternehmenshaltern verschwindet, sondern dass sie sich langsamer und stärker an den Preiszyklus koppelt. Für langfristige Investoren verlagert er die Leitfrage entsprechend weg von der kurzfristigen „lokalen Bodenbildung“ hin zu der Frage, ob ein Top bereits eingepreist ist. Hinter dieser Formulierung steckt eine Erwartung, dass die entscheidenden Kursimpulse künftig eher aus großen, diversifizierten Institutionenstrukturen kommen – also aus Kapitalpools, die nicht „per Schlagzeile“ umschichten, sondern Allokationsregeln und Portfolio-Limits über Jahre hinweg anpassen.

Auch für Unternehmen und Finanzabteilungen ist der Punkt über die Kurszahl hinaus interessant, weil er zeigt, wie sich Marktmechanik und Produktdesign gegenseitig beeinflussen. Sobald Bitcoin-Exposure in Form von börsengehandelten Vehikeln in Beratung, Risikoberichte und Portfolio-Controlling eingebettet werden kann, entstehen neue Pfade für Daten- und Prozessarbeit: von der Handels- und Verwahrlogik bis zur fortlaufenden Bewertung in Reporting-Tools. Gleichzeitig bleibt das Timing ein zentraler Unsicherheitsfaktor: Hougan spricht von einem Prozess, der „10+ Jahre“ dauert. Genau in solchen Zeiträumen entscheidet sich, ob ein Asset langfristig zu einer Standardposition wird oder eher als Satelliteninvestment bleibt. Für die nächsten Jahre dürfte deshalb weniger die einzelne Kursreaktion auf Schlagzeilen zählen, sondern ob sich institutionelle Allokationsentscheidungen wiederholbar und mit messbaren Zuflüssen abbilden lassen.


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