LONDON (IT BOLTWISE) – BMW meldet für das erste Halbjahr einen deutlichen Gewinnrückgang, während die Lage im Automobilgeschäft besonders stark durch China belastet wird. In den USA und Europa laufen die Geschäfte zwar weiterhin besser als im Vorjahr, doch in China sanken die Verkaufszahlen von Januar bis Juni um rund 20 Prozent. Im zweiten Quartal liegt das Minus dort sogar bei etwas mehr als 30 Prozent. Parallel kündigt BMW ein Sparprogramm an, das bis Ende kommenden Jahres vor allem in Deutschland rund 8000 Jobs betreffen soll.

BMW-Krise: Gewinn bricht ein, China-Umsätze fallen, Sparprogramm startet
BMW-Krise: Gewinn bricht ein, China-Umsätze fallen, Sparprogramm startet (Foto: IT BOLTWISE)
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BMW beschreibt die aktuelle Lage mit einer selten klaren Gegenüberstellung: Auf der einen Seite stehen solide Absatzzahlen in den USA und Europa, auf der anderen Seite bricht der Absatz in China in beschleunigtem Tempo weg. Der Konzern verweist dabei auf den Halbjahresverlauf und betont, dass sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks die Werte über dem Vorjahr lagen. Noch deutlicher wird die Delle jedoch im zweiten Quartal: Während das Quartal insgesamt sogar stärker ausfällt als das erste, verschlechtert sich der China-Teil der Rechnung spürbar. Von Januar bis Juni sinken die Verkaufszahlen auf dem weltweit größten Automarkt um gut 20 Prozent, allein im zweiten Quartal liegt das Minus bei etwas mehr als 30 Prozent.

Für die Ergebniskennzahlen übersetzt sich dieses Auseinanderdriften zwischen Region und Markt in einen klaren Druck auf die Profitabilität. BMW nennt einen Vorsteuer-Gewinn von gut vier Milliarden Euro für das erste Halbjahr, fast ein Drittel weniger als im Vorjahr. Konzernchef Milan Nedeljković spricht dabei wörtlich davon, dass die Zahlen „nicht zufriedenstellend“ seien. Der operative Druck entsteht laut Konzern nicht nur durch das schrumpfende Marktvolumen in China, sondern auch durch externe Faktoren: Die Zollpolitik der USA sowie die Verunsicherung im Umfeld des Iran-Kriegs werden als zusätzliche Bremsen genannt. Besonders spürbar ist der Effekt im zentralen Konzernbereich Automobile, wo der operative Gewinn im zweiten Quartal um mehr als 60 Prozent einbricht.

In der Unternehmenskommunikation steckt damit auch eine Verschiebung der Wertschöpfung, die für Management und Aktionäre gleichermaßen relevant ist: BMW verdient an den Autos weniger als an seinen Finanzdienstleistungen. Diese Abhängigkeit ist nicht neu, wird aber in einer Phase schwacher Auto-Volumina unübersehbar. Zugleich macht das Sparziel deutlich, dass der Konzern nicht auf eine schnelle Erholung setzt. Nedeljković betont, dass der Weg vor dem Unternehmen harte Arbeit erfordert, und ordnet die bereits erfolgte Kostensenkung im Automobilbereich ein: Im ersten Halbjahr reduziert BMW die Ausgaben um 900 Millionen Euro. Darüber hinaus fordert er jedoch Eingriffe, die weiter reichen als ein klassisches Kostenprogramm, bis hin zur Aussage, man müsse „Kernprozesse und Strukturen“ anpassen, die bisher als unantastbar galten.

Der Personalkomplex wird dabei zum operativen Hebel. Bereits am Mittwoch hatte BMW ein Sparprogramm vorgestellt, das Management und Betriebsräte ausgehandelt hätten, und nennt als Ziel rund 8000 wegfallende Jobs bis Ende kommenden Jahres. Die Verlagerung des Schwerpunkts nach Deutschland ist in der Darstellung ausdrücklich: vor allem abseits der Werkshallen, damit vermutlich besonders am Standort München, dem Stammsitz. Für die Beschäftigten in Deutschland sieht der Konzern zudem ein Abfindungsangebot als Teil der Planung vor: Rund die Hälfte der zuletzt etwa 84.000 Mitarbeitenden soll demnächst ein solches Angebot erhalten. Gleichzeitig arbeitet BMW mit Kosten in dreistelliger Millionenhöhe allein für dieses Jahr; wie hoch das Programm im kommenden Jahr ausfällt, bleibt dagegen offen. Nedeljković stellt in Aussicht, dass die Auswirkungen ab 2027 sichtbar werden.

Über die Werksebenen liefert die Kommunikation eine differenzierte Abgrenzung: Jobs in den Werken und mögliche Reduktionen von Kapazitäten schließt der BMW-Chef weitgehend aus. Er verweist auf Flexibilität und darauf, dass die Standorte „sehr gut ausgelastet“ seien, auch über die kommenden Jahre. Bemerkenswert ist, dass Nedeljković diese Aussage mit Erfahrung aus der Produktion unterlegt: Vor seinem Aufstieg zum Konzernchef im Mai war er jahrelang für die Produktion verantwortlich, wodurch das Thema Auslastung als realistische Grundlage adressiert wird. Gleichzeitig bleibt die interne Spannung dennoch sichtbar, weil das Ergebnis gerade im Automobilbereich stark nachgibt und die Zeit bis zur gewünschten Trendwende verkürzt werden muss.

Strategisch setzt BMW trotz der kurzfristigen Belastung auf die „Neue Klasse“ und koppelt die Hoffnung an konkrete Produkte. Das betrifft sowohl die bereits laufende Produktion als auch die nächsten Markteinführungen: Beim neuen Elektro-SUV iX3 nennt BMW, dass inzwischen 50.000 Stück vom Band gelaufen sind und die Vorbestellungen bald die 100.000er-Marke erreichen sollen. Dazu kommt die US-Offensive mit dem größeren Schwester-Modell X5 im Werk in Spartanburg, das in mehreren Antriebsvarianten gebaut werden soll. Daneben läuft im Münchner Stammwerk die Serienproduktion der Elektro-Limousine i3 an, und gegen Ende des Jahres sollen die ersten China-Modelle der Neuen Klasse auf den Markt kommen. Gleichzeitig wird mit dieser Produktarchitektur offenbar versucht, dem Abwärtssog entgegenzuwirken, den China derzeit besonders stark prägt.

Als zusätzlichen Belastungsfaktor adressiert BMW die wachsenden Ambitionen chinesischer Hersteller, die sich nicht mehr auf bestimmte Regionen oder Segmente begrenzen. Nedeljković sagt, neue Wettbewerber drängten auf den Markt – nicht nur in Asien oder Südamerika, sondern auch in Europa. Eine Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) wird als Beleg dafür herangezogen, dass Hersteller aus der Volksrepublik in Europa bereits auf 11 Prozent Marktanteil kommen. In München registriert man derweil, dass Marken wie Xpeng, Denza oder Zeekr mit Kampfpreisen offenbar auch im Premiumsegment anklopfen. Zwar betont BMW, dass man von deren Wachstum bisher noch nicht direkt betroffen sei, aber die Wachsamkeit zeigt sich auch in der skeptischen Einschätzung zur laufenden Prognosephase: Für den Rest des Jahres rechnet BMW mit einer operativen Marge von lediglich ein bis drei Prozent und erwartet beim Vorsteuerergebnis einen deutlichen Rückgang. Der Zeithorizont bleibt jedoch ambitiös, denn in wenigen Jahren will Nedeljković die Rendite vor Zinsen und Steuern wieder auf acht bis zehn Prozent steigern.


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