MERRITT ISLAND, FLA / LONDON (IT BOLTWISE) – Crew-13 startet am Donnerstag vom Kennedy Space Center mit vier Besatzungsmitgliedern zur Internationalen Raumstation. Zwei NASA-Astronauten sowie ein Astronaut der Canadian Space Agency und ein Roscosmos-Kosmonaut arbeiten vor dem Start mehrere Tage in Quarantäne und führen letzte Vorbereitungen durch. Nach dem Andocken unterstützt die Crew unter anderem Wartung und Betrieb und nimmt umfangreiche Forschungen zur Anpassung des menschlichen Körpers an die Mikroschwerkraft auf. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Kreislauf, Sehkraft, Belastungen während der Rückkehr und Trainingsstrategien für künftige Mondmissionen.

Der nächste Crew-Flight in Richtung International Space Station (ISS) ist mit Crew-13 fest terminiert: Vier Raumfahrer sollen am Donnerstag vom Kennedy Space Center auf der Florida Space Coast starten und anschließend die Raumstation anfliegen. Für die Besatzung beginnt die Vorbereitung dabei nicht erst im Countdown, sondern bereits am Boden: Wie bei bisherigen ISS-Rotationseinsätzen verbringen die Mitglieder die Tage bis zum Start in Quarantäne und widmen sich intensiven finalen Preflight-Operationen. Dieses Vorgehen reduziert nicht nur operative Risiken, sondern stellt auch sicher, dass Mess- und Untersuchungsabläufe später im Flug möglichst sauber an den geplanten Zeitplan anschließen.
Technisch betrachtet besteht die Mission aus einer klaren Trennung zwischen Phase 1 am Startstandort und Phase 2 im Stationsbetrieb. An Bord der ISS bilden Crew-13 und die Expedition-75-Teams eine gemeinsame Arbeitsumgebung: Nach dem Andocken unterstützt die neue Besatzung bei Wartung, täglichen Betriebsaufgaben sowie bei wissenschaftlichen Untersuchungen und Technologie-Demonstrationen. Inhaltlich adressieren viele Experimente die Frage, wie sich der Körper an lange Aufenthalte im Zustand der Mikroschwerkraft anpasst. Genau darin liegt der Mehrwert für spätere Explorationen: Nicht jede Erkenntnis aus dem Low-Earth-Orbit-Umfeld lässt sich 1:1 auf längere Flüge über die Erdumlaufbahn hinaus übertragen, aber die Messreihen liefern die Grundlage, um Schutzmaßnahmen gezielter zu entwickeln.
Mit Jessica Watkins und Luke Delaney werden zwei NASA-Astronauten die Raumfahrtpositionen des Kommandanten und des Piloten übernehmen; dazu kommen Joshua Kutryk von der Canadian Space Agency sowie Sergey Teteryatnikov von Roscosmos. Watkins, die als Geologin beschrieben wird, betont in ihren Worten den Beobachtungsnutzen der ISS: „I am super excited about using the I.S.S. as a platform for making observations of the Earth and what we can learn from that process as we take that to the moon, “ sagt sie. Delaney greift zugleich die individuelle Biologie als Kernpunkt auf: „Everybody’s different. Everybody’s body is different, “ und weiter „We’re still trying to characterize a lot of things.“ Diese Aussagen passen zur wissenschaftlichen Ausrichtung der Mission, weil mehrere Studien auf die Variabilität zwischen Astronautinnen und Astronauten abzielen – etwa, indem sie Blutparameter, Ultraschalldaten und Lebenszeichen in mehreren Zeitfenstern sammeln.
Ein deutliches Beispiel ist das Experiment Venous Haemostasis: In Zusammenarbeit von NASA und europäischer Raumfahrtbehörde untersucht es, wie Mikroschwerkraft Kreislauf, Blutfluss und Risiken im Kontext der Gerinnung beeinflusst. Die geplanten Messungen umfassen Blutproben, Ultraschalluntersuchungen sowie Blutdruckwerte und weitere Parameter vor, während und nach dem Aufenthalt. Die Zielsetzung ist dabei nicht nur ein „Ja/Nein“-Ergebnis, sondern ein besseres Verständnis, warum sich Risiken zwischen Personen unterscheiden, und wie daraus Gegenmaßnahmen für künftige Missionen abgeleitet werden können. Ergänzend dazu prüft Manual Piloting die Fähigkeit, anspruchsvolle Simulationsabläufe für eine Mondlandung zu absolvieren, nachdem die Crew Monate in der Mikroschwerkraft verbracht hat; außerdem wird getestet, ob kurze Auffrischungseinheiten unmittelbar vor der Landung die Leistung verbessern.
Weitere Untersuchungen rücken Gesundheits- und Leistungsaspekte in den Fokus, die im Alltag einer Expedition oft zwischen Training, Diagnostik und Betriebskonzepten aufgeteilt sind. Das B-Complex-Studienvorhaben fragt, ob ein tägliches B-Vitamin-Präparat Raumfahrt-bedingtes neuro-ocular syndrome reduzieren oder verhindern kann; dazu sind Supplement-Einnahmen und strukturierte Sehtests vorgesehen. Standard Measures sammelt konsistente physiologische und verhaltensbezogene Daten, um belastbare Ausgangswerte für spätere Forschung zu definieren. Die Spacecraft Occupant Risk-Untersuchung wiederum misst Kräfte, denen Astronautinnen und Astronauten bei Rückkehr und Landung ausgesetzt sind – mit dem Ziel, Hardware- und Verfahrensentscheidungen zu verbessern und Verletzungsrisiken zu senken. Schließlich vergleicht Zero T2 die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Crew-Mitgliedern, die das Stations-Training auf dem Laufband nutzen, mit denen ohne diese Nutzung; so sollen Trainingspläne für künftige Raumschiffe mit potenziell begrenzten Möglichkeiten zur Übungsausstattung besser fundiert werden.
Auch jenseits der einzelnen Experimente deutet das Design der Expedition-75-Planung auf den Trend zu integrierten Forschungs- und Monitoring-Ansätzen hin: In-space manufacturing, Bioprinting sowie augmented-reality-Unterstützung und KI-gestützte Werkzeuge zur Gesundheitsüberwachung sind als breiter Rahmen genannt. Für Unternehmen und Entwickler in der Raumfahrt- und Medizintechnikbranche bedeutet das vor allem: Die Datenlage wächst in Richtung multimodaler Messketten, in denen Labor-Workflows, Bildgebung, Sensorik und klinisch interpretierbare Signale zusammenkommen. Wenn die ISS-Studien zeigen, wie sich individuelle Risiken vorhersagen und abfedern lassen, entsteht daraus ein direkter Innovationspfad für trainierbare Assistenzsysteme, bessere Diagnostik und präzisere Betriebsprotokolle – nicht nur für den Mond, sondern perspektivisch auch für längere Missionen bis zum Mars.
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