PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine umfassende Analyse von 2,6 Millionen Galaxien zeigt, dass das Universum in den letzten 10 Milliarden Jahren merklich abgekühlt ist. Diese Abkühlung steht in direktem Zusammenhang mit einer sinkenden Sternentstehungsrate, was auf eine Veränderung der kosmischen Dynamik hinweist.

Eine neue Studie hat die bisher präzisesten Messungen zur Entwicklung unseres Universums geliefert. Ein Team von 175 Astronom:innen hat Daten des Euclid-Weltraumteleskops der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit Archivdaten des Herschel-Satelliten kombiniert, um die umfangreichste Analyse ihrer Art durchzuführen. Diese Analyse umfasst 2,6 Millionen sogenannte Hauptreihen-Galaxien und zeigt, dass das Universum in den letzten 10 Milliarden Jahren im Durchschnitt merklich kälter geworden ist.
Die durchschnittliche Temperatur des interstellaren Staubs sank in dieser Zeit um etwa 10 Grad Celsius. Diese Staubtemperatur ist für Astronom:innen ein entscheidender Indikator, da sie direkt an die Sternentstehungsrate in einer Galaxie gekoppelt ist. Heiße Staubpartikel deuten auf die Anwesenheit vieler massereicher, junger Sterne hin, die ihre Umgebung stark aufheizen. Ein Sinken der Durchschnittstemperatur bedeutet im Umkehrschluss, dass weniger solcher Sterne geboren werden.
Die neuen Messungen bestätigen, was Kosmolog:innen bereits vermutet haben: Die Epoche der maximalen Sternentstehung liegt bereits Milliarden von Jahren hinter uns. Dies veranlasste den Kosmologen Douglas Scott von der University of British Columbia zu der Aussage, dass das Universum von nun an einfach kälter und toter wird. Diese Aussage beschreibt jedoch einen extrem langsamen, natürlichen Prozess und keinen plötzlichen Kollaps.
Die primäre Heizquelle für den Staub hat sich geändert. Während in der heißen Frühphase des Universums junge Sterne dominierten, wird der Staub heute primär durch die bereits existierende, kühlere und ältere Sternpopulation auf einer stabilen Temperatur von etwa 23 Kelvin gehalten. Diese präzise Messung wurde erst durch den enormen Datenumfang der Euclid-Mission und eine Methode namens Stacking-Analyse möglich, bei der die Signale von Tausenden Galaxien digital übereinandergelegt werden.
Diese Erkenntnisse sind ein wichtiges Nebenprodukt der Euclid-Mission, die eigentlich die Kartierung der Dunklen Materie und Dunklen Energie zum Ziel hat. Die aktuelle Analyse basiert nur auf den ersten Quick Data Release (Q1)-Daten. Die vollständige Euclid-Mission wird einen noch wesentlich größeren Himmelsausschnitt und tiefere Einblicke ermöglichen. Die Studie unter der Leitung von Ryley Hill wurde zur Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics eingereicht.
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