FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Sparkassen-Fondstochter Deka startet mit einem Altersvorsorgedepot (AVD), das 0,1 Prozent vom Depotwert pro Jahr kostet. Damit setzt das Unternehmen einen aggressiven Preisanker gegenüber Neobrokern wie auch gegenüber klassischen Filial- und Digitalbanken. Für die Nutzung müssen Anleger Sparkassenkunden sein oder werden. Ab 1. Januar können Einzahlungen bis 360 Euro jährlich durch staatliche Zulagen ergänzt werden.

Wer in Deutschland Altersvorsorgeprodukte vergleicht, kommt derzeit an einem neuen Wettbewerbshebel nicht vorbei: den laufenden Kosten. Die Sparkassen-Fondstochter Deka drückt mit dem Altersvorsorgedepot (AVD) auf eine Größenordnung, die bisher eher im Umfeld von besonders günstigen Online-Angeboten erwartet wurde. Konkret nennt Deka für das AVD einen Kostensatz von 0,1 Prozent pro Jahr bezogen auf den Depotwert. Damit positioniert sich die Gesellschaft so, dass sie sich langfristig auch bei Konditionen an solchen Anbietern messen lassen muss, die im Markt bislang häufig als preisattraktiv wahrgenommen werden.
Technisch und steuerlich relevant wird das Angebot vor allem, weil es an den AVD-Mechanismus gekoppelt ist, der bereits Gesetz ist und zum 1. Januar starten soll. Für die Sparer spielt der Mix aus eigenen Beiträgen, staatlichen Zulagen und den laufenden Depotkosten die zentrale Rolle: Bei Einzahlungen bis zu 360 Euro pro Jahr kommt der Staat mit 180 Euro hinzu. Für weitere bis zu 1.440 Euro Eigenbeitrag werden 25 Cent pro Euro zusätzlich gezahlt. Bei einer maximalen Einzahlung von 1.800 Euro im Jahr summieren sich damit 540 Euro an Zulagen. Für die Kostenebene heißt das übersetzt: 0,1 Prozent bedeuten rechnerisch 1 Euro pro 1.000 Euro Depotwert und Jahr – also für Depot- und Zulagenverwaltung sowie Produktkosten.
Wichtig ist außerdem, dass Deka die Preiskante nicht als reines „Rabattversprechen“ verstanden wissen will, sondern als Angebot mit konkreter Portfoliologik. Für das standardisierte Depot investiert die Gesellschaft das Geld in zwei passive ETFs, die Deka selbst verwaltet: einen weltweit anlegenden Aktien-ETF und ein Produkt auf europäische Anleihen. Als Aktienkomponente soll der ETF den von Deka geschaffenen „MSCI World 400“-Index abbilden, der die 400 größten Werte des breiter gefassten MSCI World umfasst. Da der ETF dadurch weniger Aktien handeln muss als der Mutterindex mit mehr als 1.200 Titeln, verspricht Deka geringere Handelskosten. Allerdings dürfte damit auch die Marktdominanz großer Tech-Werte spürbar bleiben: Die im MSCI World stark gewichteten Unternehmen wie NVIDIA und Microsoft können im Ergebnis ein noch größeres Gewicht im Portfolioprofil erhalten.
Die zweite konstruktive Säule ist ein eingebauter Umschichtungsplan entlang des Rentenziels. Laut Deka wird der Aktienanteil zunächst vollständig als Aktienstrategie gefahren. Fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn soll die Hälfte in europäische Unternehmensanleihen umgeschichtet werden. Zwei Jahre vor Auszahlungsbeginn wird der Aktienanteil dann um weitere 20 Prozentpunkte reduziert. Das ist in der Systematik eine klassische Lebenszyklus-Logik, bei der das Risiko graduell gesenkt wird. Gleichzeitig plant Deka eine individuelle Standardvariante, bei der Kunden den Aktienanteil in Eigenregie in der Sparkassen-App anpassen können – und zwar zu gleichen Konditionen über die gesamte Laufzeit. Damit entsteht für Anleger ein Spielraum, früher defensiver umzuschichten oder länger am Aktienrisiko festzuhalten.
Daneben steht ein Individualangebot mit aktivem Fondsansatz. Hier besteht das Depot laut Deka aus bis zu drei aktiv verwalteten Fonds für Aktien, Anleihen und den Geldmarkt. Deka will dieses Konzept in zwei Ausprägungen anbieten: eine chancenorientierte Variante mit hohem Aktienanteil und eine defensive Variante mit weniger Aktien. Die Kosten für diese Individuallösung liegen je nach Vertragslaufzeit zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr. Auf den ersten Blick wirkt die Preisspanne gegenüber dem 0,1-Prozent-Standard groß – doch genau das dürfte strategisch gewollt sein: Wer keine Kostendiskussion, sondern eine fondsbasierte Struktur und ein aktives Risikomanagement bevorzugt, bekommt dafür eine eigene Preis- und Leistungsstufe. Für die Anlegerseite bedeutet das zugleich, dass sich der Kostenvergleich nicht auf den „Headline“-Satz reduzieren lässt, sondern die gewählte Depotvariante berücksichtigen muss.
Mit dem Kampfpreis reagiert Deka auf mehrere Ebenen des Marktgeschehens. Zum einen greift das Unternehmen gezielt den Online-Wettbewerb an, bei dem vor allem noch einzelne Neobroker auf den Start bzw. die Verfügbarkeit des AVD-Angebots warten lassen. Zum anderen übt Deka Druck auf klassische Filial- und Digitalbanken sowie auf Fondsgesellschaften aus, die bislang in der Breite noch nicht mit derart niedrigen laufenden Kosten für eine vergleichbare Altersvorsorgekonstruktion in Erscheinung treten. In Frankfurt erklärte Deka-Vertriebschef Dirk Peters bei der Vorstellung: „Wir sind sehr günstig und wettbewerbsfähig aufgestellt.“ Ein entscheidender praktischer Haken bleibt dabei: Damit Kunden das Angebot nutzen können, müssen sie Sparkassenkunde sein oder werden.
Das wirtschaftliche Potenzial ordnet Deka selbst recht groß ein. Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater schätzt den Markt für das AVD auf rund 47,5 Millionen Menschen in Deutschland. Wenn alle den Maximalbeitrag einzahlten, kämen laut Kalkulation 118 Milliarden Euro an Sparleistung zusammen – realistisch sei dieser Wert aber nicht. Realistisch sieht Kater 35 Milliarden Euro pro Jahr, ein Teil davon stamme aus Umschichtungen aus Riester-Verträgen oder aus normalen Sparverträgen. Kater beschreibt zudem den strukturellen Effekt: „Die Zusammensetzung des Sparens wird sich ändern.“ Der Kapitalmarktanteil am Sparaufkommen soll dadurch steigen, was helfen könnte, Probleme der gesetzlichen Rente abzufedern. Die zentrale Implikation fürs Marktgeschehen ist klar: Sobald ein großer Vertriebskanal wie die Sparkassen ein AVD-Produkt mit sehr niedriger Kostenbasis in den Fokus stellt, verschiebt sich die Vergleichsbasis – und die Preissensibilität im Produktsegment nimmt zu. Gleichzeitig bleibt offen, wie stark sich das tatsächliche Nutzerverhalten auf die Kostenklassen verteilt, denn neben dem Standard mit ETFs existieren ja auch die teureren individuellen, aktiv verwalteten Varianten.
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