MARRAKESCH / LONDON (IT BOLTWISE) – Novak Djokovic plant für den 18. bis 20. Dezember 2026 ein Luxus-Retreat im Amanjena-Resort nahe Marrakesch. Unter dem Titel „Stillness and Strength“ soll ein dreitägiges Programm Körperübungen mit Meditation und Atemübungen verbinden. Zusätzlich sind Tennis-Masterclasses sowie Wellness-Elemente wie eine Beldi-Hammam-Behandlung und eine Massage mit Arganöl vorgesehen. Die Veranstaltung zeigt damit, wie stark mentale Trainingsmethoden im Spitzensport professionalisiert und kommerzialisiert werden.

Im Spitzensport wird nicht mehr nur an Technik, Tempo und Belastungssteuerung gefeilt. Das Retreat „Stillness and Strength“ von Novak Djokovic setzt dagegen ein klares Signal: Mentale Resilienz und Achtsamkeit sollen als eigener Trainingsblock wirken – mit einem klar kuratierten Ablauf und einer dedizierten Umgebung. Geplant ist das dreitägige Angebot für den Zeitraum vom 18. bis 20. Dezember 2026 im Amanjena-Resort nahe Marrakesch, und die Anlage steht dabei nicht zufällig im Mittelpunkt. Wer wenige Tage zwischen Training, Regeneration und Coaching in einer einzigen abgeschlossenen Struktur verbringen kann, reduziert Reibungsverluste durch Anreise, wechselnde Trainingsorte und unplanbare Störungen. Genau solche Faktoren entscheiden im Alltag von Leistungssportlern oft darüber, ob ein Ansatz in der Theorie funktioniert oder im Turniermodus wirklich ankommt.
Der in der Ankündigung beschriebene Kern des Programms verbindet physischen Einsatz mit mentalt ruhigen Phasen. Laut den Angaben umfasst das Retreat spezielle Tennis-Masterclasses und intensivere Einheiten für Meditation sowie Atemübungen. Diese Kombination ist aus methodischer Sicht nachvollziehbar, weil Atmung und Achtsamkeit häufig als „Regler“ dienen: Sie helfen dabei, das eigene Aktivierungsniveau schnell zu stabilisieren, wenn der Kopf nach einem Fehler in eine negative Schleife gerät. In der Praxis heißt das oft, dass Spieler nach einem Punktverlust schneller wieder in einen handlungsorientierten Zustand finden und weniger Energie in Grübeln oder Bewertung investieren. Das Programm wirkt damit weniger wie ein reines Entspannungswochenende, sondern eher wie ein Versuch, mentale Zustände in wiederholbaren Routinen zu trainieren.
Damit bleibt der Wellness-Teil nicht als Dekoration am Rand, sondern wird ausdrücklich in das Gesamtprogramm eingebettet. Genannt werden unter anderem eine 60-minütige Beldi-Hammam-Behandlung sowie eine 60-minütige Massage mit Arganöl. Solche Regenerationsbausteine lassen sich im Leistungssport auch deshalb leicht integrieren, weil sie den Übergang zwischen intensiven Trainingsblöcken und der gedanklichen „Neutralstellung“ unterstützen können. Wer nach einer Phase hoher innerer Anspannung eine gezielte Abkühlung erlebt, wird im Anschluss eher in der Lage sein, Meditationseinheiten ohne zusätzlichen inneren Widerstand zu absolvieren. Außerdem unterstreicht die streng limitierte Teilnehmerzahl die Idee einer exklusiven Betreuung – mit engem Coaching-Takt und weniger „Durchsatz“ als bei großformatigen Trainingscamps.
Der Schritt von Djokovic steht außerdem in einem breiteren Trend, den viele Beobachter im Profisport seit Jahren beobachten: mentale Arbeit wird zunehmend als Leistungsfaktor behandelt, nicht als „Nice to have“. In ähnlicher Richtung wird für den Fußball der Fall Serhou Guirassy von Borussia Dortmund erwähnt, der in den Sommermonaten intensiv mit einem Mentalcoach zusammengearbeitet haben soll. In den ersten fünf Pflichtspielen der Saison 2026/27 werden vier Tore und zwei Vorlagen genannt – ein Beispiel dafür, wie eng psychische Stabilität mit der messbaren Performance im Spielbetrieb verknüpft wahrgenommen wird. Dass parallel auch im Amateurbereich Achtsamkeitsübungen kursieren, zeigt sich etwa beim Golfsport, wo Übungen auf dem „Inner-Game“-Ansatz von Timothy Gallwey rekurrieren. Hier geht es laut Beschreibung nicht um esoterische Versprechen, sondern um konkrete Aufmerksamkeitsanker: Atmung, der Treffmoment, Umgebungsgeräusche und ein bewusstes Gehen helfen, die Aufmerksamkeit während der Runde zu stabilisieren.
Spannend ist, dass das Retreat nicht nur an Tagesform und Regeneration ansetzt, sondern auch den Umgang mit Krisen und emotionaler Belastung adressiert. Gerade diese Fähigkeit gilt im Sport als „unsichtbarer Hebel“, weil sie sich in den entscheidenden Minuten oft schneller zeigt als physische Anpassungen. In der Darstellung wird zudem auf Biografien und Beispiele aus dem Sportalltag verwiesen, etwa auf Jürgen Klopp und die Veröffentlichung „Glaube, Liebe, Klopp“ von Michael Horeni. Das soll nicht als Beweis für einen Trainingsansatz dienen, sondern verdeutlichen, wie stark emotionale Belastbarkeit in beruflichen Höhen und Tiefen eine Rolle spielt. Auch Analysen aus dem Tennis werden herangezogen: Nach einer Niederlage von Aryna Sabalenka im US-Open-Finale 2026 gegen Elena Rybakina wird der Fokus auf Emotionen als Hauptgrund für das Ausbleiben weiterer Grand-Slam-Titel bei Sabalenka gelegt. Gleichzeitig wird erwähnt, dass Rybakina infolge dieses Sieges nach 99 Wochen wieder die Führung in der Weltrangliste übernahm – ein Hinweis darauf, wie schnell mentale Zustände in sportlichen Ergebnissen sichtbar werden.
Technisch betrachtet ist „Mentales Training“ in solchen Formaten weniger ein einzelnes Geheimrezept als ein Bündel aus Routinen: Atemkontrolle zur Reduktion von Stresssignalen, meditative Aufmerksamkeit zur Unterbrechung automatischer Gedankenketten und strukturierte Regenerationsphasen zur schnellen Rückkehr in einen steuerbaren Leistungsmodus. Das wird auch im Sportvergleich sichtbar, etwa beim Bodybuilding-Beispiel von Urs Kalecinski, dessen Autobiografie „My Miracle Mindset“ seinen Weg auf 304 Seiten beschreibt. Im Text wird ein konkretes Körperprofil genannt – Classic Physique mit Gewichtslimit und Definitionsphase – und genau hier zeigt sich der Zusammenhang von Disziplin und mentaler Stabilität. Wer unter physischer Extrembelastung die innere Kontrolle verliert, riskiert nicht nur Leistungseinbußen, sondern auch den Abbruch ganzer Vorbereitungsketten. Zusätzlich werden im Umfeld von Rückkehr nach Verletzungen mentale Bewältigungsstrategien als entscheidend beschrieben: Jonas Arcalean von Lok Leipzig wird mit Berichten über schlaflose Nächte vor einem Wiedereinstieg zitiert, bevor nach zwei Operationen und fünf Monaten Pause erste Einsatzminuten folgen konnten. Für Unternehmen, die Leistungssysteme betreiben, lässt sich daraus eine klare Parallele ableiten: Trainings- und Rückkehrprozesse funktionieren nur dann stabil, wenn auch psychische Belastung aktiv gemanagt wird.
Für die Markt- und Branchenperspektive ist das Retreat damit mehr als ein prominentes Event. Es zeigt, dass mentale Trainingsmethoden zunehmend als professionelles Angebot verkauft werden – inklusive begrenzter Teilnehmerzahl, formatierten Programmpunkten (Masterclasses, Meditation, Atemübungen) und konkreten Wellnessbausteinen. Das eröffnet auf der einen Seite neue Kooperations- und Dienstleistungsmodelle für Sportphysiologie, Psychologie und Coaching. Auf der anderen Seite entsteht auch Druck zur Messbarkeit: Wenn mentale Arbeit als Leistungsfaktor vermarktet wird, erwarten Anwender zunehmend nachvollziehbare Abläufe und wiederholbare Routinen statt allgemeiner Motivation. Genau darin liegt die eigentliche Innovation solcher Retreats: Sie übersetzen abstrakte Begriffe wie Achtsamkeit in einen zeitlich verdichteten Trainingsplan, der sich im Turnierkalender umsetzen lässt. Ob das „Stillness and Strength“-Konzept für andere Sportarten skaliert, hängt dann vor allem davon ab, wie gut sich solche mentalen Routinen in den Alltag außerhalb des Resorts übertragen lassen.
Für den Spitzensport bleibt die Grundfrage schließlich dieselbe: Was passiert, wenn der Druck im Match explodiert? Ein luxuriöses Setting kann dabei helfen, die Voraussetzungen zu schaffen – aber die eigentliche Prüfung findet im Wettbewerb statt. Wenn das Retreat deshalb neben Meditation und Atemübungen auch Regeneration stark gewichtet, zielt es auf das Gesamtsystem aus Körper und Geist. Und genau so wird mentale Resilienz im modernen Profisport zunehmend verstanden: nicht als Zusatz, sondern als Teil der Trainingsarchitektur, die zwischen zwei Punkten entscheidet, ob ein Athlet nach dem Rückschlag wieder handlungsfähig wird oder in der Spirale des Kopfkinos hängen bleibt.
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