LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft macht die Passkey-Umstellung für Unternehmensnutzer ab September 2026 zum Pflichtpfad. Mit Edge 151.0.4129.59 bringt der Konzern zugleich Änderungen an Browser-Komponenten und schränkt ältere Zusatzfunktionen ein. Parallel verschiebt sich die Authentifizierung weg von SMS- und Sprach-MFA hin zu phishing-resistenten Verfahren, während konkrete Phishing-Umleitungen über Device-Code-Flow im Fokus stehen. Für Cloud-Teams ergänzt Microsoft das Paket um Sicherheitsupdates in Azure und Benchmarks für Linux-VMs.

Edge 151: Microsoft treibt Passkey-Umstellung in Entra ID ab September voran
Edge 151: Microsoft treibt Passkey-Umstellung in Entra ID ab September voran (Foto: IT BOLTWISE)
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Microsoft setzt mit der Veröffentlichung von Edge 151.0.4129.59 am 1. August 2026 einen klaren Schwerpunkt auf digitale Identität und Zugriffsschutz in Unternehmen. Der Schritt ist nicht nur als „Bugfix-Release“ zu lesen, sondern als Implementierung einer neuen Authentifizierungsstrategie: Im Kern geht es um Passkeys, die die bisherigen Multi-Faktor-Mechanismen in Microsoft Entra ID nach und nach ersetzen sollen. Für IT-Verantwortliche ist dabei entscheidend, dass der Konzern den Zeitplan sehr konkret benennt – und damit die Umstellung planbar, aber auch verbindlicher macht.

Ab dem 1. September 2026 soll laut Microsoft eine automatische Umstellung von MFA auf Passkeys für Unternehmenskunden erfolgen. Der Ausgangspunkt sind die bisherigen MFA-Methoden via SMS oder Sprachnachricht, die ab dem 1. Februar 2027 endgültig abgeschaltet werden sollen. Technisch bedeutet das weniger „neue Oberfläche“ und mehr ein anderes Sicherheitsmodell: Passkeys reduzieren den Spielraum für typisches Credential-Diebstahl- und Relay-Phishing, weil sich die Authentifizierung stark an Geräte- oder Kontokontext bindet statt an einen leicht übertragbaren Einmalcode. Gleichzeitig schärft Microsoft die Bedingungen im Browser-Umfeld nach: Edge 151 verlangt für Apple-Setups mit macOS mindestens macOS 13. Außerdem stellt das Unternehmen die bisher integrierte Drop-Funktion ein und beendet den Support für Microsoft Translator in älteren Versionen zum 30. Juli 2026.

Während die Umstellung auf Passkeys den „Soll“-Teil der Sicherheitsagenda abdeckt, adressiert Microsoft parallel die „Ist“-Bedrohungslage rund um Phishing. In den letzten Wochen stand unter anderem eine Kampagne namens CaptiveCrunch im Raum, deren Zuordnung nach den Angaben im Umfeld der Bedrohungsanalysen dem Akteur Storm-2945 (Teil der Gruppe Midnight Blizzard) zugeschrieben wird. Dabei werden kompromittierte Hotel-WLAN-Verbindungen genutzt, um DNS- und HTTP-Anfragen zu manipulieren. Ziel ist es, Nutzer auf gefälschte Update-Seiten oder präparierte Portale umzuleiten, die auf Device-Code-Phishing setzen.

Für die praktische Abwehr ist besonders relevant, dass Microsoft seit dem 16. July 2026 vermehrt eine Umleitung auf die Device-Code-Authentifizierung beobachtet. Laut den im Text genannten statistischen Angaben entfallen rund 99 Prozent der Angriffe mittels Device-Code-Phishing gegen Microsoft-Infrastrukturen; zudem werden alle 24 Stunden zwischen 10 und 15 neue Kampagnen registriert. In solchen Szenarien ist nicht nur das „richtige MFA“ entscheidend, sondern auch die Gestaltung der Authentifizierungswege: Wenn ein Angriffsfluss Nutzer gezielt zu Device-Code-Schritten führt, kann das Sicherheitsniveau sinken, selbst wenn einzelne Konten formal „MFA aktiviert“ haben. Microsoft nennt deshalb als Gegenmaßnahmen, VPN-Lösungen konsequent zu nutzen, den Device-Code-Flow nach Möglichkeit zu blockieren und auf phishing-resistente MFA-Verfahren umzusteigen.

Die Bedrohungsarbeit bleibt dabei nicht auf den Identitätsbereich beschränkt. Im Cloud-Betrieb hat Microsoft zum 31. Juli 2026 native CIS-Benchmark-Prüfungen für Linux-VMs in Azure allgemein verfügbar gemacht – unter anderem für Distributionen wie RHEL, AlmaLinux, Rocky und Ubuntu. Das ist im Alltag mehr als eine „Checkliste“: CIS-Benchmarks dienen als Ordnungsrahmen, um Baseline-Settings automatisiert zu prüfen, bevor Konfigurationen in Laufzeiten abweichen. Ergänzend meldet Microsoft, dass eine kritische Sicherheitslücke in der Cosmos-DB, bekannt unter dem Namen CosmosEscape, im Juli 2026 endgültig behoben wurde. Für Teams, die Container- und Datenbanklasten betreiben, heißt das: Authentifizierung, Systemhärtung und Datenebene werden im selben Zeitfenster adressiert.

Auch die KI-Schiene ordnet Microsoft in diesem Kontext ein. Genannt wird das Modell MAI-Cyber-1-Flash mit 137 Milliarden Parametern, das im CyberGym-Benchmark eine Erfolgsquote von 95,95 Prozent erreicht haben soll. Entscheidend ist weniger der Benchmark als solcher, sondern das Signal: KI soll Sicherheitsprozesse beschleunigen, etwa bei Erkennungsmustern und der Einordnung von Angriffspfaden. Für Entscheider bleibt trotzdem der „Operations“-Teil: Passkey-Rollout, Entra-ID-Konfiguration, Browser- und Client-Kompatibilität (wie macOS-13-Anforderung), sowie die Abschätzung, welche Auth-Workflows in der Organisation heute noch auf SMS/Sprach-MFA oder Device-Code setzen. Wer die Monate bis September aktiv nutzt, reduziert das Risiko, dass Umstellungen in eine ohnehin laufende Projekt- oder Wartungsphase fallen.

In Summe verschiebt Microsoft mit Edge 151 und den Entra-ID-Richtlinien die Sicherheitsarchitektur in Richtung phishing-resistenter Authentifizierung – und koppelt das an konkrete Abschalttermine. Wer die Umstellung auf Passkeys bereits jetzt in Pilotgruppen testet, kann typische Stolpersteine früh sehen, etwa bei Legacy-Integrationen, bei Benutzerrollen mit Sonderrechten oder bei mobilen Workflows. Gleichzeitig sollten Sicherheits- und Netzwerkverantwortliche den Device-Code-Flow nicht isoliert betrachten, sondern zusammen mit Netzwerkzugriffen und DNS-/HTTP-Risiken, wie sie in CaptiveCrunch-ähnlichen Szenarien beschrieben werden. So wird aus einem „Identity-Update“ ein durchgängiges Sicherheitsprogramm: weniger Angriffsfläche über Authentifizierungswege, mehr Härtung in der Infrastruktur und schnellere Reaktion auf neue Phishing-Varianten.


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