FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland wächst wieder die Bereitschaft der Haushalte, privat in den Klimaschutz zu investieren. Das Energiewendebarometer der KfW ermittelte 66 Prozent Handlungsbereitschaft, nachdem 2025 nur 59 Prozent erreicht wurden. Gleichzeitig halten 84 Prozent den Umbau des Energiesystems weg von Kohle, Öl und Gas für wichtig oder sehr wichtig. Die Erhebung zeigt aber deutliche Unterschiede nach Einkommen und verweist auf die Rolle der CO2-Bepreisung.

Die Investitionsbereitschaft der privaten Haushalte in den Klimaschutz steigt in Deutschland spürbar an, nachdem sie über mehrere Jahre nach unten gegangen war. Laut der jüngsten Auflage des jährlichen „Energiewendebarometers“ der KfW haben diesmal 66 Prozent der Befragten Handlungsbereitschaft gemeldet. Der Wert markiert damit die Trendwende zum Vorjahr: 2025 lag die Zustimmung bei 59 Prozent, dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2018. Damit verschiebt sich nicht nur die öffentliche Wahrnehmung, sondern auch die Ausgangslage für den Umbau der Wärme- und Stromversorgung, die in der Praxis stark vom Investitionsverhalten einzelner Haushalte abhängt.
Technisch zeigt sich die Frage nach dem „Wie“ an den konkreten Technologien, die in deutschen Haushalten bereits eine Rolle spielen oder für die nächsten Monate geplant sind. Etwa 14 Millionen Haushalte nutzen demnach mindestens eine der genannten Lösungen wie Wärmepumpe, Pelletheizung, Photovoltaik-Anlage, Solarthermie oder ein Elektroauto. Das entspricht jedem dritten Haushalt (34 Prozent). Weitere 5 Prozent planen nach eigenen Angaben eine solche Investition innerhalb der nächsten zwölf Monate. Interessant ist dabei, dass die Bandbreite der Technologien unterschiedliche Teile der Energieversorgung abdeckt: Wärmepumpen und Pelletheizungen betreffen die Gebäudewärme, Photovoltaik und Solarthermie die Erzeugung solarer Energie, während das Elektroauto die Mobilität elektrifiziert.
Die Umfrage ordnet diese Investitionen zugleich in ein Stimmungsbild zur Energiewende ein. Insgesamt bewerten 84 Prozent (Vorjahr: 83) den Umbau des Energiesystems weg von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas hin zu erneuerbaren Energien wie Wind-, Sonnen- und Wasserkraft als wichtig oder sehr wichtig. Dass dieser Bewertungsrahmen hoch bleibt, während die Handlungsbereitschaft zeitweise schwankt, deutet auf einen klassischen Zielkonflikt hin: Vielen Menschen ist Klimaschutz inhaltlich wichtig, aber die Entscheidung für Investitionen hängt stärker als die reine Zustimmung von Kosten, Verfügbarkeit und Förderlogik ab. Im Umkehrschluss lässt der erneute Anstieg der Handlungsbereitschaft erwarten, dass sich die wahrgenommenen Hürden im Alltag zumindest teilweise abgebaut haben.
Konkreten Druck erzeugt dabei die CO2-Bepreisung, die seit 2021 für alle fossilen Energieträger gilt. Der Verbrauch von Heizöl, Erdgas sowie von Benzin und Diesel wird dadurch teurer, um über höhere laufende Kosten Klimaschutz anzustoßen. Zum 1. Januar 2026 wurde der Preis pro Tonne Kohlendioxid (CO2) von 55 Euro auf eine Spanne zwischen 55 Euro und 65 Euro angehoben. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher ordnet das als Faktor ein, der in den kommenden Jahren zu einer überproportionalen Belastung führen kann: Wer ärmer ist, trifft Entscheidungen zur Energieversorgung anders als Haushalte mit mehr finanzieller Luft. Für die politische Praxis ist das nicht nur ein Wohlstands- oder Gerechtigkeitsthema, sondern auch eine Frage, ob die Energiewende als „Breitenprojekt“ funktioniert.
Besonders deutlich wird die Spreizung nach Einkommen in der Argumentationslinie des Barometers: Haushalten im unteren Einkommenssegment fehlen oft Mittel für Investitionen in klimaschonende Technologien. Schumacher begründet das auch damit, dass finanzschwächere Haushalte häufiger mit Öl und Gas heizen. Wenn der CO2-Preis fossile Brennstoffe verteuert, wirkt das dann nicht nur als Anreiz, sondern auch als unmittelbare Zusatzbelastung im Haushaltsbudget. Hier setzen die Forderungen nach gezielter Förderung an: Laut Schumacher ist es wichtig, auch einkommensschwächere Haushalte durch Fördermaßnahmen für Energiewendetechnologien zu gewinnen, damit der Umbau nicht vor allem von Haushalten getragen wird, die ohnehin über die nötigen Investitionsspielräume verfügen.
Die Erhebung verweist zudem auf den Einfluss von Extremwetterereignissen als Stimmungs- und Risikotreiber. Schumacher nennt den außergewönlichen Hitzesommer 2026 als Moment, der die Notwendigkeit des Klimaschutzes nochmals klar verdeutlicht. Gerade im Kontext von Gebäudesanierung und Energiesystemen kann so eine Erfahrung die subjektive Dringlichkeit erhöhen: Auch wenn die Umstellung meist Investitionen erfordert, wird das „Warum jetzt?“ in der Wahrnehmung vieler Haushalte durch real erlebte Wettereffekte geschärft. Unterm Strich ist das Energiewendebarometer damit auch ein Stimmungsbarometer für die nächste Förder- und Investitionsrunde, bei der die Frage nach sozialer Flankierung eine zentrale Rolle spielt.
Für die Marktperspektive ist schließlich relevant, wie sich die Bereitschaft in eine tatsächliche Umsetzung übersetzt. Wenn bereits 34 Prozent mindestens eine Technologie nutzen und weitere 5 Prozent kurzfristig planen, existiert ein definierter Kern von potenziellen Umsteigern. Gleichzeitig signalisiert der Anteil der Haushalte, die noch mit Gas oder Öl heizen (63 Prozent), dass der größte Hebel weiterhin im Gebäudebereich liegt. Das macht die Kombination aus finanzierbaren Investitionspfaden, verlässlicher Förderlandschaft und planbarer CO2-Dynamik entscheidend: Unternehmen aus dem Bereich Heizungstechnik, Energieberatung und Photovoltaik können davon ausgehen, dass sich die Nachfrage perspektivisch nicht nur „gedanklich“, sondern auch operativ erhöht, sofern Kostentransparenz und Förderzugänge mit der Bereitschaft Schritt halten.
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