LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Kampagne namens „EtherHiding“ koppelt Schadsoftware-Befehle an die BNB Smart Chain, damit Instruktionen schwerer zu enttarnen sind. Laut Analyse werden speziell Windows- und macOS-Nutzer ins Visier genommen, unter anderem über Lumma Stealer und AsyncRAT. Gleichzeitig kombinieren nordkoreanisch zugeordneten Gruppen lokale KI-Modelle mit RAG und KI-Agenten, um Phishing-Dokumente schneller und überzeugender zu erstellen. Für den Schutz digitaler Konten rücken Passkeys und moderne Kontoabsicherungen besonders in den Fokus.

EtherHiding: Malware nutzt Blockchain für KI-gestützte Befehlsvergabe
EtherHiding: Malware nutzt Blockchain für KI-gestützte Befehlsvergabe (Foto: IT BOLTWISE)
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Die „EtherHiding“-Kampagne setzt nicht auf klassische Befehls- und Kontrollmechanismen, sondern nutzt die BNB Smart Chain als persistenten Speicher für Malware-Instruktionen. Damit verankern Angreifer ihre nächsten Schritte in einem Ledger-ähnlichen Kontext, in dem sich Befehle zwar auslesen lassen, die operative Zuordnung aber für externe Sicherheitsdienste deutlich schwerer wird. Betroffen sein sollen Windows- und macOS-Nutzer, die mit Schadsoftware wie Lumma Stealer oder AsyncRAT infiziert werden sollen. Dass Microsoft vor „täglich tausenden“ potenziell Betroffenen warnt, unterstreicht dabei vor allem eines: Der Ansatz ist nicht auf einzelne Hochwertziele begrenzt, sondern kann im Hintergrund massiv skaliert werden.

Technisch spannend ist die zweite Komponente der Bedrohung: Viele Erkennungsmuster greifen bislang stark auf Cloud-typische Signale oder bekannte Kommunikationsmuster zurück. Genau hier setzen die in der Analyse beschriebenen Praktiken an, bei denen Sprachmodelle lokal statt in der Cloud laufen. Die Gruppe Kimsuky soll spezialisierte KI-Werkzeuge in ihre Angriffsketten integriert haben, wobei die Sprachmodelle über Umgebungen wie Ollama, GPT4All und Msty lokal ausgeführt werden. Für die Verteidigung ist das ein Wechsel der Angriffsoberfläche: Statt leicht zu korrelierender externer API-Requests entstehen lokale Ausführungs- und Artefaktspuren, die nicht automatisch mit „KI-Verhalten“ gleichgesetzt werden. Ergänzend kommen Retrieval-Augmented Generation (RAG) und KI-Agenten zum Einsatz, um Inhalte zielgerichtet aufzubereiten.

RAG und KI-Agenten verändern vor allem den Workflow hinter Spear-Phishing. Wenn Angreifer Daten aus einer oder mehreren Quellen „retrieval-gestützt“ in die Generierung einbinden, sinkt der manuelle Aufwand für jede einzelne Zielperson. In der Analyse wird beschrieben, dass so täuschend echte Lockdokumente erstellt werden sollen, die als Einstieg in Spear-Phishing-Kampagnen dienen. Dazu passt auch die weitere Beschleunigung durch Spracherkennung und Programmierassistenten: Mit Tools wie Cursor lässt sich die Entwicklung von Schadsoftware vereinfachen, weil Code-Vorschläge, Boilerplate und Varianten schneller iteriert werden können. Im Ergebnis verschiebt sich die Kostenstruktur für Angriffe: Nicht die reine Rechenleistung ist der Engpass, sondern die Fähigkeit, Inhalte und Payloads schnell an neue Zielprofile anzupassen.

Der Fokus der Kampagnen liegt laut Darstellung verstärkt im Finanz- und Krypto-Umfeld. Statt breit angelegter Datensuche prüfen Angreifer gezielt Datenlecks bei digitalen Wallets und Gmail-Konten, um private Informationen zu sammeln. Darüber hinaus werden offenbar auch gängige Mail- und Kontoumgebungen als Einfallstor genutzt: Über Exploits bei Gmail oder Outlook versuchen Angreifer, an sensible Kontodaten zu gelangen. Dass Gruppen wie Kimsuky und APT45 dabei auch kommerzielle Sprachmodelle wie ChatGPT und Gemini nutzen sollen, ist in der Praxis ein Warnsignal dafür, dass „KI“ nicht nur als Selbstzweck erscheint, sondern als Orchestrierungs- und Produktionsschicht für Social Engineering und technische Payloads. Genau in diesem Spannungsfeld verwischt zunehmend die Grenze zwischen staatlicher Spionage und finanziell motivierter Cyberkriminalität, weil die gleichen Generierungs- und Automatisierungsbausteine für unterschiedliche Ziele funktionieren.

Auch rechtlich zeigt sich, wie hartnäckig solche Operationen sein können. Die Kryptofirma Bybit verklagte die Lazarus-Gruppe vor einem US-Gericht; der Fall betrifft demnach den Diebstahl von 1,5 Milliarden USD im Februar 2025. Der Klage von Bybit zufolge konnten bisher 48,4 Millionen USD wiedererlangt werden, weitere 30,5 Millionen USD seien eingefroren. Solche Kennzahlen wirken auf den ersten Blick wie rein finanzielle Eckdaten, sind aber operational wichtig: Wiedererlangung und Einfrieren bestimmen, wie stark eine Gruppe „durchhält“, und sie beeinflussen indirekt die Bereitschaft von Dienstleistern, Indikatoren schnell zu blockieren. Außerdem wird berichtet, dass allein die Gruppe Famous Chollima zwischen April 2025 und Mai 2026 für etwa 47 Prozent der staatlich unterstüztzten Tech-Hacks verantwortlich gewesen sei; selbst wenn man die Attribution streng getrennt bewertet, zeigt die Größenordnung, dass es sich um ein wiederkehrendes Muster handelt.

Für die Verteidigung digitaler Konten kommt in der Analyse ein weiterer Schwerpunkt dazu: synchronisierte Schlüssel bei Google-Konten und der Versuch, über Gmail- oder Outlook-Angriffe an Kontodaten zu gelangen. In diesem Kontext empfehlen Sicherheitsberater verstärkt den Einsatz von Passkeys, weil sie das klassische Passwort-Problem reduzieren und Phishing-resistente Flows ermöglichen. Dabei ist das Argument nicht rein theoretisch: Wenn Angreifer Lockdokumente automatisiert und personalisiert generieren, steigen die Chancen auf erfolgreiche Credential-Abgriffe, während Passkeys die Angriffskette an der Stelle brechen, an der Passwörter bisher als „Single Point of Failure“ fungierten. Ergänzend wird betont, dass allein in Deutschland pro Quartal Millionen Online-Konten gehackt werden sollen, häufig weil Passwörter modernen Angriffen nicht mehr standhalten.

Unternehmen müssen das als Signal verstehen, dass „Detektion“ allein nicht ausreicht, wenn die Angriffslogik KI-gestützt produziert wird. Die Lünendonk-Studie 2026 nennt Cyber Security und Resilienz als prägende IT-Trends bis 2028 und beschreibt Investitionen in agentenbasierte KI sowie in souveräne IT-Architekturen. In der Praxis bedeutet das: Teams setzen stärker auf EDR-basierte Bedrohungssuche, um Anomalien früher zu erkennen. Gleichzeitig wird durch EtherHiding und lokale KI-Workloads deutlich, warum Security-Teams ihre Telemetrie nicht nur auf Netzwerkverkehr und bekannte C2-Signaturen ausrichten dürfen, sondern auch auf Prozess- und Artefaktspuren innerhalb der Endpunkte. Für Entscheider heißt das konkret, Security-Strategien enger mit Identitäts- und Endpoint-Schutz zu verzahnen: Wenn Angreifer Befehle über Blockchain-Speicher „verstecken“ und parallel KI-gestützte Social-Engineering-Contentproduktion beschleunigen, braucht es Abwehr auf mehreren Ebenen statt einer einzelnen Detektionslinie.


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