LONDON (IT BOLTWISE) – Der Eufy Hydrojet S2 (Omni S2) zeigt im Test vor allem beim Saugen sehr starke Ergebnisse, insbesondere auf Teppich. Die Hinderniserkennung umgeht fast alle Hindernisse zuverlässig und fährt die Flächen systematisch ab. Beim Wischen verliert das Setup dagegen messbar an Konstanz, vor allem bei eingetrockneten Flecken und bei der Interpretation einzelner Hindernisse. Zudem wirkt die Kombination aus hoher Geräuschkulisse und nachlassender Akkulaufzeit im Alltag weniger premium.

Beim Eufy Hydrojet S2, international auch als Omni S2 unterwegs, verschiebt sich das Leistungsprofil klar: Das Gerät wirkt wie eine konsequente Weiterentwicklung für Nutzer, die vor allem Teppiche zuverlässig reinigen und gleichzeitig eine weitgehend automatische Reinigungsstation nutzen wollen. Im Test fällt auf, dass die Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger S1 Pro nicht nur Marketing-versprochen sind, sondern sich in der Praxis vor allem beim Aufnehmen von Schmutz bemerkbar machen. Gleichzeitig bleibt das Wischen das zentrale Fragezeichen, weil die technische Idee zwar durchdacht ist, die gemessene Ergebnisqualität jedoch nicht durchgehend mit den Erwartungen aus den Spezifikationen mithält.
Technisch bleibt Eufy beim ungewöhnlichen Grundkonzept: Statt eines klassischen runden Gehäuses setzt der Hydrojet S2 auf eine weitgehend rechteckige Bauform mit stark abgerundeten Ecken. Das schafft Platz für eine breite Wischwalze und soll das Arbeiten an geraden Kanten erleichtern, kostet dafür aber etwas Wendigkeit. Mit rund 36 x 33 x 10 cm bleibt der Roboter relativ flach, und weil ein oben feststehender Laserturm fehlt, passt er auch unter viele Möbel. Die Station dahinter ist dagegen ein echter Brocken: Sie misst etwa 39 x 48 x 67 cm und ist zwar hoch, benötigt aber seitlich weniger Platz als manche sehr breiten Lösungen, wobei seitliche Führungen den effektiven Raumbedarf in der Praxis dennoch vergrößern können. Beim Finish hinterlässt der S2 einen eher hochwertigen Eindruck, auch wenn der glänzende schwarze Frontbereich Kratzer und Fingerabdrücke stärker sichtbar macht.
Die Reinigungsstation übernimmt im Alltag den Großteil der Routinearbeiten, die beim Thema Wischroboter sonst Zeit fressen. Eufy nennt einen Frischwasserbehälter mit 2,5 l, einen Schmutzwasserbehälter mit 1,8 l und sammelt den Staub in einem Beutel. Für die Walze sieht das System eine ganze Kette vor: Die Wischwalze wird mit bis zu 60 °C heißem Wasser gewaschen, anschließend mit heißer Luft getrocknet und zuvor mit Elektrolyse aufbereitetem Wasser in Betrieb gebracht. Laut Hersteller sollen dabei unter anderem Ozon und hypochlorige Säure entstehen, um die Keimbelastung zu reduzieren. Zusätzlich dosiert die Station Reinigungsmittel und nutzt eine Elektrolyse-Wasseraufbereitung, während ein Display am Gerät Statusinformationen anzeigt. Es bleibt aber nicht komplett bei „hinsetzen und vergessen“: Schmutzwasser muss regelmäßig entsorgt werden, außerdem sind Waschschale, Filter und weitere Kontaktstellen gelegentlich manuell zu reinigen.
Bei der Navigation setzt Eufy auf das CleanMind-System mit 3D-MatrixEye 2.0. An der Vorderseite arbeiten ein 3D-ToF-Sensor, eine RGB-Kamera und LED-Beleuchtung zusammen. Im Test umfuhr der S2 die meisten Hindernisse, statt stecken zu bleiben, und sogar kleine Würfel sowie simulierte Tierhinterlassenschaften wurden erkannt. Damit ordnet sich der Hydrojet S2 bei der Objekterkennung in der Spitzengruppe ein, wobei er nicht absolut fehlerfrei ist. Im Alltag fährt er Räume systematisch ab und arbeitet sich in parallelen Bahnen über freie Flächen, wobei er an Wänden einen geringen Abstand hält. Die kantige Bauform kann in engen Bereichen dennoch limitieren: Zwischen den Beinen eines Schwingstuhls muss das Gerät häufiger vor- und zurücksetzen, wodurch die Gefahr steigt, dass es sich festfährt. Positiv sticht dagegen das anhebbare Chassis hervor, das Teppiche sowie höhere Übergänge wie Türschwellen unterstützt; Eufy nennt dafür geeignete Schwellen bis 4,2 cm, und eine testweise verlegte Dachlatte mit 3,2 cm schaffte der Roboter im zweiten Anlauf.
Das Saugen ist der Teil, der im Test am stärksten überzeugt. Eufy nennt eine maximale Saugleistung von 30.000 Pa bzw. 100 Airwatt. Gegenüber den 8.000 Pa des S1 Pro wirkt das auf dem Papier wie ein deutlicher Sprung, und im Test zeigt sich das auch: Der Großteil des eingebrachten Schmutzes wird aufgenommen, Tierhaare entfernt der S2 ebenfalls gut, auch wenn nicht alles restlos bleibt. Auffällig ist außerdem, dass sich lange Haare im Test kaum um die Hauptbürste wickelten. Auf Laminat bleibt das Gerät zwar nicht immer ganz makellos, aber insgesamt bewegt es sich damit eher auf dem Niveau, das man von Premium-Ansprüchen erwartet. Beim Wischen hingegen zeigt sich eine uneinheitliche Performance: Eufy verwendet eine 29 cm breite, kontinuierlich gereinigte Wischwalze, die auf bis zu 15 N angedrückt wird, seitlich um bis zu 1,5 cm ausfahren kann und auf Teppichen um bis zu 2,8 cm angehoben wird. Das Konzept klingt technisch überzeugend, weil die Walze kontinuierlich mit sauberem Wasser versorgt und Schmutzwasser abgereift wird, statt über längere Zeit auf einer verschmutzten Fläche zu arbeiten.
Genau hier liegt jedoch der Knackpunkt: Im Test mit eingetrockneten Flecken blieb die Wischleistung unter dem Durchschnitt. Als mögliche Ursache nennt sich eine vergleichsweise geringe Wassermenge, denn weniger Wasser kann zwar Schlierenbildung reduzieren, löst eingetrocknete Verschmutzungen aber schlechter. Zusätzlich gab es im Test einmal den Effekt, dass bei aktivierter Fleckenerkennung Teile des Laminats als Hindernis interpretiert und teilweise ausgelassen wurden. Bei Flüssigkeiten und normalem Schmutz schlug sich der S2 dagegen besser und lieferte gleichmäßigere Ergebnisse auf Hartboden. Nach der Reinigung fährt der Roboter zur Station, wo die Walze gewaschen und getrocknet wird; das klappt technisch zuverlässig, allerdings kritisiert der Test auch die überdurchschnittliche Lautstärke beim Saugen sowie die hohe Geräuschkulisse während des teils mehrere Stunden dauernden Trocknens.
Auch die Praxisparameter passen nicht vollständig zum Premiumversprechen. Für die Laufzeit nennt Eufy im niedrigsten Leistungsmodus bis zu 260 Minuten, im Standardmodus 179 Minuten und bei maximaler Saugleistung 130 Minuten. Laut Hersteller dauert eine volle Ladung rund vier Stunden; im Test wurde das rund 120 m² große Testsetup nicht ganz in einem Durchgang geschafft, sodass ein Zwischenladen nötig wurde. Die Einrichtung läuft über die aktuelle Eufy-App, startet nach WLAN-Verbindung mit einer Kartierung und unterstützt das Speichern mehrerer Karten inklusive Bearbeitung, Sperrzonen, Teppichen und Zonen für gezielte Reinigung. Praktisch sind außerdem gespeicherte Kombinationen aus Saugleistung, Wassermenge und Reinigungsintensität sowie Zeitpläne. Dennoch fehlt ein eigenständiger reiner Wischmodus, bei dem ausschließlich gewischt wird; zur Verfügung stehen „Saugen“ sowie „Saugen und Wischen“. Dazu kommt die Stationkonfiguration, etwa wie oft der Roboter zur Zwischenreinigung der Walze zurückkehrt und wie die Trocknung läuft.
Am Ende ergibt sich ein klares Fazit: Der Hydrojet S2 ist ein starker Saugroboter mit sehr guter Automatisierung der Station und zuverlässiger Hinderniserkennung. Wer vor allem Teppiche, Haare und gründliches Absaugen priorisiert, bekommt dafür im Test eine überzeugende Basis. Beim Wischen bleiben hartnäckige, eingetrocknete Flecken jedoch ein Schwachpunkt, und die Kombination aus teilweise umständlicher Navigation in engen Bereichen, hörbarer Lautstärke und nicht ganz ausgereifter Akkulaufzeit schmälert den Gesamteindruck. Preislich liegt die offizielle UVP des Anker Eufy Hydrojet S2 bei 1.499 Euro, aktuell wird er laut Quelle für rund 1.445 Euro angeboten. Zusammen mit der Temperatur und Wirkkraft beim Waschvorgang, die im Test hinter der Premium-Konkurrenz zurückbleibt, ist das für Käufer mit Fokus auf „Wischen als Kernleistung“ eher eine schwierige Entscheidung.
In der Kategorie der Saug- und Wischroboter zeigt der Hydrojet S2 damit typischerweise, worauf es für Unternehmen und techniknahe Haushaltsnutzer hinausläuft: Hohe Automatisierung reduziert Routineaufwand, aber die reale Reinigungsqualität hängt stark an Messparametern wie Wassermenge, Druckverhalten und der Fähigkeit, Beläge und Flecken korrekt zu klassifizieren. Wer sich für das Gerät entscheidet, sollte daher die eigenen Reinigungsprofile ehrlich abgleichen – und bei eingetrockneten Flecken sowie engen Umgebungen nicht allein auf Datenblätter vertrauen.
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