FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Euro bleibt im frühen Handel nahezu unverändert und notiert bei 1,1513 US-Dollar. Nach einem Anstieg bis auf 1,1559 Dollar folgten Gewinnmitnahmen, während robuste US-Konjunkturdaten den Dollar stützten. Die Landesbank Helaba sieht dennoch Anzeichen für eine Trendumkehr in Form eines Doppelbodens. Ausschlaggebend könnte am Dienstag vor allem die US-Handelsbilanz werden.

Der Devisenmarkt startet die neue Woche mit einer eher gedämpften Bewegung: Im frühen Handel bleibt der Euro praktisch auf Kurs, zum Zeitpunkt der Notierung kostet er 1,1513 US-Dollar. Für Anleger wirkt das wie ein Zwischenstand nach einer kleinen Erholungswelle, die zuvor klarere Spuren hinterlassen hatte. Zunächst hatte der Kurs bis auf 1,1559 Dollar zugelegt und damit den höchsten Stand seit Mitte Juni erreicht. Danach setzten jedoch Gewinnmitnahmen ein, was zeigt, wie schnell aus einem Aufwärtsimpuls wieder eine Konsolidierung wird, wenn neue Impulse fehlen.
Technisch betrachtet ist der Bereich um 1,15 US-Dollar aktuell mehr als nur eine psychologische Marke: Er liegt im Schnittfeld verschiedener kurzfristiger Preisniveaus, die Marktteilnehmer als Orientierung nutzen. Die Landesbank Helaba verweist in einer Studie darauf, dass der jüngste Anstieg über das Hoch von Mitte Juli bei 1,1482 Dollar eine Trendumkehr in Form eines Doppelbodens andeuten könne. Rechnerisch ergibt sich daraus laut Helaba ein Potenzial bis 1,1640 Dollar. Entscheidend bleibt dabei, ob der Kurs das Signal bestätigt, statt nur kurzfristig nach oben zu „springen“ und anschließend wieder in frühere Spanne zurückzufallen.
Die Bewegung lässt sich zudem makroökonomisch einordnen: Der Euro stand in den vergangenen Monaten unter Druck und war von Mitte April bis Ende Juli von rund 1,18 Dollar in Richtung der Marke von 1,14 Dollar gefallen. In den letzten Tagen hat sich das Blatt gewendet, wobei gleich mehrere Treiber gleichzeitig wirkten. Dazu zählen laut Berichten aus dem Devisenhandel Devisenmarkt-Interventionen der Japaner und der Vereinigten Staaten, um den Yen zu stützen. Solche Eingriffe können den Dollar indirekt abschwächen, weil sie sich über die Zins- und Währungsrelationen auf das gesamte FX-Set-up auswirken – insbesondere dann, wenn dadurch der Fokus des Marktes von „stärkeren“ USD-Realzinsen auf alternative Renditepfade verschoben wird.
Auch die Erwartungen an eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank spielen in die kurzfristige Kursbildung hinein. Laut Einschätzung reduziert sich der Druck auf den Dollar, weil die Marktteilnehmer ihre Erwartungen hinsichtlich einer US-Zinserhöhung etwas zurückgenommen haben. Das ist für das EUR-USD-Paar relevant, da sich Zinsdifferenzen häufig unmittelbar in FX-Termingeschäften und in der sofortigen Spot-Reaktion widerspiegeln. Gleichzeitig gilt aber: Robuste US-Konjunkturdaten, wie sie im frühen Tagesverlauf genannt werden, können den Dollar kurzfristig stützen und damit das Tempo einer Euro-Erholung bremsen. Genau dieses Spannungsfeld erklärt, warum es zwar zu einem Zwischenhoch kam, der Markt anschließend jedoch nicht „durchziehen“ konnte.
Wichtig ist dabei auch, wo der Markt seine Bremspunkte sieht. Für Widerstand sorgen nach Angaben aus der Helaba-Analyse die 100- und 200-Tagelinie, die bei 1,1567 Dollar beziehungsweise 1,1629 US-Dollar liegen. In der Praxis wirken solche gleitenden Durchschnitte oft als Zonen, an denen systematisch Positionen angepasst werden: Trader reduzieren dann Risiko oder verlangen bestätigende Ausbruchsbewegungen, bevor sie aggressiver auf eine Trendfortsetzung setzen. Ebenso betont die Bank als Bedingung für den positiven Ausblick, dass der Euro nicht wieder dauerhaft unter die Marke von 1,1482 Dollar abrutschen sollte. Solange diese Schwelle verteidigt wird, bleibt das Doppelboden-Szenario im Raum; bei einem klaren Bruch würden viele Marktteilnehmer dagegen eher mit einer Fortsetzung des Abwärtstrends rechnen.
Für den weiteren Tagesverlauf ist das makroökonomische Kalenderfenster klar begrenzt: Am Dienstag werden nur wenige Konjunkturdaten veröffentlicht. Damit könnte die US-Handelsbilanz am Nachmittag ein überproportionaler Impulsgeber sein, weil sich an solchen Kennzahlen sowohl Wachstums- als auch Inflationssignale festmachen lassen. Bereits kleine Abweichungen können die Erwartungen an den künftigen Zinskurs verändern und dadurch die kurzfristige Risikosteuerung im EUR-USD-Paar beeinflussen. Für Unternehmen und Treasury-Teams heißt das: Der Wechselkurs kann sich kurzfristig stärker bewegen als man aufgrund des relativ ruhigen Vormittags vermuten würde – nicht durch anhaltenden Trendaufbau, sondern durch einen einzelnen Datenpunkt, der die aktuelle Balance zwischen USD-Stärke und Euro-Stabilisierung neu justiert.
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