LONDON (IT BOLTWISE) – Frankreich will Familienschenkungen zeitweise steuerlich entlasten und dabei die Freibeträge deutlich anheben. In erster Lesung stimmte die Nationalversammlung für höhere Grenzwerte: Der steuerfreie Rahmen soll von 31.865 Euro auf bis zu 100.000 Euro reichen. Gleichzeitig sieht der Haushaltsentwurf 2027 einen reduzierten Steuersatz von 6 Prozent für Beträge bis 100.000 Euro vor. Unklar bleibt, wie stark der Staatshaushalt dadurch kurzfristig belastet wird und wie die Reform im weiteren Gesetzgebungsverfahren konkretisiert wird.

Frankreich plant höhere Freibeträge und 6% Steuersatz bei Familienschenkungen bis 100.000 Euro
Frankreich plant höhere Freibeträge und 6% Steuersatz bei Familienschenkungen bis 100.000 Euro (Foto: IT BOLTWISE)
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Frankreichs Haushaltspläne für 2027 nehmen die nächste Generation von Vermögensübertragungen stärker in den Fokus: Die Nationalversammlung hat in erster Lesung eine vorübergehende steuerliche Entlastung für Geldübertragungen innerhalb der Familie beschlossen. Im Paket steckt eine klare Verdichtung der Mechanik: höhere Freibeträge, längere zeitliche Nutzung und – für einen bestimmten Korridor – ein ermäßigter Steuersatz. Die Abstimmung fiel dabei mit 66 zu 25 Stimmen im Rahmen der Beratungen zum Budgetentwurf PLF 2027, also noch bevor das Verfahren vollständig abgeschlossen ist. Für Familien bedeutet das vor allem eines: Wer Schenkungen in den nächsten Monaten planen muss, schaut weniger auf eine einzelne Schwelle, sondern auf den Zusammenspiel-Effekt aus Freibetrag, Altersanforderungen und der Frage, wer Empfänger ist.

Technisch betrachtet greift die Reform an zwei Stellen gleichzeitig. Erstens soll der reguläre Freibetrag für Geldspenden von bislang 31.865 Euro auf 50.000 Euro steigen, wobei die Inanspruchnahme alle 15 Jahre neu möglich sein soll. Damit erhalten Familien, die den bisherigen Rahmen bereits ausgeschöpft haben, zusätzlich 18.135 Euro steuerfreien Spielraum. Zweitens wird der Anwendungszeitraum verlängert: Ursprünglich waren sechs Monate vorgesehen, durch Änderungsanträge von LR, UDR und MoDem soll die Regel zwölf Monate gelten. Diese zeitliche Streckung ist in der Praxis oft entscheidend, weil sie Planungssicherheit für Notfall- und Teilübertragungen schafft, etwa wenn Vermögen aus laufenden Ersparnissen oder aus einer Unternehmensnachfolge in mehreren Tranchen verteilt wird.

Daneben setzt der Entwurf eine zweite Steuerlogik auf: Für Beträge bis zu 100.000 Euro pro Geber und Empfänger soll ein Steuersatz von 6 Prozent gelten, allerdings mit einer Altersbedingung auf Empfängerseite. Der Empfänger muss dabei unter 50 Jahre alt sein; die konkrete Berechnung wird im Beispiel des Entwurfs anhand einer Eltern-Kind-Übertragung von 100.000 Euro erläutert. Demnach sinkt die fällige Abgabe von regulär 18.194 Euro auf 6.000 Euro, was einer Steuerersparnis von 12.194 Euro entspricht. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt in der Gestaltung: Die Reform wirkt weniger wie eine generelle Senkung, sondern wie ein gezieltes Tuning des Übergabepfads, bei dem Timing und Altersprofil die steuerliche Wirkung stark beeinflussen.

Um die praktische Größenordnung greifbar zu machen, nennt der Text weitere Szenarien mit Ketten von Gebern und Empfängern. Wenn zwei Elternteile einem Nachkommen nach dem neuen Modell jeweils bis zu 100.000 Euro liquide Mittel zuwenden, liegt die Grenze nach geltendem Recht bei 63.730 Euro. Kombiniert man dies zusätzlich mit einem regulären Freibetrag von 100.000 Euro je Elternteil, entsteht rechnerisch Spielraum für ein Elternpaar: Je Kind sollen dann bis zu 150.000 Euro steuerfrei möglich sein; bei zwei Kindern insgesamt sogar bis zu 600.000 Euro. Dabei ist wichtig, dass das Regelwerk nicht allein über die Summen funktioniert: Der Entwurf knüpft Bedingungen an, etwa dass der Schenkende unter 80 Jahre alt sein muss und der Empfänger entweder volljährig oder emanzipiert sein soll. Ein Antrag, die Altersgrenze von 80 Jahren aufzuheben, fand im Parlament keine Mehrheit, was zeigt, dass die Entlastung zwar weitreichend, aber nicht grenzenlos gedacht ist.

Die politische Debatte liefert parallel den Markt- und Umsetzungsrahmen. Laut Angaben aus dem Text erhielt die Vorlage Unterstützung aus den Regierungslagern sowie vom Rassemblement National, während linke Parteien sie geschlossen ablehnten. Die Kritik entzündete sich an der Frage, ob sich über komplexe Gestaltungen Vermögen besonders günstig verlagern ließe: Die Abgeordnete Trouvé (La France Insoumise) argumentierte, dass unter bestimmten Voraussetzungen Vermögensübertragungen von bis zu 1,2 Millionen Euro nahezu steuerfrei möglich würden. Der kommunistische Abgeordnete Sansu bezeichnete die Maßnahme als einseitige Begünstigung wohlhabender Haushalte. Demgegenüber verwies ein Abgeordneter von Renaissance, Kasbarian, darauf, dass ein späterer Erbanfall die jüngeren Generationen belaste und eine frühere Weitergabe sinnvoll sei, um Vermögensbestände älterer Generationen gezielt Richtung Jüngere zu mobilisieren.

Für die tatsächliche Umsetzung spielen die Formalien eine ebenso wichtige Rolle wie die Steuersätze. Der Entwurf sieht keine zwingende Beurkundung durch einen Notar vor; stattdessen ist eine Online-Meldung durch den Empfänger beim Finanzamt innerhalb eines Monats nach der Übertragung vorgeschrieben. Genau diese Schnittstelle zwischen Steuervorschrift und administrativem Ablauf entscheidet in der Praxis darüber, ob die Steuervergünstigung tatsächlich fristgerecht in Anspruch genommen werden kann. Wer in Deutschland mit Blick auf Schenkungsteuer-Systematiken plant, erkennt den grundlegenden Ansatz wieder: Steuerliche Entlastungen sind häufig nur so viel wert wie die Frist- und Nachweissicherheit. In Frankreich wird der Nachweis dabei ausdrücklich an die Meldung gekoppelt.

Offen ist nach dem Text vor allem die finanzielle Wirkung auf die Staatskasse. Die genauen Kosten der Steuervergünstigung blieben unbeziffert, und die Debatte um die Finanzierung läuft weiter. Minister Amiel verwies dabei auf historische Erfahrungen aus der Phase von Juni 2004 bis Februar 2005, als Befreiungen von 20.000 beziehungsweise 30.000 Euro durch den Anstieg des Schenkungsvolumens zu Mehreinnahmen von 1,1 Milliarden Euro geführt hätten. Für Unternehmen, Steuerabteilungen und vermögensverwaltende Stellen ist das ein Signal, dass der Gesetzgeber nicht nur eine Einnahmenseite bewertet, sondern auch Verhaltensänderungen durch die Reform einpreist. Gleichzeitig ist klar: Das Gesetzgebungsverfahren ist formal noch nicht abgeschlossen; die Abstimmung über den gesamten Einnahmenteil steht für Dienstag an, und die Frist für die anschließende Überweisung an den Senat läuft bis zum 17. November. Für die nächsten Schritte heißt das: Erst wenn die endgültige Fassung vorliegt, lassen sich Gestaltungsspielräume belastbar festlegen, und genau dann werden in der Regel auch Rückfragen zu Altersgrenzen, Meldelogik und Berechnungsweg konkret.


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