DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Die angeschlagene Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen, während unklar bleibt, ob einzelne Standorte schließen müssen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus soll die nächsten Schritte begleiten, und die Belegschaft mit rund 12.000 Beschäftigten wartet auf konkrete Zusagen zu Lohnzahlungen und Perspektiven. Parallel steht die Branche unter weiterem Druck durch schwache Konsumlaune und die Verlagerung von Nachfrage in den Onlinehandel.

Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 83 Filialen weiter im Betrieb
Galeria stellt erneut Insolvenzantrag: 83 Filialen weiter im Betrieb (Foto: IT BOLTWISE)
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Galeria geht erneut in ein Insolvenzverfahren: Das Amtsgericht Düsseldorf hat den Eingang des Antrags bestätigt, nachdem die Warenhauskette die Eröffnung eines Verfahrens beantragt hatte. Wichtig ist dabei weniger der formale Schritt als die Frage, wie stabil der Alltag für Kunden und Mitarbeiter in den kommenden Wochen bleibt. Laut Angaben des Unternehmens soll der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen zunächst weiterlaufen. Genau in dieser Phase entscheidet sich typischerweise, ob ein Unternehmen die Zeit bis zur gerichtlichen Neuordnung nutzen kann, um Lieferanten, Vermieter und Mitarbeitende mitzunehmen – oder ob sich die Krise in Form von zurückhaltenden Zahlungen und abnehmender Nachfrage weiter verschärft.

Für die Arbeitsplätze steht damit ein konkreter Unsicherheitsfaktor im Vordergrund: Etwa 12.000 Beschäftigte wurden am Freitagvormittag informiert und müssen nun abwarten, ob und in welchem Umfang Insolvenzgeld fließt. Entscheidend ist dabei die Frage, ob noch eine Planüberwachung aus einem früheren Verfahren läuft. In den Informationen aus der Vergangenheit hieß es, dass bei fortbestehender Planüberwachung mit hoher Wahrscheinlichkeit kein erneut gezahltes Insolvenzgeld zu erwarten ist; zugleich müsste jede Prüfung die konkrete Situation individuell bewerten. Parallel bleibt offen, ob es allein beim Antrag bleibt oder ob das Gericht beziehungsweise das Unternehmen bereits früh über Standortschließungen sprechen müssen.

Der nächste technische und organisatorische Taktgeber ist der Insolvenzprozess selbst: Vorgelegt wurde, dass Frank Kebekus vorläufig als Insolvenzverwalter benannt ist. Kebekus ist in der Galeria-Welt kein Neuling, weil er bereits als Sachwalter durch die Insolvenzverfahren 2020 und 2022 begleitet hatte. Für die Umsetzung bedeutet das in der Praxis meist eine sehr enge Abstimmung zwischen Unternehmensleitung, Gericht, Betriebsrat und operativem Management, etwa wenn es um die Abwicklung laufender Verträge, die Priorisierung von Warenbeständen oder die Fortführung von Miet- und Versorgungsbeziehungen geht. Der Gesamtbetriebsrat hatte zunächst Zurückhaltung angekündigt, will aber nach eigenen Angaben mit allen verfügbaren Mitteln an einer Perspektive für den Fortbestand arbeiten.

Geschäftlich fügt sich der neue Antrag in eine lange Abfolge von Schließungen und Umstrukturierungen ein. Innerhalb von sechs Jahren ist es nach 2020, 2022 und 2024 bereits der vierte Insolvenzantrag. Seit den letzten Anpassungen zählen wieder neue Eigentümerstrukturen zum Bild: Galeria gehört seit Sommer 2024 einer US-Investmentgesellschaft und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz; der Name Galeria verdrängte zudem die früheren Markenbestandteile. In den Jahren dazwischen wurden bereits zahlreiche Filialen geschlossen, wobei Gläubiger offenbar auf Teile ihrer Milliardenforderungen verzichteten, um überhaupt einen Weg aus der Krise zu ermöglichen. Gerade dieser Kontext zeigt, wie schwierig die Rückkehr zu einem tragfähigen Geschäftsmodell ist: Selbst mit neuen Eigentümern und Sanierungsplanen bleibt die Frage, ob ausreichend viele Standorte dauerhaft profitabel wirtschaften können.

Hinzu kommt die Markt- und Branchenlage, die sich in den Zahlen der vergangenen Jahre widerspiegelt. Das Handelsforschungsinstitut EHI ordnet Galerias Entwicklung in einen größeren Trend ein: Die Erlöse sind demnach deutlich gesunken. 2019 erzielte die Kette noch mit 174 Filialen einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro; sechs Jahre später lag die Umsetzung laut Angaben mit deutlich weniger Standorten nur noch bei rund 2 Milliarden Euro. Noch stärker sichtbar wird der strukturelle Bedeutungsverlust klassischer Kauf- und Warenhäuser: Marktanteile sanken seit 2000 laut EHI von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent – in diesen Werten sind neben Galeria auch andere Ketten wie Müller und Woolworth enthalten. Handelsexperten sehen unter Bedingungen zwar Chancen für einen begrenzten Fortbestand, sprechen aber gegen ein Vollsortiment-Modell: Zukunftsfähig seien eher lokal verankerte Konzepte mit Erlebnisanteil und ergänzenden Drittpartnern.

Der Blick auf die übrige Einzelhandelslandschaft macht die Tragweite deutlich. Nach Angaben eines Kreditversicherers hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht: Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten sich demnach gut 2.600 Einzelhändler in Insolvenz an. Damit stehen nicht nur bekannte Warenhausakteure unter Druck, sondern auch spezialisierte Formate wie Non-Food-Discounter und Dekorationsketten; zusätzlich laufen Teile des Baumarktsegments in eine Abwicklung. Für Galeria heißt das: Selbst ein rechtlich geordneter Ablauf löst nicht automatisch das operative Problem, weil sich in einer schwachen Konsumphase auch Lieferkonditionen, Warenabverkauf und Vermieterbereitschaft verschieben. Für die nächsten Schritte wird deshalb entscheidend sein, ob das Unternehmen mit der bestehenden Sanierungslogik – inklusive einer auf drei Jahre angelegten Planung sowie konkreter Kreditfinanzierung – genügend Verhandlungsmacht und Umsetzungskraft gewinnt, um die Zahl der Standorte mit stabiler Ertragsbasis zu erhöhen statt die Struktur weiter zu verengen.


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