LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher haben zwei manipulierte npm-Pakete und mehrere kompromittierte Go-Pakete identifiziert, die beim Öffnen eines Projekts in VS Code automatisch eine bösartige Kette starten. Der Angriff tarnt JavaScript als Font-Datei und nutzt Blockchain-Transaktionen als „Dead Drop“, um Stage-Payloads nachzuladen. Anschließend verbindet sich der Code mit einer angreifer­kontrollierten Infrastruktur, installiert einen Python-Infostealer und entzieht sowohl Browser- als auch Wallet- und Entwicklerdaten. Besonders kritisch: Die Ausführung umgeht gängige npm-„Hardenings“ über einen versteckten VS-Code Task-Mechanismus.

Gefälschte npm- und Go-Pakete missbrauchen VS-Code-Tasks für Python-Infostealer
Gefälschte npm- und Go-Pakete missbrauchen VS-Code-Tasks für Python-Infostealer (Foto: IT BOLTWISE)
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Cybersecurity-Teams melden eine neue Variante der Supply-Chain-Kompromittierung: Zwei bei npm veröffentlichte Pakete und eine Reihe von Go-Komponenten sind so präpariert, dass sie auf kompromittierten Windows-, Linux- und macOS-Systemen einen Python-basierten Infostealer nachladen. Laut einer technischen Analyse von JFrog zielt die Kampagne darauf ab, gängige npm-Ausführungsrouten zu umgehen, die durch Sicherheitsmaßnahmen rund um neuere npm-Versionen stärker abgesichert werden. Stattdessen versteckt der Angriff die eigentliche Logik in einem VS-Code-Autostart-Mechanismus, sodass die Ausführung getriggert wird, sobald ein Entwickler einen Projektordner in einer IDE wie VS Code oder Cursor öffnet und der Workspace als „trusted“ markiert ist.

Der Kern des Tricks liegt in der Interaktion mehrerer Ökosysteme: npm liefert zunächst ein scheinbar harmloses Paket, doch die Ausführung entlädt sich nicht über klassische lifecycle-scripts, sondern über eine versteckte Microsoft-VS-Code-Task. Diese Task trägt dem Bericht zufolge den Namen „eslint-check“ und nutzt die Option „runOn: ‘folderOpen’“. Damit kann der Payload ohne explizites Starten eines Build-Schritts laufen. Zusätzlich tarnt der Angreifer die Nutzdaten als Font-Datei in „public/fonts/…woff2“, obwohl darin JavaScript steckt. Ein weiterer Layer kommt hinzu: Der Code zieht verschlüsselte Stage-Daten aus Blockchain-Transaktionen, wodurch takedownresistente „Dead Drops“ entstehen.

Nachdem die erste Stage läuft, setzt die Kette auf wiederholtes Nachladen. Der Angriffsablauf verwendet dem Bericht zufolge Blockchain-Infrastruktur als Resolver (u. a. TronGrid und eine Aptos-Fallback-Strategie), um jeweils die nächste JavaScript-Teilkomponente zu beziehen und daraus den Command-and-Control-Zugriff aufzubauen. In der nächsten Phase wird eine Socket.io-basierte Backdoor installiert, die Interaktion mit dem infizierten Host ermöglicht: Dazu zählen Kommandoausführung, Dateisammlungen, Clipboard-Harvesting sowie Datei-Uploads und Prozesssteuerung. Erst danach folgt die Python-Komponente, die wiederum von der C2-Seite die finale Infostealer-Instanz nachlädt und die erforderlichen Abhängigkeiten installiert, um anschließend breitflächig zu exfiltrieren.

Für den Markt ist vor allem die Breite der Zielobjekte relevant. Der Infostealer ist darauf ausgelegt, Credentials und Artefakte aus mehreren Quellen zu sammeln: Erfasst werden Browserdaten aus Chromium-Umgebungen und Firefox, Passwortmanager-Inhalte sowie Authenticator-Daten und Krypto-Wallets. Ebenso werden OS- und Tooling-spezifische Speicher abgegriffen, etwa Windows Credential Manager, Linux Secret Service, KDE Wallet und macOS Keychain. Zusätzlich geht es um Entwickler-Umfelder: Git-Zugriffe, GitHub CLI-Konfigurationen, GitHub Desktop Logs sowie VS-Code-spezifische globale Speicherdaten. Als Exfiltrationsformat dienen ZIP-komprimierte Archive, die über die C2-Seite hochgeladen werden; falls zur Laufzeit ein Telegram-Bot-Token bereitgestellt wird, kann parallel auch ein Bot als Kanal dienen.

Die Kampagne ist zudem nicht auf npm beschränkt. Nextron Systems beschreibt im Zusammenhang damit 16 kompromittierte Go-Pakete, die dem Muster folgen, das auch in der npm-Sequenz sichtbar war: Viele der Pakete wirken „legitim“, veröffentlichen nach dem neuesten Release aber die Malware innerhalb derselben Paketstruktur. Im Bericht werden exemplarisch verschiedene Repository-Paths genannt, die jeweils eine gemeinsame Struktur und das gleiche „Fake Font“-Tarnthema teilen sollen. Als Signal für die Relevanz für Enterprise-Schutzkonzepte kann man das Muster mit etablierten Schutzansätzen wie Microsoft Defender für Endpoint oder DevSecOps-Scanning-Workflows vergleichen: Ohne Einschränkungen für IDE-Autostarts und ohne strikte Integritätsprüfungen kann selbst statisches Scannen von Manifesten die eigentliche Ausführung über Tasks übersehen.

Historisch greift die Kampagne bekannte Muster auf und kombiniert sie neu: „Typosquatting“ und Paket-Hijacks sind seit Jahren etabliert, und auch das Tarnen von Payloads in scheinbar legitimen Assets ist ein wiederkehrendes Thema. Neu ist hier weniger die Idee der Supply-Chain, sondern die konkrete Ausführungskette über die VS-Code-Task-Funktion „folderOpen“. Diese Kopplung an die Entwickler-IDE stellt eine harte Herausforderung für klassische Agentenmodelle dar, weil der Trigger aus dem Arbeitsfluss heraus entsteht: Ein Entwickler öffnet eine Projektmappe, vertraut dem Ordner, und der Kompromiss wird ohne zusätzliche Klicks wirksam. Experten ordnen das zudem in eine größere Bedrohungskampagne ein; ein Sicherheitsforscher wie Paul McCarty habe die „Fake Font“-Aktivität als Teil einer langlaufenden Kampagne gegen Softwareentwickler beschrieben.

Für Unternehmen bedeutet das, dass „npm only“-Kontrollen allein nicht ausreichen. Sicherheitsarchitektur muss das IDE-Verhalten und die lokalen Ausführungsbedingungen als Angriffsfläche behandeln. In der Praxis heißt das: Repositories sollten in CI/CD mit Signaturen und Hashes verifiziert werden, npm-Installationen sollten auf zulässige Quellen und registrierte Abhängigkeiten begrenzt werden, und IDE-Features wie automatische Tasks sollten in produktiven Umgebungen restriktiv gehandhabt werden. Außerdem raten Experten in der Meldung zu einer schnellen Entfernung der betroffenen Pakete, zum Suchen nach versteckten VS-Code-Ordnern und „folderOpen“-Tasks sowie zur Rotation sämtlicher kompromittierbarer Geheimnisse, einschließlich Tokens, Cloud-Credentials, API-Keys und gespeicherter Browser- oder Wallet-Daten.

Regulatorisch und datenschutzrechtlich verschärft die exfiltrierte Datenbreite die Lage. Werden Browser- und Authentifizierungsdaten sowie Wallet-Informationen abgezogen, sind häufig nicht nur technische, sondern auch personenbezogene und unternehmensrelevante Daten betroffen. Für EU-Organisationen kann das unter Umständen Pflichten zur Meldung von Sicherheitsvorfällen und zur Dokumentation von Maßnahmen auslösen; zumindest erfordert es eine saubere Incident-Response-Kette, Protokollierung und nachvollziehbare Lösch- bzw. Sperrmaßnahmen. Der Blick nach vorn dürfte dennoch klar sein: Ähnliche Kampagnen werden wahrscheinlich stärker auf „Developer Experience“ setzen, also Features aus IDEs und Build-Tooling missbrauchen, um heutige DevSecOps-Scans zu umgehen. Teams, die ihre Kontrollen um Integrität, Least-Privilege und IDE-Autostart-Policy erweitern, reduzieren das Risiko deutlich – und schaffen gleichzeitig bessere Angriffserkennung über Prozess- und Task-Telemetrie.


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