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LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bank of America hält es für unwahrscheinlich, dass Gold in den drei Monaten ab Oktober 2026 dauerhaft über 4.000 US-Dollar je Unze bleibt. Als Belastungsfaktoren nennt sie hohe Zinsen, einen starken US-Dollar und den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten. Für das vierte Quartal erwartet sie im Schnitt 4.000 US-Dollar je Unze und für 2027 einen Durchschnitt von 4.813 US-Dollar. Während Skeptiker auf einen weiteren Preisrutsch achten, verweisen andere Häuser auf ETF-Zuflüsse und Zentralbankkäufe.

Gold vor dem nächsten Rückschlag: BofA warnt vor 4.000 US-Dollar
Gold vor dem nächsten Rückschlag: BofA warnt vor 4.000 US-Dollar (Foto: IT BOLTWISE)
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Der nächste Test für den Goldmarkt kommt ausgerechnet an der psychologisch wichtigen 4.000-US-Dollar-Marke. Laut einem im Oktober veröffentlichten Edelmetallreport der Bank of America ist es in den drei Monaten ab Oktober 2026 eher unwahrscheinlich, dass der Preis „durchgehend“ darüber bleibt. Das Unternehmen argumentiert dabei nicht nur mit einer einzelnen Schlagzeile, sondern mit einem Zusammenspiel aus Geldpolitik, Währungsdynamik und geopolitischem Risiko. Auffällig ist auch die Prognoseformel: Für das vierte Quartal nennt die Bank einen Durchschnitt von 4.000 US-Dollar je Unze, während sie für 2027 deutlich vorsichtiger startet und auf 4.813 US-Dollar kommt. Anfang Mai hatte sie den 2026er-Durchschnitt noch auf 5.093 US-Dollar angehoben; seitdem dreht sich das Bild, was angesichts der kurzfristigen Schwankungen am Markt weniger eine „neue Wahrheit“, sondern eher eine Neubewertung der Belastungsdauer ist.

Technisch betrachtet hängt Gold häufig an realen Renditen und an der Erwartung, ob die Fed ihren restriktiven Kurs verlängert. Die Bank of America macht genau dort den Ursprung des Gegenwinds fest: Gold sei in der Vergangenheit vor allem dann gestiegen, solange der Markt keine höheren Zinsen einpreiste. Als die US-Notenbank in einen restriktiveren Kurs wechselte, die Inflation wieder anzog und der US-Dollar aufwertete, habe das Edelmetall spürbar unter Druck geraten. Diese Logik setzt sich im aktuellen Szenario fort: Steigende reale Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten, denn Gold wirft keine laufenden Erträge ab. Parallel wirkt ein starker US-Dollar wie ein Bremsklotz für Käufer außerhalb des Dollarraums. Im Report wird zudem bereits Ende September eine potenzielle Rückbewegung beschrieben – Richtung 3.750 US-Dollar im laufenden Quartal – womit 4.000 eher Obergrenze als Untergrenze wird.

Auf der Nachfrageseite kommt der Markt damit in ein Spannungsfeld aus Zentralbanken, ETFs und Schmuckkonsum. Laut dem Tracker der Bank lagen die Goldkäufe von Zentralbanken sowie aus China und Indien zusammen unter dem Vorjahresniveau. Gerade deshalb könnte eine erneute Eskalation im Nahen Osten den Ton ändern: Wenn Notenbanken wieder vorsichtiger agieren, können sie Verkäufe über kurzfristige Schwankungen stellen oder Umschichtungen beschleunigen. Für Kasachstan nennt der Text einen konkreten Hinweis: Die Zentralbank soll bis Ende August, also bis zum Zeitpunkt eines gemeldeten Zwischenstands, die Goldquote der Reserven bis Jahresende von rund 78 auf 75 Prozent senken. Edelmetallanalysten beziffern das auf rund 15 Tonnen – gleichwohl als Umschichtung und nicht als Abkehr vom Gold interpretiert. Gleichzeitig bleibt in China die Nachfrage im Schmucksegment schwach; der Großhandelsabsatz sei im dritten Quartal laut World Gold Council um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen.

Dass die Meinungen auseinandergehen, zeigt sich am unterschiedlichen Blick auf den „Boden“ und auf die Rolle institutioneller Nachfrage. In der Wochenumfrage, die am 16. Oktober veröffentlicht wurde, zweifelt Fawad Razaqzada von StoneX Bullion daran, dass der Boden bereits erreicht ist. Kurzfristig sei er leicht pessimistisch und wolle erst einen Ausbruch über eine Widerstandszone sehen; längerfristig bleibe er jedoch optimistisch. Daniel Pavilonis, Rohstoffbroker bei der StoneX Group, ordnet Gold zudem stärker als Gegenwette zur Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ein: Edelmetalle seien kein besonders guter Inflationsschutz, selbst der Krieg mit dem Iran habe Gold nicht auf neue Hochs getrieben. In einem solchen Rahmen kann ein Szenario mit weiter steigenden Renditen konkret werden: Bei Renditen von 8 Prozent hält er einen Rückgang auf 3.500 US-Dollar für denkbar. Damit wird klar, warum die Debatte weniger über die Richtung als über die Geschwindigkeit geführt wird.

Während Skeptiker also auf die Dauer des Gegenwinds schauen, setzen andere Analysten stärker auf Konsolidierung und darauf, dass Käufer Preisrücksetzer aktiv nutzen. Metals Focus erwartet für 2027 einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.330 US-Dollar. In der Argumentationslinie steht eine Konsolidierung statt eines Bärenmarkts: Institutionelle Käufer und Zentralbanken hätten um die 4.000-US-Dollar-Region einen Boden etabliert. Die Rally sollte demnach im vierten Quartal wieder einsetzen, auch wenn der anhaltende Konflikt den Zeitplan nach hinten verschiebe. In ähnlicher Richtung, aber mit eigenen Zahlen, senkte CIBC Capital Markets die Prognose für das vierte Quartal 2026 auf 4.500 US-Dollar und geht für 2027 im Schnitt von 5.200 US-Dollar aus. Als kurzfristige Hürden werden realen Zinsen und ein starker US-Dollar genannt – damit sind sich diese Häuser mit der Bank of America in der Diagnose im Kern einig. Der Unterschied entsteht im Zeithorizont: Die Bank of America knüpft den Boden an ein Ende des Straffungszyklus, Metals Focus rechnet nicht mit einer langen Serie restriktiver Schritte.

Für die Marktteilnehmer stellt sich damit die Frage, welche Daten jetzt besonders zählen – und warum manche Signale zeitlich „hinterherlaufen“. Kurzfristig sprechen mehrere Faktoren für Gegenwind: Die US-Inflation lag im September bei 3,7 Prozent, und die Fed hob die Zinsen im selben Monat um 25 Basispunkte an; bis Jahresende wird dem Markt zufolge mit einem weiteren Schritt gerechnet. Für 2027 sehen jedoch alle genannten Häuser den Goldpreis wieder über 4.000 US-Dollar, selbst die Bank of America. Am Mittwoch lag die Feinunze bei rund 4.117 US-Dollar. Interessant ist zugleich, dass dieselben Daten zwei Lager stützen: Die ETF-Bestände steigen und gelten den Bullen als Zeichen anhaltender Kaufbereitschaft. Heraeus gibt jedoch zu bedenken, dass ETF-Bestände Wendepunkte oft erst zeitverzögert widerspiegeln, weil Anleger zunächst Rücksetzer kaufen. Wenn sich die Erholung nicht bestätigt, droht dann der von der Bank of America beschriebene Abbau von Positionen.

Im Vorfeld der Fed-Entscheidung am 28. Oktober dürfte daher weniger die einzelne Meldung den Ausschlag geben, sondern die Erwartungskurve für Zinsen, Inflationserwartungen und den US-Dollar. In der Währungslogik wirken schon kleine Verschiebungen oft stärker als reale Änderungen in der physischen Nachfrage. Hinzu kommt das politische Risiko: Falls am Anleihemarkt Maßnahmen ergriffen werden und die Fed kurzfristig an der Zinsseite restriktiv bleibt oder faktisch niedrigere kurzfristige Zinsen zulässt, könnten Sorgen um eine Entwertung des US-Dollars wieder an Gewicht gewinnen. Genau in so einer Phase wird Gold oft zum „Schnellumschalter“ zwischen Zins- und Währungsstory. Für Anleger heißt das vor allem: Der Zeithorizont entscheidet über die Bewertung. Wer kurzfristig agiert, muss mit einer möglichen Unter- oder zumindest Grenzregion um 4.000 US-Dollar leben; wer längerfristig plant, findet in den genannten Prognosen und in den Signalreihen aus ETF- und Zentralbankdaten eine deutlich robustere Fundierung.


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