LONDON (IT BOLTWISE) – Der HERE-SBD EV Index 2026 ordnet Deutschland im europäischen Vergleich als besonders umstiegsbereit ein. Laut der Studie wächst die Übereinstimmung zwischen Ladeinfrastruktur und Verbrauchervertrauen spürbar, was die Kaufabsicht beschleunigt. Unter den Befragten geben 27 % der bisherigen Benzin- und Dieselfahrer an, dass ein E-Fahrzeug als nächstes Auto am wahrscheinlichsten ist. Gleichzeitig sinken die Sorgen rund um die Verfügbarkeit von Ladepunkten im Vergleich zu 2025. Entscheidend bleibt nun, ob Preise und einfache, verlässliche Ladevorgänge die letzte Hürde nehmen.

Deutschland scheint bei der Elektrifizierung seiner Mobilität in eine Phase zu rutschen, in der das Zusammenspiel aus Infrastruktur und Nutzererfahrung nicht mehr nur „nachholend“, sondern spürbar stabil wird. Genau dieses Muster greift der „HERE-SBD EV Index 2026“ auf, der Daten zum Reifegrad verschiedener Elektrofahrzeugmärkte mit einer Umfrage unter mehr als 4000 Autofahrern kombiniert. Die Studie sieht dabei nicht nur ein Wachstum der Ladeangebote, sondern eine zunehmende Annäherung zwischen dem, was unterwegs verfügbar ist, und dem, was Fahrerinnen und Fahrer dem System zutrauen.
Im deutschen Markt gleichen sich laut Bericht Ladeinfrastruktur und Verbrauchervertrauen zunehmend in dieselbe Richtung. Als zentrale Messgröße dient die Wahrnehmungslücke: Wo sie kleiner wird, nehmen die Bedingungen für den Umstieg zu. Beim Thema Kaufabsicht hebt die Analyse vor allem den Abschnitt „Wechselbereitschaft“ hervor: Unter den Befragten, die bislang Benzin- oder Dieselautos nutzen, geben 27 Prozent an, dass sie als nächstes Auto höchstwahrscheinlich ein Elektrofahrzeug kaufen oder leasen werden. Damit liegt Deutschland innerhalb der untersuchten Märkte bei diesem Wert vorn.
Für das Fundament nennt der Index konkrete Infrastrukturindikatoren. Das öffentliche Ladenetz in Deutschland umfasst aktuell mehr als 210.000 öffentliche Ladestationen, darunter über 55.000 Schnellladepunkte. Bei den Schnellladepunkten erreicht Deutschland im europäischen Vergleich die höchste Zahl unter den im Index bewerteten Ländern. Auch die verfügbare öffentliche Ladeleistung fällt in die Spitzenklasse: Sie liegt insgesamt um 48 Prozent höher als in jedem anderen europäischen Land im Index – Frankreich belegt dabei den zweiten Platz. Gleichzeitig ordnet die Studie Deutschland mit Österreich gemeinsam auf den sechsten Rang von 30 europäischen Märkten ein, hinter Norwegen und den Niederlanden, die sich den ersten Platz teilen. Die Begründung wirkt plausibel: Deutschland befindet sich laut Analyse in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Ladeinfrastruktur, verfügbarer Ladeleistung und Elektrofahrzeugdichte, erreicht aber noch nicht ganz den Reifegrad der führenden Märkte.
Dass mehr Angebot auch in weniger Barrieren übersetzt wird, zeigt der Blick auf die subjektive Fahrpraxis. Fast zwei Drittel (64 %) der deutschen E-Autobesitzer geben an, dass sie noch nie eine Fahrt aus Sorge um die Verfügbarkeit von Ladestationen vermieden haben – der höchste Wert unter den europäischen Umfrage-Märkten. Gleichzeitig differenziert der Bericht zwischen Besitzern und der breiteren Befragungsgruppe: Nur 39 Prozent aller deutschen Befragten bewerten die Verfügbarkeit öffentlicher Ladestationen vor Ort positiv; bei Elektroautobesitzern steigt dieser Anteil auf 59 Prozent. Auch bei der generellen Einstellungsänderung erkennt die Studie Dynamik: 54 Prozent der deutschen Befragten würden heute eher als noch vor einem Jahr den Kauf eines Elektroautos in Betracht ziehen.
Als Treiber dieser Verschiebung nennt der Index vor allem die Praxiswerte, die im Alltag spürbar sind. Bei den Befragten mit steigendem Interesse tauchen Verbesserungen bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit (37 %), steigende Kraftstoffkosten (34 %) sowie Verbesserungen bei Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur (34 %) am häufigsten als Gründe auf. Auf der Kosten- und Nutzenebene werden Betrieb und Preis-Leistungs-Verhältnis konkret: Niedrigere Betriebskosten (41 %), ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis (38 %), Umweltvorteile (37 %) und steuerliche Anreize (36 %) sind für die Wahl eines Elektrofahrzeugs laut Umfrage die wichtigsten Faktoren. Dabei bleibt auch klar, dass das Thema „Laden“ zwar weiterhin das größte Hindernis ist, die Bedenken aber sinken: In allen untersuchten Märkten wird die Verfügbarkeit von Ladepunkten am häufigsten genannt (40 %), und der Wert liegt im Vergleich zu 2025 um sieben Prozentpunkte niedriger.
Ganz ohne Baustellen bleibt die Analyse jedoch nicht. In Deutschland nennen die Befragten besonders häufig weiterhin die Reichweite (45 %), die Ladestationsdichte (40 %) und die Fahrzeugpreise (39 %) als relevante Bedenken. In den Aussagen der Studienvertreter spiegelt sich genau diese Balance aus Erfolg und verbleibender Hürde: Robert Fisher, Senior Consulting Manager bei SBD Automotive, sagt: „Das Land profitiert von einem ausgereiften Ladeökosystem und wachsendem Vertrauen der Verbraucher: innen, was günstige Bedingungen für den Umstieg auf Elektrofahrzeuge schafft. Zwar gibt es nach wie vor Herausforderungen, insbesondere hinsichtlich der Erschwinglichkeit und Praxiseinschätzungen, doch ist die allgemeine Entwicklung eindeutig positiv.“ HERE Technologies betont parallel die Erwartung an einen verlässlichen Ladevorgang; Denise Doyle, Chief Product Officer bei HERE Technologies, formuliert: „Der deutsche Markt für Elektrofahrzeuge wird zunehmend von Vertrauen geprägt. Autofahrer: innen möchten sicher sein, dass Ladestationen verfügbar, zuverlässig und einfach in ihre täglichen Fahrten integrierbar sind.“ Für die nächste Phase der deutschen E-Mobilitätswende leitet der Index daraus ab, dass es weniger um ein reines Interesse geht, sondern stärker um die Überzeugung durch adäquate Preise sowie einfache und verlässliche Ladevorgänge.
Für Unternehmen, die im Umfeld von Elektromobilität, Ladeinfrastruktur oder Fahrzeugflotten-Services arbeiten, liest sich daraus eine klare Priorisierung. Wenn Kaufabsicht bereits zu den höchsten Werten im Index gehört, verlagert sich der Wettbewerb weg von der reinen Markteinführung hin zu Umsetzungsthemen: Verfügbarkeit im Alltag, Robustheit der Ladeketten und ein messbarer Beitrag zur Gesamtbetriebskosten-Story. Gleichzeitig bleibt die politische und wirtschaftliche Dimension über Fahrzeugpreise und Anreizmechanismen präsent, weil die Umfrage hier weiterhin die größten Preissignale liefert. Der Index legt damit nicht nur einen Statusbericht vor, sondern auch einen Hinweis, welche Stellhebel im Jahr 2026 am ehesten kurzfristig entscheiden könnten: weniger „Ob“, mehr „Wie reibungslos“ – und zu welchen Gesamtkosten.
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