HO-CHI-MINH-STADT / LONDON (IT BOLTWISE) – Ho-Chi-Minh-Stadt will in den nächsten Jahren Wissenschaft, Technologie, Innovation und digitale Transformation stärker als Wachstumshebel verankern. Der Plan zielt dabei nicht nur auf bessere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch auf den Ausbau startup-freundlicher Strukturen. Für den Zeitraum bis 2030 sind unter anderem 5.000 innovative Startups sowie mehrere Zentren für angewandte Forschung vorgesehen. Gleichzeitig bleibt laut Angaben der Stadt vor allem der Zugang zu Kapital ein Engpass für Gründer.

Im Hightech-Park von Ho-Chi-Minh-Stadt geht es längst nicht mehr nur um einzelne Leuchtturmprojekte, sondern um ein planvolles Ökosystem: Die Stadt betrachtet Wissenschaft, Technologie, Innovation und digitale Transformation als „neue Wachstumstreiber“ und rückt diese Themen zunehmend in das Zentrum ihres Entwicklungsmodells. Laut dem Wissenschafts- und Technologieamt der Stadt soll die Ausrichtung die Basis für höhere Produktivität schaffen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Damit folgt Ho-Chi-Minh-Stadt einer Logik, die man in vielen Startup-Regionen kennt: Ohne ausbalancierte Infrastruktur, nachhaltige Investitionspfade und eine funktionierende Transferkette zwischen Forschung und Markt bleibt das Wachstumspotenzial fragmentiert.
Dass es trotzdem Rückstände gibt, wird in den Zahlen deutlich, die der Text ebenfalls nennt: Landesweit überleben nur rund 10 % der Startups die ersten fünf Jahre, und lediglich 3 % gelten als wirklich erfolgreich. Die Stadt adressiert dabei mehrere Problemfelder gleichzeitig – Kapitalmangel, Lücken bei Personal und Institutionen, zähe Verwaltungsverfahren sowie Defizite bei Infrastruktur und Unterstützung. Besonders der Zugang zu Investitionskapital gilt als größte Hürde, weil digitale Transformation, Innovation und technische Entwicklung langfristige Finanzierung brauchen, während Kredite für viele frühe Projekte schwer erreichbar sind. Genau an dieser Stelle wird der Unterschied zwischen „Startup-Story“ und Startup-Industrie sichtbar: Der Markt belohnt nicht nur Ideen, sondern vor allem die Fähigkeit, über mehrere Entwicklungsrunden hinweg finanziell durchzuhalten.
Konsequenterweise setzt Ho-Chi-Minh-Stadt deshalb auf konkrete politische und wirtschaftliche Hebel. Gefordert werden klare Steueranreize für Startups sowie ein Abbau administrativer Hürden, damit Unternehmen schneller Marktzugang erhalten. Dazu sollen Investitionen in startup-freundliche Infrastruktur koordiniert werden, etwa über Coworking-Spaces, öffentlich-private Investmentfonds und digitale Technologieplattformen. Daneben betont der Text die Notwendigkeit, die Verbindungen zwischen Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten zu stärken – denn gerade digitale Technologien entstehen selten „aus dem Nichts“, sondern aus wiederholbaren Prototypen, Datenzugängen und anwendungsnahen Forschungskooperationen.
Der Maßnahmenrahmen ist zudem zeitlich verdichtet: Ho-Chi-Minh-Stadt verweist auf den Umsetzungsplan zum Aktionsprogramm Nr. 63-CTrHĐ/TU des Parteikomitees vom 27. Februar 2025, der die Resolution Nr. 57-NQ/TW vom 22. Dezember 2024 aufgreift. Bis 2030 sollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) auf 2 % des BIP steigen; mindestens 3 % des jährlichen Gesamtbudgets sollen für Wissenschaft, Technologie, Innovation und die digitale Transformation bereitgestellt werden. Parallel verfolgt die Stadt ein Set an messbaren Zielgrößen: 5.000 innovative Startups, mindestens fünf Zentren für angewandte Forschung und Innovation (CoE), gefördert werden sollen außerdem 5–10 größere Technologieunternehmen. Auch Human Capital bekommt eine harte Kennzahl: Eine Personalbasis von 12 Personen pro 10.000 Einwohner für wissenschaftliche Forschung, Technologieentwicklung und Innovation soll aufgebaut werden.
Spannend für Technologie-Entscheider ist dabei weniger die Vision als die konkrete Technologie-„Roadmap“ im Hintergrund. Der Text nennt strategische Technologien und digitale Technologien, die schrittweise ausgebaut werden sollen, darunter Künstliche Intelligenz, IoT, Big Data, Cloud Computing, Blockchain, Halbleiterchips sowie 5G- und 6G-Mobilkommunikation, ergänzt um Satellitenkommunikation und weitere neue Technologien. Der Fokus liegt nicht nur auf einzelnen Tools, sondern auf Infrastrukturaspekten wie Computerinfrastruktur, Telekommunikationsinfrastruktur und Rechenzentrumsinfrastruktur – also auf den Voraussetzungen, die datenintensive KI- und IoT-Projekte praktisch überhaupt erst skalierbar machen. In der Logik des Plans wird daraus eine „intelligente Stadt“: Die digitale Infrastruktur soll so weit entwickelt werden, dass sie als Plattform für Innovationen dienen kann, statt nur als autonomes Bauprojekt zu enden.
Operativ werden außerdem geistiges Eigentum und Finanzierungssysteme adressiert. Der amtierende Leiter der Abteilung für geistiges Eigentum und Innovationsmanagement des Wissenschafts- und Technologieministeriums nennt Ho-Chi-Minh-Stadt in Südostasien als drittplatziert beim Wert des Startup-Ökosystems – mit einer wirtschaftlichen Auswirkung von bis zu 5,22 Milliarden US-Dollar, nach Singapur und Jakarta. Darüber hinaus arbeitet die Stadt an einem Programm zur Entwicklung des geistigen Eigentums für 2025 bis 2030 und an einem Pilotprojekt für Mechanismen und Richtlinien zur Förderung des Ho Chi Minh City Innovation Startup Center. Ergänzend soll ein Risikokapitalfonds für Innovations-Startups, Technologie-Inkubation und digitale Transformation eingerichtet werden – ein Baustein, der gerade für Deep-Tech und KI-Entwicklung relevant ist, weil frühe Proof-of-Concept-Phasen oft deutlich länger dauern als in klassischen Software-Projekten.
Auch die Zieldefinition für Wirkung und Tempo ist ambitioniert: Die Stadt will die Anzahl internationaler wissenschaftlicher Veröffentlichungen im Schnitt um 10 % pro Jahr steigern, die Patentanmeldungen und Patentschutzzertifikate um durchschnittlich 16–18 % pro Jahr erhöhen und eine Kommerzialisierungsrate von 8–10 % der Ergebnisse aus Forschung, Technologieentwicklung und Innovation erreichen. Für Unternehmen bedeutet das: Kooperationen mit Universitäten und Forschungsinstituten werden nicht nur „optional“, sondern Teil einer messbaren Erfolgsrechnung. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie schnell sich die beschriebenen Reformen in den konkreten Verwaltungs- und Finanzierungsprozessen niederschlagen – doch der Ansatz ist klar: Ho-Chi-Minh-Stadt versucht, aus dem vorhandenen Ökosystem eine planbare Pipeline zu machen, in der KI- und digitale Technologien die nächste Stufe der Wertschöpfung antreiben können.
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