LONDON (IT BOLTWISE) – Intel meldet im zweiten Quartal deutlich höhere Zahlen als erwartet: Umsatz 16,13 Milliarden US-Dollar und ein Gewinn je Aktie von 0,42 US-Dollar. Trotzdem rutscht die Aktie im US-Handel ab, weil die Foundry-Sparte operativ mit 2,09 Milliarden US-Dollar im Minus bleibt. Während Client und Data Center and AI kräftig wachsen, bleibt der Anteil externer Kunden in der Auftragsfertigung gering. Parallel treiben die Chipplaner EMIB-T- und 14A-Meilensteine voran und erhöhen ihre Investitionsschätzung auf 20 Milliarden US-Dollar.

Intel trotz Umsatz-Überraschung: Foundry-Sparte mit 2,09 Mrd. US-Dollar Verlust
Intel trotz Umsatz-Überraschung: Foundry-Sparte mit 2,09 Mrd. US-Dollar Verlust (Foto: IT BOLTWISE)
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Intel hat die Erwartungen im zweiten Quartal zwar sichtbar übertroffen, aber genau diese Diskrepanz zwischen Ergebnis und Aktienreaktion macht die Lage derzeit so spannend: Der Chipkonzern steigerte den Umsatz auf 16,13 Milliarden US-Dollar und lag damit fast zwölf Prozent über dem, was Analysten zuvor eingepreist hatten. Auch beim Gewinn je Aktie kam es zu einem klaren Upside: 0,42 US-Dollar entsprachen laut Meldung einem Wert, der doppelt so hoch ausfiel wie prognostiziert. An der Börse wirkte das trotzdem nicht als Beruhigung, denn das Sentiment kippte, nachdem Anleger die Segmentdetails genauer unter die Lupe nahmen.

Im operativen Gesamtbild fällt das Wachstum differenziert aus. Das Client-Geschäft legte um 13 Prozent auf 8,88 Milliarden US-Dollar zu, und die Sparte Data Center and AI (DCAI) wuchs sogar um 59 Prozent auf 6,26 Milliarden US-Dollar. Für Intel ist das wichtig, weil der Data-Center-Teil typischerweise die Grundlage für Skalierung und höhere Deckungsbeiträge schafft. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Foundry-Sparte das eigentliche Sorgenkind: Der Umsatz stieg zwar um 31 Prozent auf 5,77 Milliarden US-Dollar, doch auf der Ergebnisseite stand ein operativer Verlust von 2,09 Milliarden US-Dollar bei einer Marge von minus 36 Prozent. Besonders aussagekräftig ist die Kundenstruktur innerhalb dieses Segments: Von 5,77 Milliarden US-Dollar stammen lediglich 293 Millionen US-Dollar, also gut fünf Prozent, von externen Kunden. Damit wirkt Intels Auftragsfertigung noch wie eine frühe Phase eines zu etablierenden Geschäftsmodells, nicht wie ein voll ausgereifter Skalierungshebel.

Auch wenn die Aktie kurzfristig nervös reagiert, signalisiert Intel über konkrete Projektzahlen und operative Steuerungsgrößen zugleich eine gewisse Stabilisierung. CEO Lip-Bu Tan sprach davon, dass das Unternehmen das stärkste Umsatzwachstum seit 15 Jahren erreicht habe und verwies dabei auf ein Servergeschäft, das schneller wächst als zuvor. Für die Produktion nennt Intel außerdem eine Verbesserung in der Kapitalbindung: Der Lagerbestand sank von 137 auf 118 Tage. In der Praxis ist das mehr als nur eine Bilanzzahl, weil niedrigere Lagerreichweiten häufig darauf hindeuten, dass Planung, Output und Nachfrageabgleich enger zusammenlaufen. Für das dritte Quartal stellt Intel zudem einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 0,38 US-Dollar in Aussicht, beides oberhalb des bisherigen Analystenkonsenses. Die operative Marge verbesserte sich im zweiten Quartal auf 11,1 Prozent nach minus 24,7 Prozent im Vorjahresquartal.

Der Markt achtet allerdings stark darauf, wie Intel die nächsten Fertigungsschritte finanziert und mit welcher Geschwindigkeit aus Pilotprojekten belastbare Serien werden. Die Investitionsplanung für das laufende Jahr erhöhte Intel auf 20 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig sanken die liquiden Mittel durch die Übernahme des irischen Joint Ventures um 14,2 Milliarden US-Dollar auf 29,73 Milliarden US-Dollar; parallel stieg die Verschuldung um 8,5 Prozent auf 50,54 Milliarden US-Dollar. In einer Foundry-Strategie sind genau solche Parameter entscheidend, weil Engpässe in Kapazität, Yield und Verpackungstiefe häufig zu weiteren Anlaufkosten führen. Hinzu kommt: Bei Intel wachsen nicht nur die Stückzahlen, sondern auch die Komplexität der Fertigungs- und Packaging-Ketten, etwa über EMIB-T, Interconnect-Ansätze oder neue Prozessknoten. Das erhöht den Druck, Fortschritte in der Ausbeute in Richtung wirtschaftliche Auslieferung zu überführen.

Am stärksten wurde das Thema offenbar in der Gerüchte- und Erwartungsschiene befeuert, bevor die Zahlen überhaupt ihre volle Wirkung entfalten konnten. Berichten zufolge soll Google bei Intel Foundry für 2028 mehr als drei Millionen KI-Chips (TPUs) bestellt haben. Zudem wurde diskutiert, dass Nvidia die 18A-Fertigungstechnologie von Intel testen könnte, um anschließend einen Mehrchip-Prozessor für die Feynman-Plattform 2028 vorzubereiten. Tesla soll wiederum den 14A-Prozess von Intel für eine sogenannte Terafab nutzen wollen. Intel selbst äußerte sich zu diesen Berichten nicht. Technisch wäre an solchen Signalen vor allem interessant, dass KI-Beschleuniger typischerweise sehr hohe Anforderungen an Kosten pro Wafer, Taktrate und zuverlässige Packaging- und Interconnect-Lösungen stellen. Für die Marktteilnehmer verschiebt sich damit die Frage vom reinen „Roadmap-Versprechen“ hin zur Realität: Werden externe Volumina früh genug sichtbar, um die Foundry-Verluste zu dämpfen?

Auch die interne Umsetzung deutet darauf hin, dass Intel die kommenden Knoten nicht nur ankündigt, sondern operationalisiert. In Ohio soll die 14A-Produktion bis 2031 an den Start gehen; dafür zahlt der Konzern laut Angaben Überstundenzuschläge an die Belegschaft. Parallel nähert sich die Ausbeute der EMIB-T-Verpackungstechnologie bereits einer Größenordnung von 90 Prozent, während die Substrat-Ausbeute erst bei rund 50 Prozent liegt. Diese Differenz ist technologisch plausibel, weil einzelne Schritte der Verpackungskette oft unterschiedlich stark in die Yield-Kurve eingreifen: Selbst wenn ein Teilprozess stabil läuft, kann ein nachgelagerter Schritt den Gesamtausstoß bremsen. Intel bewirbt EMIB-T als rund 50 Prozent günstiger als das konkurrierende CoWoS-Verfahren; die Massenproduktion soll ab 2027 anlaufen. Zudem arbeitet Intel an seiner Fertigungsstrategie über eine sogenannte Bottleneck-Strategie, in der CEO Lip-Bu Tan Engineering-Teams direkt führt und sich auf Engpässe wie Interconnect-Lösungen, optische Signalübertragung und Spannungswandlung fokussiert.

Am Ende bleibt die Anlegerlogik eine Abwägung aus Fortschritt und Verlustrisiko. Zwar verbessert Intel die operative Marge, senkt Lagerbestände und erhöht die Erwartungen für das dritte Quartal. Gleichzeitig zeigt die Foundry-Sparte mit 2,09 Milliarden US-Dollar operativem Verlust, dass die Skalierungsphase noch nicht erreicht ist und die externe Kundenbasis mit gut fünf Prozent erst am Anfang steht. Dieser Spagat prägt offenbar das Kursbild: Nach den Quartalszahlen setzte Nervosität ein, und auf Monatssicht steht ein Minus von fast 30 Prozent zu Buche, während vom 52-Wochen-Hoch von 124,58 Euro aus Ende Juni rund 37 Prozent fehlen. Wer Intels KI- und Foundry-Pipeline bewertet, muss deshalb zwei Zeitachsen zusammenbringen: einerseits die Beschleunigung im Data-Center- und Serverbereich, andererseits die Industrialisierung von Packaging und Prozessknoten, die bei Yield, Kosten und Kapazitätsauslastung erst die wirtschaftliche Wirkung entfalten. Für Unternehmen und Entwickler ist das vor allem dann relevant, wenn externe Foundry-Volumina und KI-Nachfrage tatsächlich zu wiederholbaren Lieferzyklen führen – dann wird aus Roadmap-Arbeit ein planbarer Technologiepfad.


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