LONDON (IT BOLTWISE) – Der Lazard-Fondsmanager Bertrand Cliquet stellt sich bewusst gegen den KI-Hype und fokussiert Infrastrukturwerte mit regulierten Geschäftsmodellen. Über die Hälfte seines rund 12 Milliarden US-Dollar schweren Portfolios liegt in Europa, vor allem in Großbritannien. Nur gut ein Viertel entfällt auf die USA, wo er in vielen Telefonaten stark KI- und Rechenzentrums-getrieben hört. Entscheidend ist für ihn der Zinspfad und die Frage, ob europäische Investitionstreiber über Jahre tragen.

In vielen Marktkommentaren steht derzeit Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt: Rechenzentren sollen gebaut, die Stromnachfrage steigt, und damit wirken Infrastrukturinvestitionen plötzlich wie eine KI-Spillover-Story. Der Lazard-Fondsmanager Bertrand Cliquet dreht das Narrativ um. Statt die Infrastruktur als reine Nebenwette auf den Rechenzentrums-Boom zu betrachten, setzt er auf Versorger, Verkehrs- und Funkmastbetreiber mit regulierten oder vertraglich abgesicherten Zahlungsströmen. Genau diese Logik soll laut seinem Ansatz als Puffer funktionieren, der zwischen dem Risiko von Aktien und der Stabilität von Anleihen vermittelt.
Sein Kernargument lautet, dass Unternehmen mit Regulierung und Konzessionen langfristig planbare Cashflows sichern können. Damit rückt weniger die Schlagzeile „KI“ in den Fokus, sondern die Frage, wie verlässlich sich Umsätze und Investitionen über mehrere Jahre planen lassen. Cliquet steuert dabei das Lazard Global Listed Infrastructure Portfolio mit rund 12 Milliarden US-Dollar, ergänzt um einen ähnlichen Fonds sowie einen jüngeren Infrastruktur-ETF. Der Blick geht also nicht nur auf Einzelunternehmen, sondern auf die Portfoliokonstruktion: risikoärmere Geschäftsmodelle sollen Renditen liefern und zugleich den Kapitalerhalt unterstützen.
Geografisch spiegelt sich diese Haltung in einer klaren Gewichtung wider: Rund die Hälfte des Portfolios liegt in Europa, nur gut ein Viertel in den USA. In Europa und Großbritannien sucht Cliquet besonders Betreiber, deren Geschäftslogik stark an Verkehrsinfrastruktur gekoppelt ist, etwa über Mautstraßen und entsprechende Netze. Bei Unternehmen wie Ferrovial und VINCI wird die These greifbar, dass Infrastruktur nicht nur „irgendwann“ wächst, sondern häufig über Genehmigungen, Konzessionslaufzeiten und wiederkehrende Nachfragetreiber strukturell gestützt bleibt. Gleichzeitig betont er den Kontrast, den er in den Telefonkonferenzen regulierter US-Versorger wahrnimmt: Dort drehe sich vieles um KI und Rechenzentren, während er in Europa aus seiner Sicht ein überzeugenderes Bündel an langfristigen Treibern entdeckt.
Technisch und gesellschaftlich betrachtet lässt sich die europäische Argumentation mit dem Infrastrukturbedarf der Energiewende verbinden. Cliquet stellt dabei vor allem die Zeitachse heraus: Energiewende-Investitionen hätten seit Beginn des Ukraine-Kriegs an Bedeutung gewonnen. Ergänzend wirken sich wiederkehrende Dürren auf Versorger aus, wodurch hohe Investitionen in Wasserwirtschaft und Entsalzung erforderlich werden. Solche Projekte seien seiner Darstellung nach nicht auf kurzfristige Zyklen begrenzt, sondern über mehr als fünf Jahre wirksam. Rechenzentren dagegen bezeichnet er als „Sahnehäubchen“ – also als Faktor, der zwar Kapitalbindung auslöst, aber nicht die Basis für die gesamte Fundament-These liefert.
Bei den Einzelpositionen wird die Strategie dann konkret. National Grid zählt zu den wichtigsten Beteiligungen: Der britische Strom- und Gasnetzbetreiber erwirtschaftet laut Beschreibung rund 45 Prozent seines Geschäfts in den USA. Cliquet hebt den Netzausbau hervor, der auf den Umbau des britischen Netzes abzielt, um Windkraft aus der Nordsee anzubinden; außerdem sieht er das Unternehmen in seinen US-Regionen als ausgesprochen effizient aufgestellt. Auch Exelon kommt in seinem Bild vor: Er lobt zuverlässige Netze bei vergleichsweise günstigen Tarifen und einen vorsichtigen Umgang mit Rechenzentren. Gerade dort, so die Kernidee, müssten Betreiber ausreichend Sicherheiten hinterlegen, etwa über Sicherungsvereinbarungen, wenn große Stromanschlüsse für Rechenzentren bereitgestellt werden sollen.
Neben Strom- und Gasversorgern ergänzt Cliquet sein Setup mit Funkmastbetreibern wie American Tower und Crown Castle. Diese Werte standen aus historischer Sicht zeitweise im Rampenlicht, weil hohe Wachstumsfantasien und Bewertungen Käufer anzogen. Später drückten gestiegene Zinsen die Kurse – und damit veränderte sich der Bewertungsrahmen für die Branche. Cliquet hält die Perspektiven jedoch weiterhin für solide: Die Türme seien eine effiziente Ergänzung zur Satellitentechnik und bildeten eine günstige Grundlage für Dienste wie den 5G-Mobilfunk. Wichtig ist dabei: Er sieht kein reines Entweder-oder zwischen Mobilfunk-Infrastruktur und KI-basierten Anwendungen, sondern eine Rolle der Funknetze als verlässliche physische Basis, während die stärkere Nachfragedynamik letztlich über verschiedene Kommunikations- und Datenlasten verteilt entsteht.
Für Anleger und Entscheider stellt sich damit weniger die Frage, ob Künstliche Intelligenz „kommt“, sondern wie der Zinspfad die Bewertungslogik von Infrastruktur beeinflusst. Cliquets Wette soll sich weniger am KI-Zyklus entscheiden als an zwei Faktoren: erstens an der Zinslast und zweitens daran, ob die europäischen Treiber tatsächlich über Jahre hinweg tragen. Ein praktischer Prüfstein sind für ihn die kommenden Quartalsberichte der regulierten Versorger und der Funkmastbetreiber, in denen sich Investitionstempo und die konkrete Belastung durch Zinsumfeld und Finanzierung sichtbar machen. Wenn Unternehmen dort planbar investieren und zugleich ihre regulatorischen Rahmenbedingungen stabil bleiben, wird aus der Infrastruktur-These mehr als ein kurzfristiger Hype – und genau darauf zielt sein Ansatz.
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