LISSABON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die portugiesische Regierung hat der Lufthansa den Zuschlag für 44,9 Prozent an TAP Air Portugal erteilt. Für den Einstieg zahlt der Konzern 1,2 Milliarden Euro, während der Rest zunächst bei der Staatsholding Parpública bleibt und bis 2028 verkauft werden soll. Air France-KLM ist damit aus dem Bieterrennen ausgeschieden. Gleichzeitig laufen wegen Marktkonzentration auf den Südatlantik-Routen und der Flughafenlage in Lissabon nun die EU-Kartellprüfungen.

Mit dem Zuschlag aus Lissabon rückt ein komplexes Thema in die heiße Phase: die Lufthansa will den Zugang zum Südatlantik über eine Beteiligung an TAP Air Portugal absichern. Der Ministerpräsident Luís Montenegro machte den Beschluss nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung bekannt und setzte damit einen monatelangen Bieterwettstreit in Richtung Entscheidung fort. Air France-KLM schied aus dem Rennen aus, während die Lufthansa nun die 44,9 Prozent der Stimmrechte übernimmt – ein Anteil, der strategisch bereits Wirkung entfalten soll, wirtschaftlich aber noch nicht die volle Kontrolle bedeutet.
Finanziell handelt es sich nicht um ein „Schnäppchen“. Für das Paket von 44,9 Prozent zahlt die Lufthansa 1,2 Milliarden Euro. Zusätzlich ist ein Block von fünf Prozent für die Belegschaft reserviert; die verbleibenden 50,1 Prozent bleiben zunächst bei der Staatsholding Parpública. Erst in einer zweiten Phase bis 2028 soll auch dieser Anteil übertragen werden, wobei für eine Mehrheit nach Angaben der WirtschaftsWoche weitere 1,351 Milliarden Euro fällig werden könnten. Der Unterschied zur vorherigen Schätzung ist dabei erheblich: Die frühere Bewertung von TAP mit rund 1,5 Milliarden Euro für 44,9 Prozent (bei einem Ausgangswert von etwa 700 Millionen Euro) lag deutlich daneben.
Entscheidend war dabei nicht nur der Preis, sondern auch die Ausgestaltung des Angebots. Laut Quelle setzte die Lufthansa auf „reine Liquidität“ und gab damit ein Barangebot, das sich von den Offerten von Air France-KLM unterschied, die Bargeld und eigene Aktien verbanden. Die Staatsholding Parpública habe nach dem Text das Kursrisiko gescheut und daher das Lufthansa-Angebot bevorzugt, das rund 14 Prozent höher lag. Damit wird ein Muster sichtbar, das in Unternehmensakquisitionen häufig unterschätzt wird: Gerade in politisch sensiblen Beteiligungen wirken Bilanz- und Bewertungsrisiken oft stärker als reine Schlagzeilenzahlen, weil sie den Spielraum für spätere Integrationsschritte beeinflussen.
Operativ sollen die Bedingungen aus Portugal die Beteiligung in Richtung Wachstum lenken. Die Lufthansa plant, ihre Flotte von derzeit 101 Flugzeugen bis 2035 auf 117 zu erweitern; sobald der neue Großflughafen in Lissabon eröffnet ist, soll es sogar auf 130 Maschinen hinauslaufen. Parallel soll der Standort von Lufthansa Technik in Santa Maria da Feira bei Porto deutlich wachsen: Die Zahl der Arbeitsplätze dort soll von 500 auf mehr als 1.000 steigen. Insgesamt nennt die Quelle ein Investitionspaket, das langfristig auf bis zu vier Milliarden Euro anwachsen könnte. Für Lissabon ist das wirtschaftlich ein klarer Stimulus: Der gescheiterte Privatisierungsversuch 2015 brachte TAP hingegen nur mit rund 379 Millionen Euro in die Diskussion, sodass der heutige Preis nach Textangabe fast einer Versechsfachung binnen zehn Jahren entspricht.
Strategisch geht es der Lufthansa laut Quelle um die Ausrichtung auf den Südatlantik und die dortige Marktpositionierung. Carsten Spohr betont den Nutzen für die Route nachhaltig: TAP liefere als Partner bereits eine starke Basis, und die Airline bleibt in der Star Alliance statt in SkyTeam zu wechseln. Zahlen aus der Quelle ordnen die Ausgangslage ein: IAG mit Iberia und British Airways erreicht zwischen Europa und Lateinamerika rund 20 Prozent Marktanteil, Air France-KLM etwa 17 Prozent, während die Lufthansa-Gruppe bisher nur rund neun Prozent aufbringt. Mit einer Mehrheit an TAP würde sich dieser Anteil auf knapp 20 Prozent annähern. Zusammen mit der italienischen ITA Airways, an der die Lufthansa 41 Prozent hält und die auf 90 Prozent aufgestockt werden soll, würde der Konzern laut Text mit IAG gleichziehen und Air France-KLM hinter sich lassen; TAP wäre dabei die sechste Netzwerkairline im Konzernverbund.
Bis zum endgültigen Vollzug ist jedoch noch Zeit, und damit auch Unsicherheit. Wegen drohender Marktkonzentration auf den Südatlantik-Routen sowie der Engpässe am Flughafen Lissabon steht eine lange Prüfung durch die EU-Kartellbehörde an. Die portugiesische Regierung rechnet offiziell mit 18 bis 24 Monaten, daher wird der Abschluss erst für 2028 erwartet. Auch Moody’s hatte laut Quelle bereits im Juli auf die Komplexität des Einstiegs hingewiesen und von mehreren Jahren gesprochen. Parallel können Gewerkschaften bremsen: Die portugiesische Pilotengewerkschaft SPAC habe schon vor der Privatisierung Vorbehalte geäußert. Spohr verweist darauf, dass die SPAC eng mit der deutschen Pilotenvereinigung verbunden sei, während die anderen Gewerkschaften bei TAP nach Aussage des Lufthansa-Managements die Pläne konstruktiv begleiten sollen.
Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild aus Strategie und Risiko. Die Lufthansa nennt den Preis selbst „hoch“, stellt aber strategische Passung, Glaubwürdigkeit des Partners und Synergien in den Mittelpunkt. CCO Dieter Vranckx wird mit den Worten zitiert: „Für die Lufthansa ist der Einstieg teuer, strategisch aber schlüssig.“ Gleichzeitig gilt: Ein Mehrheitseinstieg ist laut Text ausdrücklich noch nicht sicher. Rechnet man den Einstieg in Höhe von 1,2 Milliarden Euro plus mögliche weitere 1,351 Milliarden Euro für den Rest und dazu das Investitionsprogramm von bis zu vier Milliarden Euro zusammen, entsteht eine Größenordnung von rund 2,5 Milliarden Euro für den Beteiligungsteil und ein deutlich darüber hinausgehender Kapitaleinsatz für die Umsetzung. Der Hebel liegt damit auf Synergien, die sich erst nach 2028 vollständig entfalten – und auf Auflagen, die im Zuge der EU-Prüfung oder durch Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretungen entstehen könnten.
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