LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue „Mankeeping“-Skala soll messen, wie stark Frauen unbezahte emotionale Arbeit leisten, um den sozialen Rückzug ihrer männlichen Partner abzufedern. Die Studie wurde in einer Fachzeitschrift veröffentlicht und operationalisiert dabei die Effekte kleiner werdender Freundeskreise auf Beziehungserleben. In Tests mit 797 Teilnehmenden korrelieren hohe Mankeeping-Werte deutlich mit geringerer Beziehungszufriedenheit sowie mit mehr Belastung und psychischem Stress. Zusätzlich zeigt die Auswertung, dass vor allem aktive Bewältigungsstrategien, nicht nur die Wahrnehmung fehlender Freunde, mit schlechterer psychischer Gesundheit zusammenhängen.

„Mankeeping“-Skala misst unbezahte emotionale Arbeit und ihre Folgen
„Mankeeping“-Skala misst unbezahte emotionale Arbeit und ihre Folgen (Foto: IT BOLTWISE)
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„Mankeeping“ beschreibt ein Muster, das in vielen heterosexuellen Beziehungen eher als private Alltagsorganisation sichtbar wird denn als eigenes Forschungsthema: Frauen bemühen sich gezielt darum, den abnehmenden Freundeskreis ihres Partners zu kompensieren. Neu ist dabei vor allem die Messbarkeit. Die im Journal Sex Roles veröffentlichte Arbeit stellt eine psychologische Skala vor, mit der sich erfassen lässt, welche Formen emotionaler und sozialer „Auffangarbeit“ Frauen übernehmen, um Vereinsamung vorzubeugen. Die Autoren koppeln den Begriff dabei eng an die gesellschaftliche Realität, dass Männer in vielen Altersgruppen weniger enge Freundschaften pflegen und damit häufiger von sozialer Isolation betroffen sind.

Technisch betrachtet setzt die Studie bei der Operationalisierung eines theoretischen Konstrukts an: Der männliche Freundschaftsrückgang wird als Ausgangslage beschrieben, während „Mankeeping“ den damit verbundenen Belastungstransfer erklärt. Praktisch kann das bedeuten, dass Frauen Social-Events organisieren, ihren Partner motivieren, wieder Kontakt zu alten Freunden aufzunehmen, oder die emotionale Stütze der Beziehung als primäre oder sogar alleinige Ressource übernehmen. Gerade diese „unreziproke“ Logik ist der Kern, den die Skala abbilden soll: Nicht die bloße Einschätzung, dass die sozialen Kontakte des Partners begrenzt sind, steht im Mittelpunkt, sondern das Verhalten und die emotionale Konsequenz, die daraus für die Partnerin entsteht.

Der methodische Schwerpunkt liegt in der Erstellung eines standardisierten Fragebogens. Zunächst entwarfen die Forschenden eine große Sammlung möglicher Items auf Basis der mankeepingbezogenen Theorie und testeten sie dann mit 402 Frauen in den USA. Alle Teilnehmenden waren seit mindestens sechs Monaten in einer heterosexuellen Beziehung; sie bewerteten 62 potenzielle Aussagen auf einer siebenstufigen Skala. Parallel füllten sie etablierte Instrumente zu Depression, Angst, Stress, Beziehungs-Burnout, Beziehungslast (relationship burden) und zur allgemeinen Beziehungszufriedenheit aus. Aus den Antworten verdichtete ein statistischer Prozess die Items: Am Ende blieben 46 Fragen übrig, die sich auf sechs Kategorien verteilen. Diese Kategorien decken sowohl tatsächliche Verhaltensweisen als auch emotionale Auswirkungen ab, inklusive der Vorstellung, dass die emotionale Unterstützung häufig ungleich verteilt oder nicht ausreichend wertgeschätzt wird. Drei weitere Faktoren beziehen sich stärker auf die Bewertung des sozialen Status des Partners, den Wunsch, dass der Partner seine Freundschaften ausbaut, und den Grad der emotionalen Abhängigkeit vom weiblichen Gegenüber.

Die Ergebnisse liefern dann den erwartbaren „Messwert“-Charakter der Skala: Höhere Werte in den mankeeping-Dimensionen hängen klar mit weniger Beziehungszufriedenheit zusammen und gehen mit höherer Beziehungslast sowie höherem Burnout einher. Zudem korrelierten fünf der sechs Dimensionen positiv mit selbst berichteten Symptomen von Depression, Angst und Stress. Auffällig ist dabei die Differenz zwischen Wahrnehmung und Handlung: Es zeigte sich, dass allein die Einschätzung, der Partner habe keine Freunde, nicht besonders stark mit psychischem Stress verknüpft war. Erst die aktiven Bewältigungsstrategien und die daraus resultierende emotionale Belastung standen mit schlechterer psychischer Gesundheit in Verbindung. Auch ein weiterer Kontextfaktor wird adressiert: Frauen, die stärker traditionelle Rollenbilder vertreten, berichten häufiger von mankeeping-ähnlichen Aktivitäten.

Damit die Skala über einzelne Stichproben hinaus sinnvoll bleibt, prüfte das Team die Übertragbarkeit. Dazu wurden die 46 Items einer zweiten Gruppe von 395 cisgeschlechtlichen Frauen in Großbritannien vorgelegt, wieder mit romantischer Partnerschaft. Die statistischen Analysen bestätigten, dass sich die ursprünglich definierte Sechs-Kategorien-Struktur auch im UK-Datensatz genauso gut abbilden lässt; die Forschenden sprechen hier von Messinvarianz. Für den praktischen Einsatz ist das besonders relevant, weil Fragebögen in Forschung und Klinik schnell zu lang werden. Deshalb entwickelten die Autoren zusätzlich eine Kurzform: Sie kombinierten die Daten aus USA und UK (insgesamt 797 Frauen) und wählten pro Kategorie die drei mathematisch und theoretisch stärksten Items aus. So entstand eine 18-Item-Version, die bei Tests eine sehr gute Reliabilität zeigte und ähnliche Zusammenhänge mit Beziehungszufriedenheit und psychischer Belastung aufwies wie die vollständige Variante.

Inhaltlich ordnen die Aussagen der beteiligten Wissenschaftler das Ergebnis in eine breitere Debatte ein. „‘Mankeeping’ is something many women express that they have been doing for their partners for quite some time, “ sagte der leitende Forscher Vincent Mancini. „With loneliness being a population health crisis that has gendered features, the aim of this work was to better understand how women may engage in additional effort to help maintain their male partner’s social needs.“ Damit adressiert die Studie nicht nur eine individuelle Beziehungsebene, sondern auch die Frage, wie „Lösungsarbeit“ in Familien- und Partnersystemen ungleich verteilt sein kann, wenn soziale Ressourcen bei einer Seite erodieren. In derselben Richtung argumentiert Sara B. Chadwick, die nicht an der Untersuchung beteiligt war, wenn sie betont, dass valide Messinstrumente Forschung von theoretischen Konstrukten hin zu überprüfbaren Zusammenhängen bringen.

Gleichzeitig benennt die Studie klare Grenzen, die für die Interpretation entscheidend sind. Die Daten beruhen vollständig auf Selbstauskünften einer Partnerin; damit bildet der Fragebogen ihre Wahrnehmung der sozialen Situation des Partners ab, nicht zwingend die objektive Freundschaftsstruktur. Eine „Kausal“-Lesart ist über den Querschnittscharakter ebenfalls nicht sauber ableitbar: Die Arbeit liefert Assoziationen zwischen mankeepingbezogenen Handlungen und psychischer Belastung, aber keine eindeutige zeitliche Abfolge. Die Forschenden verweisen zudem darauf, dass die Dynamik in anderen kulturellen Kontexten anders ausfallen kann und dass sie bislang nur US- und UK-Stichproben abdecken. Für die Praxis ist vor allem der nächste Schritt wichtig: Langzeitdesigns, die Paare über die Zeit begleiten, sowie ergänzende Instrumente, die auch die Perspektive der männlichen Partner erfassen.

Chadwick mahnt darüber hinaus zur Einordnung als „nicht per se problematische“ Unterstützung. In der Quelle wird argumentiert, dass emotionales Mittragen oder Hilfe beim Aufbau sozialer Netzwerke in manchen Situationen konsensual sein kann oder sogar notwendig wird, etwa bei einem Umzug oder in Phasen psychischer Erkrankung. Der kritische Punkt liegt demnach weniger in der Handlung selbst als in fehlender Gegenseitigkeit und der Gefahr, dass unbezahte emotionale Arbeit faktisch zur Erwartung wird. Mancini spricht in diesem Zusammenhang davon, dass die Forschung gezielt daran arbeiten will, Interventionen zu entwickeln, die die Beziehungsqualität verbessern, und gleichzeitig klinische und wissenschaftliche Communitys stärker einzubinden. Insgesamt liefert die Mankeeping-Skala damit ein Werkzeug, das die Debatte über „emotionale Arbeit“ in Partnerschaften messbar macht – und gerade deshalb eine Grundlage bieten kann, um betroffene Dynamiken künftig differenzierter zu adressieren.


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