LONDON (IT BOLTWISE) – Mark Cerny, Architekt hinter PS4, PS5 und der nächsten Konsolengeneration, kündigt das späte Ende seiner aktiven Laufbahn an. Gemeinsam mit Geoff Keighley startet er die Nova Games Foundation als gemeinnützige Stiftung zur Förderung junger Nachwuchs-Designer. Das Modell zahlt 20 ausgewählte Talente jährlich mit je 100.000 US-Dollar an und verzichtet bewusst auf Studioanteile, Risikokapital-Logik und Exklusivitätsrechte. Damit adressiert die Stiftung genau die Engpässe, die in der aktuellen Branche viele Risiko-Produktionen ausbremsen.

Mark Cerny legt mit der Nova Games Foundation den Entwickler-Nachwuchs ab
Mark Cerny legt mit der Nova Games Foundation den Entwickler-Nachwuchs ab (Foto: IT BOLTWISE)
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Mark Cerny beschreibt die Lage im Spielemarkt nicht als Randnotiz, sondern als strukturelles Problem: Wenn Produktionsbudgets unter Druck geraten, wandern Risiko-Entwicklungen bei großen Publishern häufig in der Prioritätenliste nach hinten. In diese Gemengelage fällt nun die Nova Games Foundation, die Cerny gemeinsam mit Geoff Keighley aufsetzt. Cerny steuert dabei nicht nur als prominenter Name, sondern als jemand, der über Jahrzehnte Systemarchitektur in Konsolen-Projekten verantwortete – mit direktem Bezug zu PS4, PS5 und der kommenden Generation. Gleichzeitig koppelt er den eigenen Abschied aus der aktiven Laufbahn an eine Finanzierungsaufgabe: Er will die nächste Entwicklergeneration finanziell so absichern, dass sie nicht allein vom jeweiligen Konsolenzyklus oder von Marktschwankungen abhängig ist.

Technisch und strategisch ist an der Nova-Logik vor allem bemerkenswert, dass sie nicht nach dem klassischen Venture-Capital-Muster funktioniert. Laut Angaben aus dem Umfeld der Stiftung fließen die Mittel als gemeinnützige Förderung ohne kommerzielle Absichten. Ein zentrales Detail: Es werden keine Studioanteile gegen Geld eingetauscht, und die Stiftung fordert auch keine Exklusivitäts- oder Markenrechte an. Dadurch bleibt die Förderung bei den Creators – insbesondere bei Nachwuchs-Designern – und verändert nicht zuerst die Eigentumsverhältnisse, sondern die Fähigkeit, überhaupt Entwicklungsarbeit aufzubauen, Prototypen zu testen und in Teams zu investieren. In der Praxis bedeutet das eine andere Form von Risikoreduktion: Das Risiko sitzt nicht in einer Beteiligungsstruktur, sondern wird über Planbarkeit und mehrstufige Grants abgefedert.

Das konkrete Finanzierungsmodell sieht eine jährliche Anschubfinanzierung für 20 ausgewählte Nachwuchs-Designer vor. Je Empfänger sind demnach 100.000 US-Dollar vorgesehen; für Projekte, die eine höhere Marktreife erreichen, sind weitere Förderungen mit Beträgen von bis zu mehreren hunderttausend US-Dollar vorgesehen. Ergänzend übernimmt die Stiftung nicht nur die Gelderverteilung, sondern auch Vernetzung mit Vertriebspartnern und Marketingunterstützung. Genau diese Kombination – Geld, Kontakte und Marktkommunikation – adressiert ein typisches Entwicklungsproblem: Viele Teams scheitern nicht an Ideen allein, sondern an der Phase zwischen Prototyp und Marktzugang. Interessant ist außerdem, welche Ausbildungsumfelder die Stiftung in den Kreis der potenziellen Auswahl einbezieht: Unter anderem werden die TH Köln, die NYU, die Abertay University in Schottland sowie das Cnam-Enjmin in Frankreich genannt.

Der Zeitpunkt der Gründung fällt in eine Phase, in der in der Branche vermehrt Studios schließen oder Entlassungen umsetzen. Steigende Produktionskosten wirken dabei wie ein Bremsklotz: In der Folge werden Risiko-Programme in vielen Portfolios weniger konsequent weiterverfolgt, auch wenn die nächste kreative Generation grundsätzlich talentiert ist. Cerny ordnet das Problem in seinem Statement sinngemäß so ein, dass die technischen Skills der heutigen Absolventen stark gewachsen sind, die Hürde bis zur Durchsetzung im Markt jedoch weiterhin hoch bleibt. Auch deshalb betont die Nova Games Foundation ein langfristiges Ziel, das nicht an kurzfristige Produktzyklen gekoppelt ist: Die Stiftung setzt auf eine Laufzeit von mindestens zwei Jahrzehnten. Damit verschiebt sie die Perspektive von „Launch-Quartal“ hin zu Entwicklungsreife über mehrere Iterationen hinweg.

Ein weiteres Element ist die Unterstützung durch Mentoren aus der Branche. Im Zusammenhang mit der Nova Games Foundation werden unter anderem Josef Fares und sein Umfeld als Mentoren genannt, die Kandidaten begleiten sollen. Das ist gerade für Teams in der frühen Phase relevant, weil Mentoring typischerweise die Lücke zwischen technischer Umsetzbarkeit und Produktionsrealität schließt: Wie gestaltet man einen vertretbaren Scope, wie organisiert man Teamrollen, wie plant man Inhalte so, dass sie in Benchmarks messbar werden? Neben solchen operativen Fragen spielt heute auch die Nutzung moderner KI-gestützter Werkzeuge in der Entwicklung eine wachsende Rolle, etwa für prototypische Asset-Varianten, Automatisierung wiederkehrender Aufgaben oder Assistenzfunktionen im Coding. Die Stiftung adressiert solche Trends indirekt über ihr Förderprinzip: Wer kapitalgestützt arbeiten kann, kann auch moderne Toolchains früh in Produktionsabläufe integrieren – ohne dass ein zu frühes wirtschaftliches Risiko den Fortschritt erstickt.

Dass Keighley und Cerny das Projekt eigenen Angaben zufolge mit zweistelligen Millionenbeträgen aus eigenen Mitteln ausstatten, wirkt wie ein klares Signal gegen die sonst übliche Logik „Geld gegen Kontrolle“. Für die Branche ist das ein Kontrast zu Finanzierungswegen, die häufig mit entsprechenden Vertragsmechaniken verbunden sind. Der Punkt ist nicht, dass alle Venture-Modelle grundsätzlich problematisch wären, sondern dass sie in einem Umfeld mit Konsolenzyklen und schwankenden Publisherbudgets besonders stark unter kurzfristigen Renditeerwartungen leiden können. Die Nova Games Foundation versucht hier einen anderen Weg: Sie zahlt früh aus, hält sich mit Anteilsforderungen zurück und schafft dennoch Anschlussfähigkeit an Vertrieb und Marketing. In dieser Kombination liegt der Kern des Gegenentwurfs zu einer Marktlage, in der viele Talente zwar ausgebildet sind, aber nur begrenzten Zugriff auf belastbares Entwicklungskapital bekommen.

Für Unternehmen, die mit der nächsten Welle junger Teams arbeiten wollen, eröffnet das Modell ebenfalls eine praktikable Schiene. Vertriebspartner und etablierte Studios profitieren indirekt, weil die Stiftung nicht nur Ideen sammelt, sondern Empfänger über Auswahl- und Folgeförderungen in Richtung marktfähiger Reife begleitet. Gleichzeitig bleibt die Förderung so ausgestaltet, dass sie die Autonomie junger Teams nicht per Anteilskonstruktionen aushöhlt. Cerny baut damit seine eigene Nachfolge nicht über Personalentscheidungen, sondern über eine Infrastruktur zur Mittelbereitstellung. Wenn sich die PS6 – wie angedeutet – als Abschlussprojekt seiner Konsolen-Karriere entpuppt, soll die Zeit danach dennoch nicht als Stillstand enden: Das Nova-Modell wird vielmehr als dauerhafte Pipeline für Nachwuchs-Designer positioniert, die auch dann weiterläuft, wenn Konsolen- oder Marktzyklen gerade ungünstig sind.


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