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WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die NASA hat einen Request for Information veröffentlicht, um private Anbieter für eine mögliche Hubble-Service-Mission anzusprechen. Ziel ist nicht nur die Wartung, sondern auch das Anheben der Umlaufbahn, damit das Teleskop länger wissenschaftlich arbeiten kann. Gleichzeitig fragt die Behörde nach Optionen, wie sich Hubble am Missionsende sicher „entsorgen“ lässt, etwa durch gezieltes Lenken oder einen geeigneten Ausweichorbit. Die Industrie erhält dafür bis Ende November Zeit, erste Konzepte einzureichen.

NASA prüft private Service-Mission für Hubble: Industrie soll Konzepte liefern
NASA prüft private Service-Mission für Hubble: Industrie soll Konzepte liefern (Foto: IT BOLTWISE)
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Die geplante Kurskorrektur beginnt bereits auf dem Papier: Mit einem „Request for Information“ holt die NASA Anfang November 2026 Einschätzungen aus der Raumfahrtindustrie ein, ob eine private Mission zur Wartung des Hubble-Weltraumteleskops realistisch umsetzbar ist. Hubble gilt seit über 35 Jahren als eines der prägendsten Beobachtungsinstrumente für Astronomie und Kosmologie – und genau deshalb steht für die Behörde die Lebensdauerverlängerung im Mittelpunkt. In dem Dokument wird nicht ein fertiger Auftrag ausgeschrieben, sondern zunächst der technische und wirtschaftliche Spielraum ausgelotet, den kommerzielle Akteure mittlerweile bei Zugriffen im Orbit und bei der Handhabung von Satelliten entwickelt haben.

Technisch betrachtet hängt Hubbles Lage an einem klassischen Orbitalproblem: Das Teleskop fliegt aktuell knapp unter 500 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche, wo es noch spürbar Restatmosphäre gibt. Diese „Drag“-Wirkung bremst den Orbit Schritt für Schritt ab. Da Hubble kein eigenes Antriebssystem besitzt, konnten die Wartungsmissionen in der Vergangenheit den Orbit jeweils durch von außen eingebrachte Maßnahmen etwas anheben. Genau dieser Hebel fällt seit der letzten Service-Mission im Jahr 2009 weg, weil mit der Außerdienststellung der Space-Shuttle-Flotte die dafür genutzten Servicefähigkeiten praktisch verschwanden.

Aus den aktuellen Analysen ergibt sich deshalb ein enger Zeitkorridor: Ohne weitere Service-Mission soll Hubble vermutlich in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts – wahrscheinlich 2033 oder 2034 – in die Erdatmosphäre eintreten. Die NASA leitet daraus ab, dass eine Mission bis spätestens 2032 geplant sein müsste, um überhaupt noch ausreichend Wirkung auf Umlaufbahn und Instrumentenzustand zu entfalten. Der „Request for Information“ fragt deshalb gezielt nach drei Bausteinen: erstens nach der Möglichkeit, Hubble in eine höhere Umlaufbahn zu bringen, um die Lebensdauer zu strecken; zweitens nach Wartungsoptionen, die die Leistungsfähigkeit verbessern können; und drittens nach Szenarien, wie das Teleskop am Ende seiner Mission sicher kontrolliert werden kann.

Letzter Punkt ist besonders relevant, weil „sicher“ in der Praxis mehr bedeutet als nur ein technisches Abschalten. In der Anfrage werden zwei Denkansätze genannt: Hubble am Ende gezielt in Richtung Erdatmosphäre zu lenken, also eine kontrollierte Wiedereintrittsführung zu ermöglichen, oder das Teleskop in einen Orbit zu verlegen, auf dem es keine Gefahr für die Raumfahrt darstellt. Damit rückt auch das Thema Missionsende-Design in den Fokus, das bei älteren Service-Ansätzen zwar indirekt mitgedacht wurde, heute aber stärker mit Blick auf Kollisionsrisiken und Bahnpflege bewertet wird. Für Entscheider in Unternehmen heißt das: Es geht nicht allein um Reparaturmechanik, sondern um vollständige Systemplanung über mehrere Phasen – von Rendezvous über Arbeitsoperationen bis zur End-of-Life-Strategie.

Inhaltlich spannt die NASA den Bogen zudem zur Marktrealität: Laut Nicky Fox, stellvertretende NASA-Administratorin für wissenschaftliche Missionen, hat sich der kommerzielle Raumfahrtsektor in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt und eröffne neue Möglichkeiten, Satelliten im Orbit einzufangen und zu warten. Genau diese Lücke soll der „Request for Information“ schließen, indem er prüft, welche Konzepte private Anbieter inzwischen liefern können – sowohl für die Annäherung und das Ankoppeln als auch für die tatsächliche Arbeit an einem bereits im Betrieb befindlichen Instrument. Für die Industrie wiederum ist die Anfrage ein Signal, dass „on-orbit servicing“ über Prototypen hinaus in die Phase konkreter, missionstauglicher Ansätze rücken kann.

Auch wenn der Text keine Details zu konkreten Missionstechnologien nennt, lässt sich aus den Fragestellungen der technische Erwartungsraum ableiten. Unternehmen müssen Wege aufzeigen, wie sie mit Rendezvous- und Handhabungsrisiken umgehen, welche Werkzeuge und Schnittstellen für Reparaturen und Kalibrierungen vorgesehen sind und wie sich die Bahndaten so modellieren lassen, dass das Ziel – mehr Betriebszeit trotz Restatmosphäre – tatsächlich erreicht wird. Hinzu kommt die Frage, wie Aufwand und Kosten in Einklang gebracht werden sollen, weil die NASA ausdrücklich nach „kosteneffizienten“ Möglichkeiten sucht, die Lebensdauer eines im Orbit befindlichen Instruments zu verlängern. Die Industrie kann bis Ende November auf die Anfrage reagieren; bis dahin dürfte sich zeigen, ob sich aus der kommerziellen Servicefähigkeit ein tragfähiger Plan für Hubble ableitet, der sowohl wissenschaftliche Kontinuität sichert als auch das Thema sichere Entsorgung überzeugend beantwortet.

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