SALT LAKE CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Forscher der University of Utah haben entdeckt, dass bestimmte Immunzellen im Gehirn von Mäusen direkt für chronische Angst und zwanghaftes Verhalten verantwortlich sind. Diese Erkenntnisse könnten die Art und Weise, wie wir psychiatrische Erkrankungen verstehen und behandeln, grundlegend verändern.

In einer bahnbrechenden Studie haben Forscher der University of Utah School of Medicine herausgefunden, dass Mikroglia, die Immunzellen des Gehirns, eine entscheidende Rolle bei der Regulierung von Angstzuständen und zwanghaftem Verhalten spielen. Diese Entdeckung könnte die bisherige neuronenzentrierte Sichtweise auf psychiatrische Erkrankungen erheblich erweitern.
Mikroglia sind die Wächter des zentralen Nervensystems und übernehmen Aufgaben wie die Beseitigung von Zelltrümmern und die Reaktion auf Verletzungen. Die Studie zeigt, dass es zwei verschiedene Mikroglia-Linien gibt: die Hoxb8-Mikroglia, die als ‘Bremse’ fungieren, und die non-Hoxb8-Mikroglia, die als ‘Gaspedal’ wirken. Diese Zellen beeinflussen das Verhalten, indem sie entweder Angst und zwanghaftes Verhalten fördern oder unterdrücken.
Die Forscher führten Transplantationsexperimente durch, um die Rolle dieser Zellen zu untersuchen. Sie transplantierten Mikroglia-Vorläuferzellen von gesunden und genetisch veränderten Mäusen in Empfängermäuse, die keine eigenen Mikroglia hatten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Mäuse mit defekten Hoxb8-Mikroglia zeigten erhöhte Angst und zwanghaftes Verhalten, während Mäuse mit gesunden Hoxb8-Mikroglia normales Verhalten aufwiesen.
Diese Erkenntnisse könnten weitreichende Auswirkungen auf die Behandlung von Angststörungen beim Menschen haben. Da auch Menschen zwei Mikroglia-Populationen besitzen, könnte die gezielte Beeinflussung dieser Zellen neue therapeutische Ansätze eröffnen. Zukünftige Forschungen werden sich darauf konzentrieren, die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln, durch die Mikroglia neuronale Schaltkreise beeinflussen.
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