SCHLESWIG-HOLSTEIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein meldet eine spürbare Zunahme professioneller Phishing-Kampagnen. Laut Cisco Talos starteten im zweiten Quartal 2026 mehr als 50 Prozent der untersuchten Vorfälle mit Phishing. Besonders häufig zielen Angreifer auf Identitätsdaten, teilweise kombiniert mit Vishing über Microsoft Teams. Für den Schutz rücken phishingsichere Verfahren wie Passkeys stärker in den Fokus.

Phishing verdoppelt sich: 50 % der Angriffe starten mit Betrugs-E-Mails 2026
Phishing verdoppelt sich: 50 % der Angriffe starten mit Betrugs-E-Mails 2026 (Foto: IT BOLTWISE)
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Das Bild, das sich aus den aktuellen Meldungen zum Cybercrime-Alltag ergibt, ist klar: Phishing ist nicht nur ein wiederkehrendes Ärgernis, sondern derzeit der wichtigste Einstiegspunkt in viele Vorfälle. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein beschreibt dabei eine deutliche Zunahme professionell vorbereiteter Betrugsversuche, bei denen Täter gezielt Identitätsdaten abgreifen. Der Zweck ist selten eindimensional: Wer an genügend personenbezogene Informationen gelangt, kann diese entweder im Darknet veräußern oder sie für Finanzstraftaten nutzen, etwa für Kontenübernahmen oder betrügerische Transaktionen.

Ein besonders wirksamer Hebel liegt in der Qualität der Fälschungen. In den Kampagnen werden nach den vorliegenden Warnhinweisen bekannte Institutionen und Service-Namen in einer Tonalität imitiert, die bei Empfängern echten Handlungsdruck erzeugt. Die Verbraucherzentrale warnt etwa vor gefälschten E-Mails im Namen des Steuerportals ELSTER: Unter dem Vorwand einer nötigen Datensynchronisierung sollen Empfänger PDF-Dokumente herunterladen oder Links öffnen. Kurze Fristen, etwa bis Anfang August, erhöhen dabei das Risiko, dass Betroffene nicht mehr prüfen, sondern schnell reagieren.

Nicht nur der Steuerbereich, auch Finanzdienstleister werden in den Berichten als Zielgruppe genannt. In den beschriebenen Fällen finden sich Nachrichten im Stil bekannter Zahlungsanbieter, in denen die Empfänger mal eine angebliche Rückzahlung erhalten könnten, mal vor einer unautorisierten Zahlung gewarnt wird. Ergänzend werden Kunden von Sparkassen offenbar auf gefälschte Anmeldeseiten gelockt, verbunden mit dem Hinweis auf angeblich notwendige Sicherheitsupdates. Technisch betrachtet funktionieren solche Varianten ähnlich: Sie setzen auf den Wiedererkennungswert der Oberfläche, lenken auf eine betrügerische Login-Seite und versuchen so, Authentifizierungsdaten abzugreifen.

Für die Dimension liefert Cisco Talos den quantitativen Anker: Im zweiten Quartal 2026 begannen mehr als 50 Prozent der untersuchten Sicherheitsvorfälle mit Phishing; im ersten Quartal lag die Quote noch bei etwa 33 Prozent. Genau dieser Sprung ist für IT-Verantwortliche relevant, weil er die Wirksamkeit reiner Abwehr-Ansätze infrage stellt, die ausschließlich auf das Erkennen einzelner Betrugsnachrichten setzen. Sobald Angreifer Inhalte schneller austauschen oder neue Kommunikationskanäle nutzen, reicht ein reines Mail-Filtering als alleinige Schutzschicht nicht mehr aus.

Besonders auffällig ist, wie Phishing inzwischen über klassische E-Mail-Grenzen hinausgeht. In dokumentierten Fällen wird Vishing über Microsoft Teams als zusätzlicher Weg genutzt: Täter sollen innerhalb von weniger als 17 Stunden nach dem Erstkontakt Ransomware in fremden Netzwerken installiert haben, wobei Fernwartungstools helfen können, Sicherheitsmechanismen zu umgehen. Rund 65 Prozent der analysierten Fälle sollen den Missbrauch von Authentifizierungsmechanismen betroffen haben. Das zeigt, warum Identity Security und Zugriffskontrolle gerade bei mittleren und größeren Unternehmen zu einem Schwerpunkt der Risikoarbeit werden.

Parallel dazu verschieben Kriminelle ihr Vorgehen in Richtung alltäglicher Messenger und Paketzustellung: Die Polizei warnt vor WhatsApp-Maschen mit Online-Abstimmungen und QR-Codes, mit dem Ziel der Kontoübernahme, um anschließend Geldforderungen an Kontakte zu richten. Daneben wird auch die „Haustür“-Logik der Zustellung als Betrugsfläche genutzt, etwa wenn vermeintliche Paketlieferanten eine geringe Gebühr für die Zustellung verlangen und beim Bezahlen eine PIN ausgespäht wird. Beim Thema Konto-Schutz empfehlen das LKA Schleswig-Holstein und der Weiße Ring vor allem, keine Passwörter über Webseiten einzugeben, die über E-Mail-Links erreicht wurden, und offizielle Portale stattdessen manuell zu öffnen.

Wenn es um technische Gegenmaßnahmen geht, führt die Argumentationslinie an einem zentralen Punkt zusammen: Klassische Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) kann durch Echtzeit-Phishing ausgetrickst werden, etwa wenn Angreifer den Login-Prozess „mitlaufen“ lassen. Passkeys adressieren dieses Problem anders, weil sie fest an eine legitime Internetadresse gebunden sind und auf gefälschten Seiten nicht funktionieren. In der Beratung dazu wird Passkeys zudem als wachsendes Geschäftsfeld beschrieben, weil sie den Fokus von manipulierbaren Geheimnissen wie Passwörtern oder SMS-Codes auf eine robustere Bindung an den tatsächlichen Anmeldekontext verlagern. Wer bereits auf Verdacht reagiert, sollte Konten sofort sperren, Zugangsdaten ändern und eine Strafanzeige erstatten; zusätzlich helfen regelmäßige Kontrollen von Bonität und Kontoauszügen, unbefugte Abbuchungen früh zu erkennen.


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