BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Kassenärztechef Andreas Gassen fordert einen Neustart bei der Prävention und kritisiert, dass die Regierung aus der Corona-Zeit keine echten Konsequenzen gezogen habe. Er will deutlich stärker in Kitas und Schulen ansetzen, damit Kinder Ernährung und Bewegung früh lernen. Außerdem verlangt er den Ausbau des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Beim Thema Tabak und hochprozentiger Alkohol hält Gassen höhere Preishebel für nötig, nicht nur kleine Anpassungen.

In Deutschland wird Prävention derzeit politisch oft als „wünschenswerte Ergänzung“ behandelt. Aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung fehlt es aber an einem belastbaren Fahrplan, der sich im Alltag von Familien und in den Strukturen des Gesundheitswesens messbar niederschlägt. Andreas Gassen ordnet die Lage dabei in den internationalen Vergleich ein: Er sagt, die Menschen seien hierzulande im Schnitt „dicker“, rauchten häufiger, und sie trieben weniger Sport. Entscheidend ist für ihn weniger die Diagnose als die Frage, wie sich Verhaltensmuster früh genug beeinflussen lassen – und zwar bevor aus Risikofaktoren chronische Erkrankungen werden, die später nur noch teuer behandelt werden können.
Gassen adressiert dafür vor allem den Bildungs- und Betreuungsbereich. Notwendig sei es, so beschreibt er die Richtung, „viel stärker in Kitas und Schulen zu gehen“, damit Kinder früh lernen, sich gesund zu ernähren, sich viel zu bewegen und aus selbstzerstörerischen Konsummustern herauszukommen. Der Punkt dahinter ist technisch betrachtet auch nachvollziehbar: Prävention funktioniert am besten, wenn sie nicht erst im Erwachsenenalter versucht, Gewohnheiten umzubauen, sondern wenn sie in Lebensphasen ansetzt, in denen Routinen noch formbar sind. Gerade im Zusammenspiel von pädagogischen Settings, Elternarbeit und Gesundheitsbildung entstehen dann dauerhafte Anknüpfungspunkte, etwa über Ernährungsangebote, Bewegungszeiten und niedrigschwellige Gesundheitschecks.
Ein zweiter Strang betrifft die medizinische und organisatorische „Lieferkette“ von Prävention. Gassen verlangt, den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken – denn ohne gut erreichbare Stellen bleibt Prävention oft bei Kampagnen stehen. Er verweist zudem auf Erwartungen aus der Corona-Zeit: Das Versprechen, den Bereich auszubauen, sei nach seiner Darstellung nicht eingelöst worden. Damit verschiebt sich die Diskussion vom Symbolischen hin zum Umsetzungsfähigen, etwa bei Personalausstattung, Zuständigkeiten und der Frage, wie Angebote in Kommunen dauerhaft verankert werden. Für Entscheidungsträger ist das relevant, weil Prävention nicht nur Inhalte, sondern auch Kapazitäten benötigt, um Screening, Beratung und Folgeprozesse verlässlich zu organisieren.
Parallel kritisiert Gassen die aktuelle steuerliche Linie bei Tabak und hochprozentigem Alkohol. Unter Gesundheitsministerin Nina Warken habe die Regierung beschlossen, die Steuern auf Tabak und hochprozentigen Alkohol um 20 Prozentpunkte anzuheben. Gassen kommentiert das in der Sache als Strategie zur Einnahmeerhöhung: „die Staatseinnahmen zu erhöhen“. Seine Logik: Wenn das Ziel tatsächlich das Abbringen vom Rauchen und übermäßigem Trinken sei, bräuchten die Preise deutlich höhere Sprünge. Für Wodka nennt er deshalb eine konkrete Größenordnung: „Bei der Flasche Wodka hätten es fünf oder zehn Euro mehr sein müssen.“ Ähnlich bewertet er den Tabakschritt; „zwei Euro mehr“ für eine Schachtel Zigaretten reichten aus seiner Sicht nicht aus. Auch hier zeigt sich, wie stark sein Präventionsverständnis an ökonomischen Anreizen hängt: Steigt der Preis nicht spürbar, sinkt die Wirksamkeit als Verhaltenssteuerung.
Damit prallen zwei Präventionsansätze aufeinander: früh ansetzende Gesundheitsbildung im Lebenslauf versus „Preis als Lenkungsinstrument“ im Konsumverhalten. Gassen geht noch einen Schritt weiter und macht die politischen Nebenwirkungen sichtbar: Wenn sich Menschen die Produkte nicht leisten könnten, würden laut seiner Einschätzung vor allem junge Menschen idealerweise eher Abstand nehmen. Und selbst dann, wenn der Staat weniger Steuern einnehme, wäre das in seinem Kalkül durch sinkende Gesundheitskosten gegenfinanziert. Für die Debatte ist das vor allem deshalb spannend, weil solche Argumentationen in der Praxis nur funktionieren, wenn es zugleich Alternativen gibt: niedrigschwellige Unterstützung, Aufklärung und – im weiteren Sinne – eine Betreuungskette, die Rückfälle auffängt. Genau an diesem Punkt wird auch seine Kritik an der Planungsqualität deutlich.
Gassen wirft der Regierung vor, beim Thema Prävention kein stimmiges Konzept zu erkennen. Er bewertet ein angekündigtes Ausbauprogramm nach seiner Darstellung als Alibiveranstaltung: „Eine Präventionsoffensive zu starten, eine Woche nachdem die Regierung das Sparpaket durch den Bundestag geprügelt hat, das zu weniger Vorsorgeuntersuchungen führen wird, wirkt schon fast zynisch“, sagt er. Zusätzlich stellt er infrage, wie die Regierung Prävention praktisch stärken wolle. Technisch betrachtet ist diese Kritik auch eine Frage nach dem Systemdesign: Vorsorgeuntersuchungen sind nur ein Teil einer Präventionsarchitektur, und sie müssen organisatorisch mit Schulen, Kitas, dem öffentlichen Gesundheitsdienst und späteren Behandlungspfaden zusammenpassen. Wenn an einer Stelle gekürzt oder verzögert wird, entstehen Reibungsverluste; die Wirkung von Förder- oder Präventionsprogrammen wird dann nicht linear, sondern oft deutlich schwächer.
Für Unternehmen und die öffentliche Hand ergibt sich aus der Diskussion ein klarer Handlungsrahmen, selbst wenn sich die konkrete Ausgestaltung erst noch erweisen muss. Erstens steht die Frage im Raum, wie Prävention operationalisiert wird: über welche Zielgruppen, in welchen Settings und mit welchen Kennzahlen. Zweitens wird die Bedeutung von Datenflüssen greifbar, denn ohne Erfassung von Teilnahmequoten, Ergebnisqualität und Nachverfolgung lassen sich Programme kaum steuern. Hier kann KI eine Rolle spielen, etwa bei der Priorisierung von Maßnahmen oder der Analyse von Versorgungslücken in lokalen Netzen – allerdings nur, wenn die Governance und die Datenbasis sauber sind. Drittens zeigt der Konflikt um Steuerhebel, dass sich Politikinstrumente nicht isoliert betrachten lassen: Preiswirkungen, Bildungsangebote und Versorgungsstrukturen beeinflussen sich gegenseitig.
Wichtig bleibt schließlich, dass Prävention nicht auf eine einzige Stellschraube reduziert werden kann. Die Debatte macht vielmehr sichtbar, wie schnell aus demografischen und verhaltensbezogenen Risiken wirtschaftliche Belastungen im Gesundheitswesen werden. Wenn Kitas und Schulen früh beginnen und der öffentliche Gesundheitsdienst Kapazitäten aufbaut, steigt die Chance, dass Präventionsangebote nachhaltig in Alltag und Versorgungsketten eingebettet werden. Gleichzeitig erhöht ein glaubwürdiger Preis-Mechanismus den Druck, riskantes Verhalten zu ändern. Ob die politischen Entscheidungen künftig zusammenwirken, wird sich daran messen lassen, ob weniger Menschen später mit vermeidbaren Folgeerkrankungen in Behandlungsnot geraten – und ob die Strukturen dafür tatsächlich mitwachsen.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Präventionsoffensive gefordert: Kassenärzte kritisieren Sparpaket und setzen auf Kitas & Schulen" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Präventionsoffensive gefordert: Kassenärzte kritisieren Sparpaket und setzen auf Kitas & Schulen" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Präventionsoffensive gefordert: Kassenärzte kritisieren Sparpaket und setzen auf Kitas & Schulen« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!