HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Schaeffler zieht seine mittelfristigen Ziele zurück und erwartet für 2028 deutlich weniger Wachstum. Besonders die Elektroauto-Sparte rund um den Vitesco-Zukauf bremst: Die operative Gewinnschwelle soll dort später kommen als geplant. An der Börse reagiert der MDax-Titel mit einem Kursrutsch um 16 Prozent auf 6,83 Euro, zeitweise mit Handelsunterbrechung. Damit rückt für Anleger vor allem die Frage nach der Tempo-Frage bei E-Mobilitäts-Komponenten in den Fokus.

Der Industriezulieferer Schaeffler beendet den Optimismus für die Zeit nach 2025 abrupt: In Herzogenaurach hat das Management seine mittelfristigen Ziele zusammengestrichen, weil die Lage in der Autoindustrie weiterhin schlechter ausfällt als noch in der Planung berücksichtigt. Besonders belastet ist der Bereich rund ums Elektroauto, der durch den Zukauf von Vitesco verstärkt wurde. Die Konsequenz ist in der Kommunikation nicht nur eine geringere Umsatzdynamik, sondern auch die Verschiebung der operativen Zielmarken in eine spätere Phase.
An der Börse wirkt das wie ein Bremsklotz. Die im MDax gelistete Aktie (DE0008467416) fiel am Freitag zuletzt um 16 Prozent auf 6,83 Euro; zwischenzeitlich wurde der Handel sogar unterbrochen. Damit reiht sich die Bewegung in das Muster einer ohnehin nervösen Kursentwicklung ein: Seit Jahresbeginn war die Bilanz zeitweise fast ausgeglichen, doch bereits zuvor hatte der Titel starke Ausschläge gezeigt. Zuerst schoben Hoffnungen auf das Zukunftsfeld humanoider Roboter den Kurs bis nahe an 12 Euro; danach drückten eine ernüchternde Jahresprognose und ein erneuter Abwärtstrend.
Operativ setzt Schaeffler die Maßstäbe in mehreren Schichten an. Für 2028 erwartet das Unternehmen nun einen Konzernumsatz von 24 bis 26 Milliarden Euro. Ursprünglich stand laut Bericht eine Spanne von 27 bis 29 Milliarden Euro im Raum. Vergangenes Jahr lag der Erlös bei 23,5 Milliarden Euro, womit die neue Zielkurve zwar einen Anstieg zeigt, aber deutlich weniger Raum für Skalierung lässt. Das Management begründet die Richtung vor allem mit einer schwächeren Auftragslage, insbesondere in der Sparte mit Teilen für Elektroautos, in der die Planungen aufrechterhalten werden sollen, aber nicht die erhoffte Sättigung an Stückzahlen erreicht.
Damit verschiebt sich auch die Profitabilität, und zwar spartenbezogen. Für den Elektroauto-Bereich wird die operative Gewinnschwelle voraussichtlich nicht wie geplant erreicht. Die bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (EBIT-Marge) für diesen Bereich soll dann zwischen minus 4 und 0 Prozent liegen. Auf Konzernebene erwartet das Unternehmen die bereinigte EBIT-Marge für 2028 dagegen weiterhin zwischen 6,0 und 8,0 Prozent; der niedrigere Umsatz bedeutet jedoch, dass die absolute Ergebnisgröße nach aktuellem Plan weniger stark ausfallen dürfte als zuvor in Aussicht gestellt. Beim bereinigten freien Mittelzufluss soll es in zwei Jahren bei den anvisierten 400 bis 600 Millionen Euro bleiben.
Dass die neuen Zahlen nicht bei allen Prognosepfaden sofort auf Resonanz stoßen, zeigt sich auch in der Analystenperspektive. Eine Analystin von Jefferies (Vanessa Jeffriess) ordnete die aktualisierte Umsatzprognose für 2028 als nah an den eigenen Schätzungen ein, machte aber zugleich deutlich, dass sie beim operativen Ergebnis vorsichtiger gewesen sei und dort weniger Spielraum erwartet hatte als Schaeffler nun anstrebt. Skepsis kam zudem bereits zuvor von UBS, unter anderem durch den Hinweis auf die Ambition der 2028er-Ziele, wie im Marktkommentar referenziert wird. Für Anleger ist diese Differenz entscheidend, weil die Gewinnzone im Elektrifizierungsgeschäft als zentrales Signal für die investive Strategie gilt.
Branchenlogisch passt das Bild dennoch in einen größeren Trend: Viele Zulieferer stehen derzeit unter dem Spagat, einerseits Elektrifizierungskomponenten hochzufahren und andererseits mit Volatilität in der Abnahmepolitik der OEMs umzugehen. Wenn die Auftragseingänge nicht in dem Tempo wachsen, das die interne Kapazitäts- und Kostengestaltung voraussetzt, entstehen genau die Effekte, die Schaeffler jetzt beschreibt: Verzögerte Skaleneffekte, weiterhin Druck auf margentragende Produktmix-Parameter und eine spätere Realisierung der operativen Break-even-Punkte. Im Wettbewerb um Technologieanteile bei E-Mobilitätsplattformen stehen dadurch nicht nur Schaeffler, sondern auch andere große Zulieferer unter Beobachtung; für den Markt zählt am Ende die Fähigkeit, Umsatz und Marge gleichzeitig zu stabilisieren, nicht nur das eine.
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