HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Pumas Umsätze sind im zweiten Quartal trotz bereits laufender Restrukturierung gesunken. Der Sportartikelhersteller nennt als Gründe eine schwächere Nachfrage und anhaltende Belastungen im Großhandelsgeschäft, während der E-Commerce leicht zulegt. Das Unternehmen bleibt im laufenden Jahr operativ noch in roten Zahlen, peilt aber eine schrittweise Verbesserung im zweiten Halbjahr an. Für das Gesamtjahr setzt Puma weiterhin auf einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Im Zeichen der Restrukturierung liefert Puma im zweiten Quartal ein gemischtes Bild: Der Konzernchef Arthur Hoeld beschreibt zwar Fortschritte bei Ineffizienzen, Kosten und Organisationsstruktur, die Wirkung auf die Umsatzzahlen kommt jedoch noch nicht an. Das zeigt sich besonders in den Erlösen, die um knapp zehn Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro zurückgehen. Damit bleibt der Sportartikelhersteller im laufenden Jahr noch klar im Verlustbereich, während das Management das Tempo der Trendwende eher für die zweite Jahreshälfte in Aussicht stellt.
Der Blick auf die Segmentseite macht den Kern der aktuellen Schwäche greifbar. Puma meldet insbesondere ein schwächeres Groß handelsgeschäft in der amerikanischen und europäischen Region. Laut Darstellung senkt der Konzern derzeit die Verkäufe in diesen Kanal, speziell in Nordamerika und Europa. Gleichzeitig reagiert Puma auch im eigenen Einzelhandel: Dort geht die Nachfrage leicht zurück, während der E-Commerce-Bereich ein kleines Plus verzeichnet. Genau diese Mischung ist typisch für Restrukturierungen mit Fokus auf Direktgeschäft, weil der Umbau häufig kurzfristig Umsatzvolumen in klassischen Kanälen kostet, bis sich die Nachfrage über neue Routen wieder stabilisiert.
Die Ergebnisentwicklung folgt der Umsatzseite. Unter dem Strich schreibt Puma weiterhin rote Zahlen; der bereinigte Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) steigt auf 41,9 Millionen Euro, nach minus 24,5 Millionen Euro im Vorjahr. Gleichzeitig sinkt der Fehlbetrag unter dem Strich um gut 70 Prozent auf 72,8 Millionen Euro, vor allem weil deutlich geringere Einmalkosten anfallen. Damit wird deutlich: Nicht jede rote Kennziffer bedeutet automatisch eine Verschlechterung der operativen Steuergröß e im gleichen Ausmaß , sondern auch die Zusammensetzung der Belastungen spielt eine Rolle. Für Anleger war die Lage zudem kurzfristig spürbar, denn die Aussagen zum Verlauf wurden am Aktienmarkt zunächst mit einem Minus von mehr als sechs Prozent quittiert; später reduzierte sich der Verlust auf rund 2,7 Prozent.
Über die operativen Baustellen hinaus ordnet Puma die Situation zeitlich ein. Hoeld erwartet für das dritte Quartal einen weiteren Umsatzrückgang, rechnet aber gleichzeitig damit, dass Erlöse und operatives Ergebnis gegenüber dem zweiten Quartal wieder besser ausfallen. Für das Schlussquartal nennt der Konzernchef dann weitere Fortschritte. In die gleiche Richtung zielt der Ausblick für die Kennzahlen: Der währungsbereinigte Umsatz soll im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich sinken, während das Ebit einschließ lich der Kosten für das Effizienzprogramm im Bereich von minus 50 bis minus 150 Millionen Euro liegen dürfte. Dazu passen die Hinweise, dass Rückzahlungen durch unrechtmäß ig erhobene Zölle zunächst positiv wirken können, der Effekt aber durch Belastungen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt wieder aufgehoben wird.
Technisch und organisatorisch lässt sich Pumas Ansatz als klassische Marken- und Portfoliobereinigung im Sportartikelbereich lesen, nur diesmal mit stärkerem Gewicht auf Effizienz und Direktzugang. Hoeld hatte bereits im dritten Quartal des vergangenen Jahres einen Konzernumbau angestoß en, der die Konzentration auf Kernsportarten, weniger Produkte sowie den Ausbau des Direktgeschifts mit Konsumenten vorsieht. Dazu gehören konkret das Abbauen von Lagerbeständen, das Schließ en unrentabler Läden sowie der Abbau von insgesamt 1.400 Stellen. Der Zeithorizont ist ebenfalls klar: Ab 2027 soll das Vorgehen wieder ein nachhaltigeres Wachstum ermöglichen. Bis dahin bleibt der Konzern in einer Phase, in der Lagerabbau und Kanalumbau kurzfristig gegen die Umsatzkurve arbeiten können, während gleichzeitig die Profitabilität erst über Kostenseiteneffekte und Prozessstabilität wieder zu positiven Ergebnistreibern werden muss.
Ein weiterer Punkt ist die Nachfragewirkung durch sportliche Ereignisse, die im Markt oft als Konjunktur für Absatz und Marketingbudgets interpretiert werden. Puma sagt, dass es durch die Fußball-Weltmeisterschaft keine signifikanten Auswirkungen auf den Umsatz gab. Das Unternehmen rüstete dabei neben der Schweiz vor allem afrikanische Mannschaften aus, deren Marktvolumen laut Hoeld nicht die gleiche Größ e erreicht wie etwa bei von Adidas ausgerüsteten Teams, die in der Wahrnehmung des Endkunden meist stärker präsent sind. Gleichzeitig ist genau das für die Bewertung des gesamten Setups entscheidend: Wenn ein Großereignis keinen positiven Hebel liefert, müssen Marke, Produktstrategie und Vertriebskanal umso mehr über das Jahr hinweg funktionieren, statt sich auf einzelne saisonale Peaks zu stützen.
Für die weitere Einordnung lohnt sich daher ein zweifacher Fokus: Erstens auf die Frage, ob Pumas Maßnahmen im Kostenblock messbar wirken, obwohl die Umsatzseite noch schwächelt. Zweitens darauf, ob der bereits sichtbar werdende Kontrast aus zurückgehenden Offline-Kanälen und leicht positivem E-Commerce-Geschäft in den kommenden Quartalen in stabile Nachfrage und bessere Margen übersetzt wird. Jeferies-Analyst James Grzinic bewertet die Ergebnisse zwar als weitgehend erwartungskonform, verweist aber darauf, dass sich das Umsatzwachstum trotz Weltmeisterschaft abgeschwächt hat und die Marke Puma wieder mehr Attraktivität gewinnen muss. Entscheidend wird damit weniger ein einzelnes Quartal sein, sondern die Geschwindigkeit, mit der Lagerabbau, Kanalsteuerung und Direktgeschäft die Restrukturierungsphase in eine tragfähigere Wachstumsphase überführen.
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