KENTUCKY / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Public Service Commission (PSC) in Kentucky hat einen Stromliefervertrag für den „Justified Data Campus“ im Hancock County genehmigt. Der Vertrag deckt bis zu 482 Megawatt und schafft damit eine zentrale Grundlage für ein mehrjähriges Ausbauprogramm. TeraWulf koppelt die Infrastruktur an eine langlaufende Kooperation mit Anthropic und plant erste Kapazitätslieferungen ab der zweiten Jahreshälfte 2027. Gleichzeitig adressiert die Vereinbarung Lastabwurf-Mechanismen, um den Betrieb im Notfall netzstabil zu halten.

Für den Ausbau von KI- und Hochleistungsrechenkapazitäten hängt in den USA meist nicht nur die Rechenleistung selbst an der Zeitachse, sondern vor allem die Stromzufuhr in ausreichender Menge und zu kalkulierbaren Konditionen. In Kentucky ist diese Hürde nach Angaben der zuständigen Regulierungsinstanz genommen: Die Public Service Commission (PSC) hat einen umfangreichen Stromliefervertrag für den „Justified Data Campus“ im Hancock County freigegeben. Damit kann TeraWulf die Infrastrukturplanungen auf eine tragfähige energiewirtschaftliche Basis stellen und den nächsten Bauabschnitt in den Fokus rücken.
Das genehmigte Volumen ist mit bis zu 482 Megawatt (MW) deutlich größer als viele herkömmliche Rechenzentrumsprojekte. Als Standort dient das Gelände einer ehemaligen Aluminiumhütte von Century Aluminum in Hawesville, die 2022 geschlossen wurde. Gerade die Umnutzung solcher Industrieareale ist in der Praxis oft ein Vorteil, weil bereits bestehende Trassen, Flächenlogistik und lokale Energieanbindungen in die Gesamtplanung einfließen können. TeraWulf ordnet die Leistung außerdem in die Haushaltsvergleichsperspektive ein: Die zugesagte Kapazität entspreche Medienberichten zufolge dem Bedarf von rund 350.000 bis 400.000 Haushalten.
Finanziell und operativ soll daraus ein mehrjähriges Projekt mit Investitionen zwischen 4,0 und 4,5 Milliarden US-Dollar entstehen. Auf dem Campus werden nach den vorliegenden Angaben im Umfeld des Projekts etwa 90 Arbeitsplätze erwartet, während die ehemalige Aluminiumhütte rund 600 Menschen beschäftigt hatte. Auch wenn das nicht eins-zu-eins übertragen werden kann, positioniert sich das Vorhaben als regionaler Wachstumstreiber, weil über die Stromabnahme und die Bauphasen zusätzliche Dienstleister- und Wertschöpfungsketten in Gang gesetzt werden. Der Stromvertrag ist zunächst auf 15 Jahre ausgelegt und enthält Optionen für rollierende Verlängerungen um jeweils fünf Jahre, was die Planbarkeit für große Energieabnehmer im Zeithorizont des Rechenzentrums deutlich erhöht.
Ein zweiter Hebel ist die Marktplatzierung der Kapazität über eine strategische Partnerschaft: TeraWulf arbeitet dafür mit dem KI-Spezialisten Anthropic zusammen. Der Mietvertrag umfasst eine IT-Kapazität von rund 401 MW und läuft über 20 Jahre. Über die gesamte Vertragsdauer wird daraus ein Umsatzpotenzial in Höhe von etwa 19 Milliarden US-Dollar erwartet, was im Kern zeigt, dass der Ausbau nicht nur „für KI allgemein“, sondern für eine konkrete Abnehmerstruktur geplant ist. Als zeitlicher Rahmen gilt: Die erste Kapazitätslieferung soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 erfolgen, der volle Betrieb des Campus bis Anfang 2028.
Bei der Kostenkalkulation wird zusätzlich sichtbar, wie stark Rechenzentren bei Skalierung von der Infrastruktur getrieben werden. Genannt wird ein Aufwand von etwa 10 bis 12 Millionen US-Dollar pro Megawatt für Baukosten der „kritischen IT-Last“, wobei die Schätzungen die Serverhardware noch nicht enthalten. Diese Trennung ist für Investoren relevant, weil sie verdeutlicht, dass sich die CAPEX-Bausteine nicht nur in „Maschinen“ und „Bauwerk“ aufteilen, sondern auch in Energieverteilung, Kühlung, Netzanbindung und Betriebssicherheit. Gleichzeitig rückt die Frage in den Vordergrund, wie sich die Stromkosten später auf lokale Stromkunden auswirken.
Genau deshalb war die Preisgestaltung ein zentrales Thema in der Anhörung vor der PSC. Anwohner hatten Bedenken geäußert, dass Tarife steigen und sich die Belastung über die Zeit entwickeln könnte; die Regulierungsinstanz stufte die vereinbarten Tarife jedoch als fair und angemessen ein. Auffällig ist dabei die Kostenlogik der Vereinbarung: TeraWulf trägt demnach selbst die Kosten für den Marktbezug, die Übertragung und die erforderliche Infrastruktur. Zusätzlich gibt es Bestimmungen zur Lastabwurf-Regelung, die im Notfall eine Drosselung des Energiebezugs des Datenzentrums ermöglichen sollen, damit die Stabilität des allgemeinen Stromnetzes gewährleistet bleibt. Über sogenannte „Demand Adder“-Zahlungen sollen zudem die lokalen Energieversorger Big Rivers und Kenergy profitieren, was indirekt auch Haushalte betreffen kann, sofern sich daraus günstigere oder zumindest besser kalkulierbare Netz- und Versorgungsbedingungen ergeben.
Über Hancock County hinaus deuten die vorliegenden Angaben auf weitere Expansionsschritte in Kentucky. Als Beispiel wird ein weiteres geplantes Datenzentrum in der Nähe von Ashland genannt, bei dem eine Kapazität von einem Gigawatt im Raum steht und sich perspektivisch sogar verdoppeln könnte. Der Generalstaatsanwalt Russell Coleman wird dabei so eingeordnet, dass solche Vorhaben helfen könnten, regionale Infrastrukturprojekte wirtschaftlicher zu gestalten und dadurch Kosten zu senken. Für die Branche ist das ein typisches Muster: Wenn mehrere große Verbraucher in einer Region entstehen, lassen sich Netzerweiterungen und Spezifikationen oft effizienter planen, während einzelne Projekte ohne ausreichendes Umfeld später häufiger teurer werden.
An der Börse spiegelte sich die Nachrichtenlage zunächst in einem moderaten Rückgang wider; die Aktie schloss am Montag bei 13,30 Euro. Trotz dieser kurzfristigen Konsolidierung liegt der Wert seit Jahresanfang laut den Angaben im Plus, nämlich bei 37 %. Gleichzeitig bleibt er deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch, um -49 %, weshalb Anleger den nächsten operativen Meilenstein im Blick behalten: Können die ambitionierten Bauphasen im kommenden Jahr planmäßig starten? Für Unternehmen in der KI- und HPC-Wertschöpfungskette ist die PSC-Entscheidung jedenfalls mehr als ein regulatorischer Akt, denn sie liefert ein belastbares Stromfundament, an dem sich Lieferpläne, Abnehmerverträge und die reale Skalierung von Rechenleistung festmachen lassen.
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