LONDON (IT BOLTWISE) – WhatsApp testet einen neuen Ordner für Nachrichten von großen Unternehmen wie Banken oder Airlines. Empfangen Nutzer solche Nachrichten, verschiebt die App sie nach einer variablen Zeitspanne automatisch aus dem normalen Posteingang. Das Ziel ist weniger Unübersichtlichkeit durch Rabattcodes und Liefer-Updates. Für die Nutzer ist der Zeitpunkt dabei nicht frei wählbar, Unternehmen sollen derweil leichter auffindbare Kanäle erhalten.

WhatsApp testet Ordner „Offers & Updates“ für Nachrichten großer Unternehmen
WhatsApp testet Ordner „Offers & Updates“ für Nachrichten großer Unternehmen (Foto: IT BOLTWISE)
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WhatsApp will den Posteingang entlasten – und testet dazu einen Mechanismus, der sich direkt auf die tägliche Chat-Ordnung auswirkt. Der Hintergrund ist banal, aber folgenreich: Wenn mehr Unternehmen WhatsApp als Kommunikationskanal nutzen, landen neben persönlichen Chats auch gebündelte Nachrichten wie Rabattcodes, Bestellbestätigungen oder Status-Updates im gleichen Bereich. Für Nutzer bedeutet das häufig, dass wichtige Unterhaltungen zwischen Angeboten untergehen oder erst nach langem Scrollen wieder auftauchen. Meta reagiert nun mit einem separaten Eingang für solche Nachrichten und plant, die Wirkung über Beobachtungen zu bewerten.

Konkret geht es um einen neuen Ordner namens „Offers & Updates“. Sobald ein Nutzer eine Nachricht von einem als „großes Unternehmen“ eingestuften Absender erhält, soll WhatsApp diese nach einer festgelegten Anzahl Stunden automatisch verschieben. Laut Angaben, die im Umfeld der Q2-2026-Ergebnisrunde gemacht wurden, testet WhatsApp dabei unterschiedliche Zeitdauern – bis hin zu 24 Stunden. Wer diese Filterung nicht im eigenen Verlauf braucht, kann die Option zwar deaktivieren; allerdings bleibt die eigentliche Automatik-Logik dann ein Faktor, wenn die Verschiebung bereits angelaufen ist oder ein Nutzer zwischen Einstellungen umschaltet.

Aus Nutzersicht ist das eine Mischung aus Entlastung und Kontrollverlust. WhatsApp beschreibt das erwartete Ergebnis so, dass typische Inhalte wie Rabattcodes und Zustell- oder Versandmeldungen nach wenigen Stunden nicht mehr im zentralen Posteingang sichtbar sind. Dadurch soll sich die Chat-Timeline „anfühlen“, als wäre sie weniger voll – insbesondere in Phasen, in denen viele Business-Nachrichten parallel eintreffen. Für Unternehmen entsteht gleichzeitig ein praktischer Vorteil: Nutzer können ihre relevanten Informationen künftig gezielter in einem bestimmten Ordner suchen, statt in einer großen Menge an Konversationen nach einem Statusupdate zu suchen.

Technisch betrachtet ist die entscheidende Stellschraube weniger der Ordnername als die Klassifizierung und die Zeitsteuerung. WhatsApp startet den Test eigenen Angaben zufolge zunächst mit ausgewählten Partnern über die WhatsApp Business Platform. Dabei bleiben kleine Unternehmen und individuelle Konten, die WhatsApp Business nutzen, zunächst ausgenommen. Für die Zukunft schließt WhatsApp eine Erweiterung nicht aus: Möglich wäre, dass auch Nachrichten kleinerer Absender in einem späteren Schritt ebenfalls in „Offers & Updates“ wandern. Gerade diese Abstufung zeigt, dass die App offenbar vermeiden will, den eigentlichen Komfortgewinn zu zerstören – etwa durch eine pauschale Verschiebung, die ausgerechnet kundennahe Dialoge zu stark separieren würde.

Die Maßnahme reiht sich in eine längere Strategie ein, mit der WhatsApp in den vergangenen Jahren den Business-Chat-Strom vor Spam schützen wollte. Bereits 2024 erhielten Nutzer die Möglichkeit, sich von Marketingnachrichten bestimmter Marken abzumelden. Im Jahr darauf wurde die Anzahl von Broadcast-Nachrichten begrenzt, die Unternehmen und Privatkonten in einem bestimmten Zeitraum versenden können. Im Oktober 2025 folgte ein weiterer Schritt: WhatsApp begrenzte zusätzlich die Zahl der Nachrichten, die Unternehmen ohne Antwort durch Nutzer verschicken können. Bislang gilt: Die ersten beiden Einschränkungen sind vollständig ausgerollt, während die dritte Maßnahme noch weiter iteriert wird – und auch das neue Ordner-Experiment wirkt wie ein zusätzlicher Baustein in derselben Richtung.

Dass der Posteingang trotzdem chaotisch bleiben kann, bestätigen auch reale Nutzungserfahrungen, die sich offenbar nicht nur auf Einzelfälle beschränken. Wenn viele ungelesene Nachrichten in kurzer Zeit eintreffen, reicht ein „Aufräumen“ am Morgen nicht unbedingt bis zum Nachmittag: Es entstehen wieder neue Stapel, die man erst am nächsten Tag bewältigt. WhatsApp argumentiert, der neue Filter könne die Unübersichtlichkeit reduzieren; gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass die Wirkung erst dann vollständig wird, wenn Nutzer mehr Kontrolle über das Filtern im Hauptposteingang hätten. Genau hier setzt auch der Wettbewerb um die richtige Balance an: Eine Messenger-Plattform mit über 3 Milliarden Nutzern muss sowohl persönliche Chats als auch Business-Kommunikation so sortieren, dass KI-gestützte Automatisierung nicht als Spam wahrgenommen wird.

Wie stark WhatsApp den Business-Kanal technologisch auflädt, zeigt zudem die wachsende Rolle von KI-gestützten Agenten. Meta stellte KI-Business-Agenten im Juni global bereit; nach eigener Darstellung nutzen bereits mehr als 1 Million Unternehmen diese Funktionen. Im Kontext der Ergebnisrunde nannte Zuckerberg auch konkrete Anwendungsfälle wie die car rental company Movida aus Brasilien und beschrieb dabei messbare Effekte bei Conversions sowie die Unterstützung bei der Bearbeitung von Kundenanfragen. In den kommenden Monaten dürfte daher ein weiterer Teil des Business-Messaging nicht nur organisierend, sondern inhaltlich automatisiert werden – für Vertrieb, Marketing und Support. In diesem Umfeld wird der neue „Offers & Updates“-Ordner vor allem deshalb interessant, weil er die Sichtbarkeit von Nachrichten strukturiert, bevor KI-Kommunikation in großer Zahl über denselben Chat-Mechanismus skaliert.

Für Unternehmen bedeutet das Testdesign vor allem Planbarkeit in der Nutzerlogik. Wenn Rabattcodes und Zustellupdates in einen separaten Bereich wandern, verschiebt sich die Frage, wie schnell Nutzer überhaupt in ihrem Alltag auf solche Inhalte reagieren. Gleichzeitig wird der Aufwand geringer, Nachrichten so zu formulieren, dass sie ohne Kontext nicht „untergehen“. Für Produkt- und Marketingteams ist das ein Hinweis: Wer WhatsApp nutzt, sollte den eigenen Content nicht nur nach Timing und Relevanz optimieren, sondern auch nach dem erwarteten Verhalten des Posteingangs – inklusive möglicher Verschiebungen. Der Test mit ausgewählten Partnern ist dafür ein Signal, dass Meta kurzfristig spürbare Verbesserungen im UX-Handling anstrebt, bevor es die Logik auf breitere Unternehmensgruppen ausdehnt.


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