LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Umfrage von ifo und Randstad zeigt, dass deutsche Unternehmen die geplante Teilkrankschreibung skeptisch sehen. 48% halten das Instrument für nicht sinnvoll, während nur 25% es als hilfreich einordnen. Besonders schwierig gilt die Abgrenzung zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit, gerade in großen Betrieben. Zum Start am 1. Januar 2028 bleibt damit die Frage offen, wie sich der administrative und organisatorische Aufwand in der Praxis beherrschen lässt.

Die geplante Teilkrankschreibung ab 1. Januar 2028 trifft bei Unternehmen auf deutlich mehr Skepsis als Zustimmung. Laut einer Umfrage des ifo Instituts gemeinsam mit dem Personaldienstleister Randstad bewerten 48% der befragten Firmen die Neuregelung als nicht sinnvoll. Dem stehen 25% gegenüber, die den Schritt ausdrücklich für hilfreich halten; weitere 25% bleiben neutral. Diese Verteilung ist bemerkenswert, weil die Teilkrankschreibung im Kern darauf zielt, Arbeitsausfall nicht zwangsläufig als „alles oder nichts“ zu behandeln, sondern die Rückkehr in den Betrieb schrittweise zu ermöglichen.
Technisch und organisatorisch entscheidet sich die Wirkung allerdings weniger an der Idee als an der Umsetzung im Alltag. Als Hauptbarriere nennt die Auswertung praktische Umsetzungsprobleme: 76% der Unternehmen sehen Schwierigkeiten bei der Abgrenzung zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit. In großen Unternehmen steigt der Wert sogar auf 88%. Für die Personal- und Gesundheitsverantwortlichen kommt dazu nach Angaben der ifo-Forscherin bzw. des ifo-Forschers Hennrich eine zusätzliche administrative Belastung, die als zentraler Kritikpunkt beschrieben wird. Genau diese Kombination – Unklarheit in der Schnittstelle und mehr Prozessaufwand – erklärt, warum die Erwartungshaltung hinsichtlich positiver Effekte mit 50% besonders zurückhaltend ausfällt; unter Personalverantwortlichen teilen 47% diese Einschätzung.
Die Skepsis ist zudem nicht gleichmäßig über alle Branchen verteilt. Die Studie, die im zweiten Quartal 2026 unter rund 1.000 Führungskräften durchgeführt wurde, macht sektorale Unterschiede deutlich: 49% der Unternehmen geben an, dass das Modell in vielen Tätigkeitsfeldern kaum umsetzbar sei. In der Administration sehen 55% eher Möglichkeiten für eine teilweise Arbeitsaufnahme trotz Erkrankung, während es im Vertrieb und Kundenservice nur 33% sind. Physisch geprägte Bereiche fallen noch deutlicher ab: In der Logistik halten lediglich 11% einen Einsatz für machbar, in der Produktion sind es nur 8%. Damit wird klar, dass die Teilkrankschreibung vor allem dort auf Grenzen stößt, wo Arbeitsfähigkeit an konkrete körperliche Anforderungen, Schichtprozesse oder Sicherheitsvorgaben gekoppelt ist.
Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, die Debatte nur als „Ablehnung“ zu lesen. Ein Teil der Unternehmen erkennt potenzielle Vorteile, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung: Jeweils ein Drittel verbindet die Teilkrankschreibung mit der Hoffnung auf kürzere Fehlzeiten oder auf eine schnellere Rückkehr in den Betrieb. 21% sehen außerdem die Möglichkeit, dass Beschäftigte insgesamt länger arbeiten können, und 12% erwarten eine flexiblere Planung im Personaleinsatz. Diese Chancen sind plausibel, weil die Regelung bei geeigneten Tätigkeiten den Wiedereinstieg entlasten kann: Statt eine vollständige Genesung abzuwarten, lassen sich Aufgaben häufig auf Prozentstufen verteilen und so den Übergang in Richtung Arbeitsfähigkeit strukturieren. Ob daraus in der Praxis jedoch messbare Effekte werden, hängt an den genannten Engstellen bei Abgrenzung und Prozessdesign.
Auch aus dem Gesundheitsumfeld kommt Kritik. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bemängelt laut Angaben aus der Veröffentlichung vom 4. August 2026 insbesondere den hohen administrativen Aufwand, der mit der Einführung des Instruments verbunden sei. Dass damit ein zweites Lager neben der Unternehmensperspektive entsteht, ist für die kommenden Monate wichtig: Spätestens wenn Ärztinnen und Ärzte nach dem neuen Rahmen Arbeitsunfähigkeit in Abstufungen von 25%, 50% oder 75% feststellen können, müssen Kommunikationswege, Dokumentationsanforderungen und der Austausch mit Arbeitgebern sowie Beschäftigten in der Breite funktionieren. Andernfalls droht eine Teilkrankschreibung zwar auf dem Papier, aber nicht in den Arbeitsabläufen realisiert zu werden.
Der rechtliche Rahmen bleibt dabei vergleichsweise klar umrissen: Ärztliche Feststellungen sollen ab 2028 in Stufen erfolgen, die Anwendung setzt jedoch die beidseitige Zustimmung voraus. Sowohl Arbeitgeber als auch der versicherte Arbeitnehmer müssen der teilweisen Wiederaufnahme der Tätigkeit explizit zustimmen. Für Unternehmen heißt das: Selbst wenn eine Tätigkeit grundsätzlich für eine Teilrückkehr geeignet wäre, ist die Umsetzung an Vertrags- und Abstimmungsprozesse gebunden. Entscheidend ist daher weniger der Kalender „2028“, sondern die Frage, wie Betriebe im Vorfeld ihre internen Regeln zur Tätigkeitsabgrenzung, zur Dokumentation und zur Einsatzplanung so aufsetzen, dass die Prozentstufen nicht zu neuen Unsicherheiten führen, sondern den Wiedereinstieg tatsächlich stabilisieren.
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