LONDON (IT BOLTWISE) – Mark Cuban ordnet Künstliche Intelligenz klar als Chance für den Arbeitsmarkt ein, warnt aber vor spürbaren Verschiebungen bei bestimmten Tätigkeiten. Besonders gefährdet sieht er Einstiegsjobs mit stark regelbasierten, wiederholbaren Aufgaben. Zudem beschreibt er, warum in Softwareentwicklung, Kundenservice sowie in Teilen von Analyse, Compliance und Rechtsunterstützung neue Arbeitsweisen entstehen. Seine Kernbotschaft: Wer schneller KI-Workflows beherrscht, bleibt produktiv – und reduziert damit den Druck, den Umbrüche im Jobwechsel auslösen können.

Mark Cuban: Welche Jobs durch KI besonders unter Druck geraten
Mark Cuban: Welche Jobs durch KI besonders unter Druck geraten (Foto: IT BOLTWISE)
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Mark Cuban ist mit seiner Einschätzung nicht der Typ fürs einfache „alles wird ersetzt“-Narrativ. Stattdessen argumentiert der Investor in mehreren Aussagen, dass KI den Jobmarkt insgesamt verbessern kann, gleichzeitig aber die Art der Arbeit verändert. Das klingt zunächst nach einem allgemeinen Schlagwort – wird aber konkret, wenn man sich anschaut, welche Aufgaben nach Cubans Logik besonders leicht automatisierbar sind: vor allem Tätigkeiten, die stark durch Regeln, kurze Entscheidungen und wiederholte Muster geprägt sind. Gerade für Berufseinsteiger entsteht dadurch ein anderer Einstiegspunkt als bisher, weil „Learning-by-doing“ in vielen Einstiegsrollen zunehmend durch „Learning-by-coordinating“ ersetzt wird: Man muss KI nutzen können, statt nur am unteren Ende einer Prozesskette neue Schritte auszuführen.

Technisch betrachtet ist der Grundmechanismus relativ eindeutig: Moderne KI-Systeme, insbesondere Large Language Models (LLMs) und agentenfähige Workflows, sind darin stark, aus Eingaben schnell passende Ausgaben abzuleiten – oft ohne dass ein Mensch jede einzelne Regel explizit vorgeben muss. In Cubans Beispiele fallen vor allem Tätigkeiten ins Gewicht, bei denen die sichtbare Arbeit aus dem „Umsortieren“, „Umschreiben“ oder „Beantworten“ besteht. Ein klassisches Muster sind frühe Rollen, in denen Beschäftigte Daten eingeben, Felder nach Standards befüllen oder Inhalte in ein vorgegebenes Format bringen. Wenn ein System in wenigen Sekunden ähnliche Ergebnisse liefern kann, verschiebt sich der Bedarf von manuellen Ausführungen hin zur Fähigkeit, Ergebnisse zu prüfen, Fachkontext einzubringen und die KI in den richtigen Prozess einzubauen.

Auch in der Softwareentwicklung macht Cuban denselben Hebel fest. Routinecoding, also Aufgaben, bei denen man wiederkehrend „vorlagengetrieben“ Code schreibt oder einfache Teilkomponenten implementiert, wird seiner Darstellung nach zunehmend von KI übernommen. Das bedeutet nicht automatisch, dass weniger Menschen gebraucht werden – aber die Anforderungsprofile ändern sich. Neue Entwickler sollen nicht nur den Syntax-Teil beherrschen, sondern KI-gestützte Entwicklungsabläufe verstehen: Prompting, Iteration, Qualitätssicherung, Tests und die Fähigkeit, aus Fehlern schnell wieder in einen produktiven Bearbeitungslauf zu kommen. Cubans Bild ist dabei nicht „KI als kreativer Zauberer“, sondern KI als System, das Output generiert, während Menschen stärker verantwortlich machen müssen: für Ziele, Kontext, Nebenbedingungen und dafür, dass das Ergebnis auch wirklich die gewünschte Wirkung im Produktumfeld hat.

Im Kundendienst und in Call-Centern sieht Cuban ebenfalls einen klaren Trend. In den letzten Jahren haben KI-gestützte Systeme dort nachweislich Fortschritte gemacht, weil sie häufige Anfragen, einfache Problemklassen und standardisierte Workflows deutlich schneller abarbeiten können als Teams, die jede Anfrage manuell nachbearbeiten. Wenn ein Unternehmen zudem intern bereits Wissen verfügbar macht, kann ein KI-Agent Anfragen in kürzerer Zeit bearbeiten und Routinethemen annehmen, bevor es überhaupt zu eskalationsfähiger Arbeit kommt. Cubans Formulierung zielt dabei auf Disintermediation: Aufgaben, die früher Auszubildende oder Praktikanten im „Copy-and-Route“-Modus erledigten, wandern in Richtung automatisierter Agenten. Für Startups, die schnell wachsen und ihre Kostenstruktur früh stabilisieren müssen, wird das besonders attraktiv, weil sich die Skalierung damit stärker über Software als über Personal steuern lässt.

Bei Research- und Datenanalyse-Rollen setzt Cuban weniger auf „KI ersetzt den Analysten komplett“, sondern auf eine andere Arbeitsteilung. LLMs funktionieren dabei in der Praxis wie eine Art beschleunigte Schnittstelle zu Informationen: Sie können große Mengen an Textmaterial zusammenfassen, Thesen formulieren, Datenpunkte strukturieren und Such-ähnliche Aufgaben schneller anstoßen als klassische manuelle Recherche. Genau dadurch verändern sich Stellenbilder. Der Anteil, der aus reiner Informationssammlung oder dem Durcharbeiten von Dokumenten besteht, schrumpft häufig – der wertvollere Teil liegt dann stärker in der Auswahl der Datenquelle, in der methodischen Einordnung und im „Fit“ der Ergebnisse für eine konkrete Entscheidung. Cuban bringt das auf den Punkt, indem er zwischen „Information“ und „Wissen“ unterscheidet: Ein Modell kann die Inhalte verarbeiten, aber Menschen müssen die Ergebnisse so verankern, dass sie in Unternehmensziele, Risiken und Sicherheitsanforderungen passen.

Besonders weitreichend sind aus Cubans Sicht die Effekte in Bereichen wie Finance- und Legal-Support, vor allem dort, wo Dokumente geprüft, aus Vorlagen eine Compliance-Plausibilisierung abgeleitet oder Textpassagen für interne Freigaben aufbereitet werden. Solche Aufgaben sind häufig gut automatisierbar, weil sie stark regelgeleitet ablaufen: Wo steht was? Welche Formulierungen sind zulässig? Stimmen Felder überein? In dem Moment, in dem LLMs und KI-gestützte Prüfagenten diese Muster erkennen und überwachen können, verschiebt sich die Arbeit von „Dokumente lesen und abgleichen“ hin zu „Kontrollen konfigurieren“, „Ausnahmen bewerten“ und „Prozessdesign neu ausrichten“. Cuban formuliert daraus eine harte Konsequenz für Unternehmen: Wer KI wirklich nutzen will, muss laut seiner Darstellung Prozesse und Strukturen so umbauen, dass Agenten nicht nur Tools bleiben, sondern in die Wertschöpfung eingebettet werden.

Die Marktdimension dieser Verschiebung wird auch über Hiring-Signale sichtbar. In dem zugrunde liegenden Material wird auf eine VC-Analyse verwiesen, die Jobwechsel über LinkedIn-Daten beobachtet und für das Jahr 2025 berichtet, dass neue Absolventen nur 7% der „Big Tech“-Einstellungen ausmachten. Das entspreche einem Rückgang um 25% gegenüber dem Vorjahr und liege damit deutlich über dem Niveau, das man vor der Pandemie gesehen habe. Diese Zahl ist keine Garantie für jedes Unternehmen – aber sie passt zu Cubans Grundlogik: Wenn Einstiegsrollen, die früher als „Trainingsplatz“ dienten, zunehmend von KI-Workflows abgearbeitet werden, entstehen weniger neue Sitze genau dort, wo Nachwuchs normalerweise zuerst Fuß fasst. In der Praxis heißt das für Beschäftigte und Bewerber: Wer KI-Workflows nicht nur konsumiert, sondern produktiv integriert – etwa in Recherche, Qualitätssicherung oder Prozessautomatisierung – kann sich schneller als „multiplikationsfähige“ Rolle positionieren statt als austauschbare Ausführungsinstanz.

Interessant ist dabei, dass Cuban trotz der Warnung keinen Untergangs-Case zeichnet. Seine Kernaussage lautet vielmehr: Es gibt noch Bedarf an Menschen – nur eben für Aufgaben, bei denen Verantwortung, Kontext und Zielsteuerung stärker zählen als das reine Abarbeiten. Unternehmen wiederum stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen zum einen Automatisierung so gestalten, dass sie nicht nur „Output beschleunigt“, sondern tatsächlich die Qualität der Entscheidungen verbessert. Zum anderen müssen sie ihre Teamstruktur überdenken, weil KI häufig Aufgaben in die vorgelagerte Prozesslogik verlagert. Für die nächsten Monate dürfte deshalb nicht die Frage „Kommt die Automatisierung?“ dominieren, sondern „Welche Rollen werden in Richtung KI-Koordination, Review und Prozessdesign umgebaut?“


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