LONDON (IT BOLTWISE) – WiCi will mit dem WiCi One erstmals eine externe GPU ohne Thunderbolt 5 oder OCuLink über Wi‑Fi 7 als Netzwerkdienst bereitstellen. Laut Firmenangaben soll sich die Rechenleistung auf mehrere Geräte im gleichen Netzwerk verteilen lassen. In einer Demo lief Cyberpunk 2077 mit über 90 fps, daneben werden auch KI-Workloads mit gängigen Tools genannt. Erste Auslieferungen sind für das vierte Quartal 2026 geplant.

Bisher war der Engpass bei externen GPUs weniger die Software als die Verbindung: Ein Desktop-Renderer hängt typischerweise mit hoher Bandbreite an der GPU, während Laptops und Mini-PCs meist nur über Schnittstellen wie Thunderbolt 5, OCuLink oder zunehmend USB4 an ein eGPU-Gehäuse herankommen. Genau diese Abhängigkeit von „Hochgeschwindigkeitskabeln“ versucht WiCi mit dem WiCi One zu umgehen. Die Idee ist dabei nicht, die GPU schlicht „auszulagern“, sondern sie im Netzwerk als Hardware-Ressource darzustellen: Nutzer sollen sich mit einem Gerät in ein Wi‑Fi-Netz einwählen können, das die eGPU als Funkdienst verfügbar macht.
Technisch wird dafür Wi‑Fi 7 als entscheidender Hebel genannt. WiCi argumentiert, dass moderne Funknetze GPU-Kommandos und relevante Datenströme über mehrere Geräte hinweg transportieren können, sodass ein eGPU-Gehäuse nicht nur von einem einzelnen Client genutzt wird. In der beschriebenen Demonstration erscheint das Setup als eigenes Wi‑Fi-Netz, in das sich ein Anwender mit einem „modest-looking“ Laptop einloggt. Der konkrete Einfluss auf Latenz und Bildstabilität hängt in der Praxis stark davon ab, wie genau die Funkstrecke paketiert wird und welche Daten priorisiert werden; dennoch signalisiert die genannte Performance aus einer Cyberpunk-2077-Ansicht über 90 fps zumindest, dass WiCi den Overhead nicht nur theoretisch adressiert.
Das Produkt richtet sich laut Ankündigung nicht ausschließlich an klassische Gaming-Setups. WiCi nennt als Zielumgebungen neben Spielen auch KI-Workloads und Kreativ-Software, darunter Hugging Face, Ollama, Blender, Unreal Engine, CapCut und OBS Studio. Für Unternehmen ist das relevant, weil sich „GPU für alles“ oft nicht sauber genug aufrollen lässt: Entweder fehlen für bestimmte Tools kompatible Hardwareprofile oder die Workflows sind so unterschiedlich, dass der Nutzen eines einzelnen Beschleunigers sinkt. Eine drahtlose eGPU, die sich als durchgängige Compute-Quelle anfühlt, könnte hier die Hürde senken, Geräte mit kleineren Formfaktoren kurzfristig aufzurüsten, ohne sofort in stationäre Workstations zu investieren.
Die angekündigten Benchmarks liefern dafür Anhaltspunkte, allerdings mit einem klaren Disclaimer: Es handelt sich um interne Messwerte. WiCi stellt zwei Varianten in Aussicht, eine günstigere mit Nvidia RTX 5060 Ti und eine Premium-Version mit Nvidia RTX 5090. Für die 5060-Ti-Variante nennt WiCi bei Cyberpunk 2077 etwa 80 fps und bei Black Myth: Wukong 60 fps in 4K unter Ultra-Settings mit DLSS; die 5090-Version soll dagegen auf 110 fps (Cyberpunk) beziehungsweise 90 fps (Wukong) kommen. Diese Differenzen passen grundsätzlich zum erwartbaren Leistungsgefälle zwischen GPU-Klassen, doch in einer drahtlosen Architektur entscheidet am Ende ebenfalls, wie viel effektive Bandbreite dauerhaft für Texturen, Shader-Workloads und Rückkanäle wie Eingabedaten verfügbar bleibt.
Spannend wird es bei den Angaben zur LLM-Performance und bei Video-Workloads. Laut WiCi kann die 5060-Ti-Variante DeepSeek V4 Flash mit 8 tok/s sowie Gemma 4 mit 140 tok/s verarbeiten; das Premium-Modell erreicht 20 tok/s bei DeepSeek und mehr als 500 tok/s bei Gemma. Für CapCut nennt WiCi Exportraten von 4K mit 75 fps (5060 Ti) und 90 fps (5090), während Adobe Premiere Pro 4K H.264-Ausgaben mit 70 fps beziehungsweise 90 fps liefern soll. Solche Zahlen sind vor allem dann aussagekräftig, wenn sie unter realistisch reproduzierbaren Bedingungen entstehen: Konstante Netzwerkqualität, definierte Auflösung, definierte Preprocessing-Schritte und gleichbleibende Modellkonfigurationen. Gerade bei KI-Tools können zudem Pipeline-Details (Batching, Prompt-Länge, Kontextfenster) den Durchsatz stark verschieben.
Auch beim Markt- und Wettbewerbsbild ist die Timing-Komponente entscheidend. WiCi positioniert das WiCi One als „ersten erfolgreichen“ wireless eGPU-Ansatz und startet Interessenten-Registrierungen bereits jetzt. Der Produktfahrplan sieht Auslieferungen im vierten Quartal 2026 vor, außerdem nennt WiCi zwei Modelle. Die günstigere Variante soll für Early Birds bei 2.000 US-Dollar starten, hat aber einen genannten MSRP von 2.600 US-Dollar. Für die RTX-5090-Variante werden Preisdetails erst näher am Launch erwartet. Für Käufer im Enterprise-Umfeld bedeutet das: Wer erst später ausrollt, muss nicht nur die reine Hardware kalkulieren, sondern auch die Kosten für Betrieb, Netzwerksegmentierung und mögliche Workarounds, falls bestimmte Endgeräte oder OS-Setups nicht exakt in das erwartete Nutzungsmuster passen.
Ein zusätzliches Element ist das Angebot, ein WiCi One im Rahmen eines Wettbewerbs zu gewinnen, indem Nutzer Nutzungsszenarien einreichen. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein Marketing-Mechanismus, kann aber strategisch helfen, reale Use-Cases zu sammeln: etwa „GPU-Pooling“ innerhalb eines Teams, temporäre Render- oder Inferenzspitzen auf Tablets und Laptops oder ein setzbarer Einstieg in KI-gestützte Workflows ohne den Umweg über lokale High-End-Hardware. Ob WiCi dabei in der Praxis die Kombination aus Gaming-Glätte, KI-Durchsatz und stabiler Funkstrecke dauerhaft liefern kann, wird letztlich der Rollout zeigen. Wenn die drahtlose Verbindung tatsächlich so zuverlässig ist, dass mehrere Geräte eine eGPU effektiv mitnutzen können, könnte das den Austauschzyklus in vielen kleineren Organisationen beschleunigen: Statt einzelne Workstations zu priorisieren, würde die GPU-Kapazität stärker als „shared resource“ gedacht.
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