LONDON (IT BOLTWISE) – Apollo Atomics setzt bei Kernkraft nicht auf einen neuen Reaktorkern, sondern auf eine radikal kompaktere Umwandlung von Wärme in Strom. Im Zentrum steht der Steam-Generator, der laut Angaben des Startups massenfertigbar und etwa so groß wie eine Person sein soll. Das Unternehmen plant einen Demonstrator vor dem Markteintritt im Jahr 2028. Finanziert wird der Schritt durch eine Seed-Runde über 26 Mio. US-Dollar, darunter 5 Mio. US-Dollar als Debt-Komponente.

Apollo Atomics will mit kompaktem Steam-Generator Kernkraft günstiger machen
Apollo Atomics will mit kompaktem Steam-Generator Kernkraft günstiger machen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Kernenergie erlebt gerade einen Finanzierungsschub: Startups sammeln Kapital, um fortgeschrittene Reaktorkonzepte zu entwickeln und damit mittelfristig die Kosten zu senken. Apollo Atomics greift dieses Thema jedoch aus einem anderen Winkel an. Laut Gründerteam-Assil Halimi und Drew Walker adressiert das Startup nicht zuerst den Reaktor selbst, sondern den „unsexy“ Engpass in der Stromkette: den Steam-Generator, also die Komponente, die aus der im Reaktorkreislauf geführten Wärmeprozessenergie Dampf erzeugt und damit eine Turbine antreibt. Damit verschiebt Apollo die Kostenlogik dorthin, wo sich häufig große Teile der Baugröße, Fertigungsaufwände und Montagezeiten verstecken.

Technisch betrachtet dreht sich die Diskussion um die Umwandlung von thermischer Energie in elektrische Arbeit. In klassischen Anlagen laufen große Rohrsysteme, in denen der Reaktorkühlmittelstrom geführt wird, während umgebendes Wasser zur Dampferzeugung dient. Apollo will genau diese Architektur in Richtung Kompaktheit und Effizienz ändern: Der Steam-Generator soll die beiden Fluid-„Loops“ in einem kompakten Metallblock zusammenführen. In diesem Block verlaufen nach Unternehmensangaben nadeldünne Kanäle, die den Wärmeaustausch begünstigen und damit die Baugröße reduzieren können. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelner Materialtrick, sondern das Gesamtsystem, das durch eine deutlich kleinere Wärmeübertragungseinheit insgesamt „kleiner“ wird.

Aus der Perspektive der Industrierealisierung sind solche Änderungen oft genauso wichtig wie die thermodynamische Auslegung. Halimi betont, dass Apollo eine massenfertigbare Version dieses Bauteils anstrebt. Während viele Steam-Generatoren handgebaut und mehrstöckig dimensioniert sind, beschreibt das Startup seine Ausprägung als etwa in der Größenordnung einer Person. Übertragen auf das System heißt das: Apollo zufolge lässt sich der gesamte Aufbau auf eine Reaktorauslegung übertragen, die 40-mal kleiner sein soll als ein Vergleichsdesign mit konventionellem Steam-Generator. Die Kompaktheit wirkt wiederum direkt auf die Bauplanung, denn das Unternehmen plant, Reaktor und Steam-Generator in einer Fabrik zu montieren statt wie bei heutigen Kernkraftwerken weitgehend vor Ort zu arbeiten.

Diese Fertigungsstrategie wird durch konkrete Projekt- und Finanzierungsangaben unterfüttert. Apollo will vor einer geplanten kommerziellen Deployment-Phase bis 2028 einen Demonstrator bauen und hat dafür eine Seed-Runde über 26 Mio. US-Dollar abgeschlossen; darin stecken 5 Mio. US-Dollar als Debt-Komponente. Die technische Basis ordnet Apollo außerdem Forschungsarbeiten am MIT zu, die in das Design eingeflossen seien. Als wirtschaftliches Ziel nennt Halimi einen Strompreis von 3 Cent pro Kilowattstunde für ein Apollo-Kraftwerk. Damit setzt das Startup eine klare Benchmark: Es will nicht nur inkrementell an einzelnen Stellschrauben drehen, sondern die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Erdgas erreichen.

Ein weiterer Hebel liegt in der Skalierung und in der Lernkurve durch eine reproduzierbarere Fertigung. Apollo hat bereits einen kleinen Reaktor mit 40 Kilowatt am MIT errichtet, der die Technologie demonstrieren soll. Für den späteren Produktweg plant das Unternehmen drei Größenordnungen, von 10 Megawatt elektrisch bis hin zu 300 Megawatt. In seinem Ausblick verbindet Halimi die Fabrikmontage mit kurzen Bauzeiten und niedrigeren Produktionskosten: Laut Angaben des CEO soll ein 300-MW-Kraftwerk in weniger als 24 Monaten gebaut werden können. Zudem erwartet Apollo, dass der Reaktor selbst vier- bis fünfmal weniger kostet als vorhandene Designs. Für Betreiber und Investoren ist das vor allem deshalb relevant, weil sich bei Kernkraftprojekten die Total Cost of Ownership selten nur aus Material- und Energiewerten ergibt, sondern stark von Bauzeit, Montagekomplexität und standardisierbarer Lieferkette abhängt.

Marktseitig ordnet sich Apollo damit in ein Bild ein, in dem viele Kernkraft-Startups zwar fortgeschrittene Reaktorkonzepte entwickeln, aber die Kostenseite oft an der Schnittstelle zwischen Design und Fertigung entscheidet. Wenn der Steam-Generator als „größtes Bauteil“ zuerst optimiert wird, kann das auch Investitionsentscheidungen beeinflussen: Wer kleinere, standardisierbarere Module liefert, reduziert potenziell Projekt-Risiken durch weniger Vor-Ort-Arbeit und verkürzt die Zeit bis zur Inbetriebnahme. Gleichzeitig bleibt die eigentliche Herausforderung bei jeder frühen Generation bestehen: Aus Labor- und Demonstrationsdaten müssen belastbare Aussagen zu Dauerbetrieb, Wartbarkeit, Fertigungsstreuung und Systemintegration werden. Apollo liefert dazu mit dem 2028-Ziel und dem 40-kW-Demonstrator eine Roadmap, die vor allem die Skalierung der Komponentenfertigung in den Vordergrund rückt.


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