LONDON (IT BOLTWISE) – Die potenziellen Gesamtkosten für das neue nuklearbetriebene BBG(X)-Schlachtkreuzer-Programm der US Navy schätzt das Congressional Budget Office auf bis zu 275 Mrd. USD. Für den ersten Trump-Class-Kahn nennt der Bericht 23,4 Mrd. USD. Der Entwurf soll ab 2028 in Serie gehen und dabei neben Flugabwehr, Landangriff und Seezielen auch Hyperschall-, Nuklear-Kreuzfahrt- und Laserwaffen sowie eine Railgun umfassen. Gleichzeitig warnt das CBO vor Kapazitätsengpässen in der Werftindustrie bis in die Mitte des Jahrhunderts.

Die Diskussion um die nächste Generation großer Überwasserkampfschiffe bekommt eine harte finanzielle Oberkante: Das Congressional Budget Office (CBO) beziffert das potenzielle Budget für das neue nuklearbetriebene Battleship-Beschaffungsprogramm auf insgesamt 275 Mrd. USD. Ausgangspunkt ist das als BBG(X) bezeichnete erste Schiff einer neuen „Trump-class guided missile battleship“-Kategorie, die im Dezember als neuer Ansatz für große Oberflächenkampfeinheiten angekündigt wurde. Für den Start heißt es im CBO-Bericht konkret: Die ersten Kosten für das erste Schiff werden mit 23,4 Mrd. USD angesetzt. Dass schon die Zahlengrößenordnung nach oben offen wirkt, liegt nicht nur an der Kernantriebsarchitektur, sondern auch an der Waffenlast, die das Design perspektivisch abdecken soll.
Technisch betrachtet soll die Plattform, sofern sie in der geplanten Spezifikation gebaut wird, mit einem 35.000-Tonnen-Rumpf zu den am stärksten bewaffneten Einheiten gehören, die die US Navy jemals als reines Oberflächenschiff auf Kiel gelegt hat. Der Bericht ordnet dem Konzept ein sehr breites Missionsportfolio zu: Luftabwehr, Landangriff und Seezielbekämpfung über ein Bündel aus weitreichenden Lenkwaffen. Hinzu kommen Hyperschallwaffen sowie nukleare Marschflugkörper; außerdem nennt das CBO große Laser-Subsysteme und eine Railgun. Genau hier wird der Charakter des Programms deutlich: Es ist nicht als Ersatz für einzelne Teilfähigkeiten gedacht, sondern als „Kombinationsplattform“ für mehrere Wirkprinzipien in einem Rumpf, also eine Art Waffen-„Schrank“ auf See.
Die Dimension wird in Relation zur bisherigen Flotte besonders greifbar. Laut CBO wäre das Schiff mit den genannten Spezifikationen das größte Surface Combatant der Welt und zugleich größer als jedes vergleichbare Oberflächenschiff der US Navy seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Bericht rechnet dabei auch mit Skalierungsfaktoren: Das Trump-class Design soll mehr als das 3,5-Fache des Verdrängungsumfangs der Arleigh Burke-class Guided Missile Destroyer erreichen und mehr als doppelt so groß sein wie die Zumwalt-class Guided Missile Destroyer. Auch die mögliche Produktionsplanung zeigt, warum sich der Programmansatz so stark auf die Werften auswirken kann: Die Navy plant demnach zwischen 2028 und 2056 den Bau von 15 Trump-class Guided Missile Battleships, die anschließend folgenden 14 Schiffe mit jeweils 18 Mrd. USD zu kalkulieren.
Damit rückt neben der reinen Stückkostenfrage sofort die industrielle Umsetzung in den Fokus. Bis 2058 muss nach CBO-Angabe der Gesamttonnagebedarf für „large surface combatants“ um 60 Prozent steigen – und das könne für die US-Schiffbauindustrie eine Herausforderung werden. Konkret verschiebt sich damit auch der Produktionsmix: Der Bericht erwartet, dass die Werften 2025 auf Basis der 2027er Planvorgaben etwa 12 % mehr Tonnage liefern müssten als nach der 2025er Version. Eine solche Umstellung beeinflusst nicht nur Terminpläne, sondern auch Engineering-Kapazitäten, Zulieferketten und die Möglichkeit, Schiffe parallel zu modernisieren. Ergänzend nennt das CBO für die Zielerreichung einen sehr regelmäßigen Takt: Von 2028 bis 2056 müsste etwa alle zwei Jahre ein „Battleship“ gebaut werden, während gleichzeitig zwei DDG-51 Zerstörer pro Jahr weiterlaufen sollen.
Dass diese Parallelität nicht automatisch „durchgedrückt“ werden kann, untermauert ein weiteres Dokument: Im März hat das Government Accountability Office (GAO) eine Bewertung veröffentlicht, die über fast zwei Jahrzehnte hinweg nur begrenzten Fortschritt im US-Schiffbau sieht. Laut GAO wurden zu wenige Schiffe gebaut, neuere Einheiten funktionieren nicht wie erwartet und teils werden Schiffe bis zu drei Jahre später ausgeliefert als bestellt. In einem Statement vor dem Senate Armed Services Committee verwies Shelby S. Oakley, eine GAO-Direktorin, darauf, dass unrealistische Annahmen zu Kosten und Zeitplänen Ressourcen fehlgeleitet hätten und Verzögerungen erzeugten; das Ergebnis sei, dass Navy-Programme und Werften effektiv in einem „perpetual state of triage“ operieren müssten. Genau in so einem Umfeld werden Großprojekte besonders anfällig: Je komplexer die Anforderungen, desto größer wird die Fehler- und Nacharbeitswahrscheinlichkeit, wenn die Planungsannahmen nicht belastbar sind.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kommt zudem ein weiterer Hebel ins Spiel: Das CBO argumentiert, dass der große Preis zwar zunächst „up front“ massiv ausfällt, der Wechsel auf nuklearen Antrieb aber über die Zeit die laufenden Betriebskosten senken könnte. Hintergrund ist die potenzielle Einsparung bei der Beschaffung von Treibstoff, weil der Antrieb nicht über klassische Treibstofflieferketten abhängt. Allerdings liefert das GAO in der Quelle keine belastbare Zahl zu möglichen Einsparungen, und das bleibt ein zentraler Punkt für jede Lebenszyklusrechnung. Unabhängig davon zeigt der Bericht auch, wie dynamisch die Kostenlinie bereits im Vorfeld war: Seit der Dezemberankündigung sei der geschätzte Preis „a moving target“ gewesen; als aktuelles Update nennt das CBO für die 23,4 Mrd. USD eine Größenordnung, die um grob „sechs Milliarden“ über einer anfänglichen Navy-Projektion liegen soll. Für Entscheider bedeutet das: Schon die Entwicklung der Schätzungen signalisiert, dass Risiko- und Kostenmanagement hier nicht am Rand steht, sondern den Kern der Beschaffungsstrategie berührt.
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