LONDON (IT BOLTWISE) – ConnectWise hat eine „Serviceunterbrechung“ für sein Cloud Backup gestartet, nachdem es unautorisierte Zugriffe auf Anwendungs-Identitäten in seiner Cloud festgestellt hat. Weil Cloud Backup eng mit SaaS Security und Cloud Management verknüpft ist, sind diese integrierten Dienste ebenfalls vorübergehend suspendiert. Als Ergebnis sind für Partner und Endkunden bis zur Wiederaufnahme keine Backups möglich, während bereits vorhandene Archive verschlüsselt und isoliert bleiben. Parallel werden in der Branche Hinweise zur Prüfung von M365-Anwendungsanmeldedaten gefordert.

ConnectWise fährt aktuell eine Sicherheitsmaßnahme mit klaren Folgen: Der Anbieter von ERP- und Management-Tools für Managed Service Provider (MSPs) hat für Cloud Backup eine „Serviceunterbrechung“ eingeleitet. Laut Advisory wurde am 15. ein unautorisierter Zugriff auf application identities innerhalb der ConnectWise Cloud Backup Umgebung erkannt. Die Sperre betrifft Partner und Kunden, die Cloud Backup nutzen – früher unter dem Namen SkyKick bekannt – und sie wirkt nicht nur auf den Backup-Flow selbst, sondern auch auf weitere integrierte Module, weil diese an dieselben Cloud-Backends gekoppelt sind.
Technisch betrachtet ist die Relevanz dieses Schritts weniger die reine Datensicherung, sondern die Art der Identitäten, auf die der Zugriff erfolgte: ConnectWise spricht von kompromittierten oder zumindest unautorisierten application identities. In solchen Setups werden typischerweise API-Schlüssel, OAuth-ähnliche Anwendungszugriffe oder Service-Principal-Mechanismen genutzt, um aus einer externen Plattform heraus Aktionen in Zielumgebungen wie Microsoft 365 oder Google Workspace auszuführen. Genau diese „Brücken“ sind für MSP- und Backup-Ketten der kritische Pfad, weil ein Verlust von App-Berechtigungen häufig nicht sofort als „Ransomware“ sichtbar wird, sondern zunächst über Berechtigungen in das Zielsystem weiterwirkt.
Die Auswirkungen lassen sich an den praktischen Funktionen ablesen: Stand 16:00 UTC am 18. Oktober blieben die Dienste verfügbaritätsseitig offline. Das bedeutet für Endnutzer, dass sie ihre Daten nicht sichern, ihre Archive nicht abrufen und keine Wiederherstellungen durchführen können. ConnectWise stellt dabei gleichzeitig klar, dass bestehende Archive weiterhin verschlüsselt, isoliert und erhalten bleiben und dass nach eigenen Angaben kein Hinweis auf unautorisierte Zugriffe auf diese Bestände vorliege. Ergänzend laufen Monitoring, forensische Analysen und Threat Hunting; zudem hat der Anbieter Integrationen teilweise deaktiviert, darunter Verbindungen zwischen Cloud Backup und Exchange, Teams, SharePoint Online sowie eigenen Produkten.
Deutlich schärfer formuliert es der Sicherheitsdienst Huntress: Der Meldung zufolge habe ein Microsoft-365-Zugang (API secret), der ConnectWise Cloud Backup zugeordnet ist, eine Kompromittierung erfahren. Huntress bestätigt den Angaben zufolge, dass dieser Zugriff genutzt werde, um unautorisierte Handlungen in M365-Umgebungen von Kunden durchzuführen. In einem weiteren konkreten Szenario, das Huntress beschreibt, soll eine ConnectWise-Anwendung in einem Partner-Tenant Global Administrator-Rechte erhalten haben und anschließend neue Credentials zu weiteren Anwendungen hinzugefügt haben; betroffen seien demnach auch Anwendungen, die in diesem Tenant als Single-Tenant-Objekt einzigartig für den jeweiligen Partner existieren.
Wichtig ist dabei der Kernpunkt für die Risikoabschätzung: „Das Abschalten“ missbrauchter M365-Apps entfernt nicht automatisch bereits hinzugefügte Berechtigungen. Huntress warnt, dass Credentials, die schon in der Zielumgebung registriert wurden, durch das Deaktivieren einzelner Anwendungen nicht automatisch rückgängig gemacht werden. Deshalb lautet die operative Botschaft für MSPs und deren Kunden: Sie müssen die Credentials auf allen M365-Anwendungen überprüfen. Genau hier liegt jedoch die organisatorische Reibung, denn ConnectWise hat naturgemäß keine vollständige Kenntnis über die konkreten Setups in den verwalteten M365-Tenants seiner MSP-Kunden – der MSP betreibt die Beziehung zum Endbenutzer und entscheidet, welche Plattformen sichtbar sind und wie eng Integrationen dokumentiert werden.
Für den Markt ist das ein klassisches Muster, das schon andere Vorfälle in der MSP-Landschaft geprägt hat: Angreifer suchen nicht nur einzelne Unternehmen, sondern versuchen über Service-Provider eine „mehrstufige“ Reichweite aufzubauen. Die 2021 bekannt gewordene Attacke auf Kaseya wird in solchen Zusammenhängen als Beispiel dafür genannt, wie kompromittierte Verwaltungs- oder Managementwege zu einer Kaskade von Erfolgen führen können. ConnectWise steht damit vor einer zweifachen Aufgabe: Erstens muss die eigene Integrationskette aus Cloud Backup, Sicherheits- und Managementmodulen wieder in einen sicheren Zustand gebracht werden; zweitens müssen MSPs ihre Kundenkommunikation so organisieren, dass notwendige Prüfungen in M365 ohne Blindflug stattfinden.
ConnectWise sagt, es könne Threat-Actor-Attribution derzeit nicht kommentieren, weil der Fokus auf Untersuchung, Remediation und Unterstützung betroffener Partner liegt. Gleichzeitig fordert der Anbieter seine Kunden auf, M365-Umgebungen auf Anzeichen einer Kompromittierung zu prüfen. Für IT-Leiter und Security-Verantwortliche bedeutet das kurzfristig vor allem eins: Credential Hygiene. Dazu gehören das Prüfen der in Microsoft 365 hinterlegten Anwendungszugriffe, das Abgleichen erwarteter Integrationen gegen Ist-Zustände sowie das Festlegen eines klaren Prozesses, wie MSP-seitige Plattformänderungen in Endkunden-Tenants nachvollziehbar dokumentiert und rückgerollt werden können.
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