LONDON (IT BOLTWISE) – ConnectWise hat sieben Anwendungs-Identitäten deaktiviert, nachdem Angreifer offenbar Microsoft-365-Tenants über gestohlene App-Zugänge kompromittiert hatten. Zusätzlich stoppt der Anbieter den Cloud-Backup-Dienst, indem er Zertifikate für betroffene Verbindungen über alle Nutzer hinweg widerruft. Laut Angaben des Unternehmens war der Schritt am 17. Oktober 2026 um 07:00 UTC, nachdem das Problem bereits am 14. Oktober per Monitoring erkannt worden war. Für Administratoren gilt: Backup-Wiederherstellung und betroffene Archive sind vorerst nicht verfügbar, während verschlüsselte Datenbestände erhalten bleiben.

ConnectWise sperrt Cloud-Backup- und Entra-App-Identitäten nach Microsoft-365-Angriff
ConnectWise sperrt Cloud-Backup- und Entra-App-Identitäten nach Microsoft-365-Angriff (Foto: IT BOLTWISE)
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ConnectWise fährt nach einem Angriff auf Microsoft-365-Tenants den Zugriff auf zentrale Cloud-Backups und Management-Funktionen stark zurück. Der IT-Management-Anbieter hat dazu sieben ConnectWise-Anwendungsidentitäten deaktiviert und den Cloud-Backup-Dienst über einen Zertifikatswiderruf für alle Nutzer ausgesetzt. Hintergrund ist eine Untersuchung, in der das Unternehmen unautorisierte Zugriffe auf App-Identitäten und damit verbundene Zugriffswege in Microsoft 365 verfolgt.

Der konkrete Maßnahmenkatalog setzt direkt an der Authentisierungsebene an: Laut ConnectWise erfolgte die Deaktivierung am 17. Oktober 2026 um 07:00 UTC. Für die betroffenen Verbindungen werden Zertifikate entfernt bzw. ihre Nutzung entzogen, sodass über diese App-Verbindungen keine neue Authentifizierung mehr möglich ist. Dabei stellt das Unternehmen klar, dass die Maßnahme frühere Änderungen innerhalb eines Tenants nicht „rückgängig“ macht. Außerdem weist ConnectWise darauf hin, dass bereits ausgestellte Zugriffstokens unter Umständen noch bis zum Ablauf weiter verwendbar bleiben könnten, sofern sie nicht anderweitig invalidiert werden; neue unautorisierte Berechtigungen, die über separate Identitäten entstanden sind, erfordern zusätzliche Prüfung und Aufarbeitung.

Für Betreiber von ConnectWise-gestützten Betriebs- und Backup-Prozessen bedeutet das vor allem Betriebsunterbrechung, aber zugleich eine Sicherheitsstrategie für bestehende Daten: Geplante Backups laufen demnach nicht mehr, und der Zugriff auf Backup-Archive sowie Wiederherstellungsfunktionen bleibt zunächst blockiert. Die in den Archiven gespeicherten Daten seien jedoch weiterhin verschlüsselt, isoliert und erhalten; es gebe zudem keine Hinweise darauf, dass die Archive durch die Angreifer kompromittiert oder ausgelesen wurden. Parallel hat ConnectWise „aus Sicherheits- und Vorsichtsgründen“ SaaS Security und Cloud Management vorübergehend offline genommen, bis die Prüfung abgeschlossen ist.

Technisch wird das Risiko besonders deutlich, weil der Angriff nicht zwingend mit dem klassischen Diebstahl von Nutzerpasswörtern arbeitet. Stattdessen können Angreifer die App-Anmeldeinformationen missbrauchen, um sich gegenüber Microsoft Entra ID als die Anwendung selbst auszugeben. Microsoft erzeugt dann Zugriffstokens auf Basis der den App-Identitäten bereits zugewiesenen Rechte. Je nachdem, wie weit die Rechte der ConnectWise-Anwendungen ausgebaut wurden (für Backup- und Managementaufgaben), kann ein Angreifer damit potenziell weitere Microsoft-Dienste erreichen, darunter Mailboxen, SharePoint-Dokumente, Teams-Nachrichten und Verzeichnisinformationen.

Dieses Angriffsmodell erklärt auch, warum ein bloßes Zurücksetzen einzelner Nutzerkonten häufig nicht genügt. Laut Beschreibung im Kontext der Untersuchung können die Täter durch die kompromittierte App-Zertifikats- oder Credential-Kette Zugang ausweiten, etwa indem die App in Rollen wie Global Administrator eingebunden wird, client secrets in weiteren vertrauenswürdigen Anwendungen im Tenant hinzugefügt werden und zusätzliche Anwendungen neu erstellt werden, denen dann wieder passende Berechtigungen erteilt werden. Client Secrets wirken dabei wie ein Persistenzmechanismus: Selbst wenn die ursprüngliche kompromittierte Credential später widerrufen wird, kann ein Angreifer über neu eingeführte Secrets erneut authentisieren.

Erste zeitliche Einordnungen liefert zusätzlich die Sicherheitsanalyse von Huntress mit Blick auf Sign-in-Muster. Demnach wurden zuletzt am 15. Oktober 2026 um 08:45 UTC bösartige Anmeldungen vom „originalen“ Absender gesehen, gefolgt von gezielter, manueller Aktivität bis etwa 14:20 UTC. Huntress verweist darauf, dass trotz der von ConnectWise genannten Abschaltung des Cloud-Backup-Zugriffs die Aktivität trotzdem weitergehen kann, falls Angreifer Credentials in Microsoft-365-Anwendungen ergänzen konnten. Gleichzeitig gebe es laut Huntress seit dem 15. Oktober keine neuen Hinweise auf erfolgreiche bösartige Aktivitäten, wobei auch hier gilt: Das Ende öffentlicher Signale ist nicht automatisch gleichbedeutend mit der vollständigen Bereinigung aller Folgeeffekte in Kundenumgebungen.

Im weiteren Verlauf meldete Huntress zudem eine zweite, gezielte Welle von Versuchen vom IP-Bereich „144.172.64[.]128“ am 15. Oktober 2026. Diese Angriffe sollen sich auf einen engen Scope von 16 Tenants konzentriert haben, verteilt über Politik-, Sicherheits-, Handels- und Kritische-Rohstoffe-Sektoren. Die Versuche galten laut Darstellung unter anderem Graph-Tokens aus einer SkyKick-App sowie derselben Tenant-Gruppe in späteren Zeitfenstern; adressiert wurden dabei außerdem Exchange Online, SharePoint Online, Teams, Azure Resource Manager, Entra sowie Office-365-Management-APIs. Insgesamt habe der Dienst fast 1.000 Entra-Tenants Sign-in-Aktivität aus dem betreffenden IP-Kontext zugeordnet, wobei in rund 300 Fällen Anmeldungen erfolgreich waren; in einigen Tenants habe aber das Fehlen eines Service Principals das tatsächliche Erlangen von Zugriffen verhindert.

Für die Praxis empfiehlt Huntress Partnern, sowohl den eigenen Microsoft-365-Tenant als auch die betreuten Kunden-Tenants systematisch zu prüfen – inklusive Umgebungen mit inaktiven SkyKick-Verbindungen. Zentral sind dabei der Status der gelisteten App-Verbindungen (betroffene Anwendungen sollen deaktiviert bleiben), die Durchsicht von Sign-in- und Audit-Daten ab dem 13. Oktober 2026 sowie die gezielte Analyse von Aktivitäten, die vom genannten IP-Kontext ausgehen. Ergänzend soll man Authentifizierungswege und App-Credentials (inklusive Federation Trusts), Directory-Rollen, Owners sowie Zustimmungsgrants und jüngste Richtlinienänderungen untersuchen und nach Indikatoren für Missbrauch suchen, etwa unautorisierte Mailbox-Weiterleitungen, Transportregeln, Inbox-/Transport-Regeln und delegierte Mailbox-Zugriffe. Auch wenn technische Entra-Kontrollen den Schaden begrenzen können, ersetzt die reine Aktivierung solcher Schutzmechanismen nicht die Credential-Prüfung: Richtlinien, die client secrets begrenzen, Credential-Lebenszeiten reduzieren oder die Verteilung von Administratorrollen einschränken, helfen vor allem dabei, „planted secrets“ schwerer nutzbar oder leichter erkennbar zu machen.

Unklar bleibt laut ConnectWise bislang, ob eine konkrete Produkt-Schwachstelle zur Kompromittierung der App-Identitäten beigetragen hat. Ebenso ist der genaue Mechanismus der Credential-Exponierung Gegenstand der laufenden Analyse. Für Unternehmen bedeutet das vor allem: Die nächsten Schritte sollten unabhängig von der Root-Cause sofort bei Authentifizierungs- und Rollenmaterial ansetzen, denn der Kern des Vorfalls liegt in der App-basierten Vertrauenskette. Wer hier sauber trennt, Rechte klein hält und Credential-Lebenszyklen strikt überwacht, reduziert nicht nur die Angriffsfläche für den aktuellen Vorfall, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, dass Persistenzmechanismen in Microsoft-365-Tenants längerfristig Wirkung entfalten.


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