LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft rollt ab Ende Juli 2026 die Browser-Version Edge 151 aus und koppelt das Update an weitreichende Sicherheitsänderungen. Ab dem 1. September 2026 werden für Entra-ID-Kunden Passkeys automatisch aktiviert, während klassische SMS- und sprachbasierte MFA-Schritte übergangsweise noch bis 2027 auslaufen. Hintergrund sind laut Microsoft wachsende KI-getriebene Phishing-Angriffe mit deutlich höheren Klickraten als bei klassischen Methoden. Parallel ergänzt der Konzern den Schutz in Defender und erweitert Copilot-Umgebungen um Prompt-Injection- und DLP-Funktionen.

Mit Edge 151 zieht Microsoft Sicherheitsfunktionen in die Breite, die eigentlich schon länger in der Identitätslandschaft angekommen sind: Passkeys statt Passwörtern. Der Zeitplan ist dabei klar genug, um in Unternehmen nicht nur über „Migration“ zu diskutieren, sondern konkretes Rollout-Handling zu planen. Microsoft nennt als Startpunkt die Browser-Auslieferung ab Ende Juli 2026; im selben Atemzug wird die Passkey-Synchronisierung für Microsoft-Entra-ID-Kunden als Kernstück herausgestellt. Das ist mehr als ein Browser-Update, weil die Anmeldung an Entra ID damit als Standardfluss umgebaut werden soll.
Der entscheidende Schalter fällt laut Angaben ab dem 1. September 2026: Wer bisher SMS- oder sprachbasierte Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) nutzt, bekommt schrittweise Passkeys automatisch aktiviert. Diese Verschiebung wirkt auf den Alltag der Nutzer spürbar, denn sie verlagert die Authentifizierung von „Code in einer zweiten Richtung“ hin zu gerätegebundenen oder zumindest geräte-gestützten Anmelde-Credentials. Microsoft kündigt zudem einen gestreckten Abschied von klassischen MFA-Methoden an, der bis 2027 reicht. Zusätzlich zeigt der Kalender, wie Microsoft die Details verteilt: Am 18. September sollen Informationen zu unterstützten Telekommunikationsanbietern folgen, am 30. Oktober folgen Konfigurationsoptionen im Microsoft Security Store, und zum 1. Februar 2027 wird es für Nutzer eng, wenn kein eigener Telekom-Anbieter hinterlegt ist.
Für die technische Umsetzung ist das Zusammenspiel aus Passkey-Registrierung, Synchronisierung und Anmeldefluss relevant. Passkeys funktionieren typischerweise als kryptografische Anmeldeinformationen, die an Ursprung und Sicherheitseigenschaften des Geräts gebunden sind und in der Praxis die Angriffsfläche verringern, die bei Phishing entsteht, weil der Angreifer nicht einfach „Passwort plus Code“ aus einer gefälschten Oberfläche herauslösen kann. Microsoft begründet die Verschärfung explizit mit steigenden Bedrohungen: In den „internen Daten“ wird eine KI-gesteuerte Phishing-Strategie mit Klickraten von bis zu 54 Prozent genannt, während klassische Methoden bei 12 Prozent landen. Das ist nicht nur ein Marketingargument, sondern eine Signalwirkung: Wenn der Faktor „Belohnung für den Klick“ so stark steigt, muss die Abwehr dort ansetzen, wo Social Engineering typischerweise ansetzt.
Neben dem Identitätswechsel setzt Microsoft auf zusätzliche Härtung in den Produktlinien rund um Defender, Data-Loss-Prevention (DLP) und Copilot. Konkret wird ein KI-Prompt-Injection-Schutz in Defender erwähnt sowie DLP-Funktionen für Copilot, also Kontrollen, die verhindern sollen, dass sensible Daten ungewollt in unerwünschte Kontexte geraten oder dass KI-Antworten durch manipulierte Prompts in Richtungen gelenkt werden, die nicht zur Sicherheitsabsicht passen. Für Unternehmen ergibt sich daraus ein strategischer Zusammenhang: Passkeys reduzieren den Eintrittspunkt für kompromittierte Sitzungen, während Defender- und DLP-Funktionen die zweite Linie stärken, die im Alltag oft unterschätzt wird – nämlich den Umgang mit Anfragen und Kontexten innerhalb von KI-gestützten Workflows.
Auch abseits der Identitätslogik enthält Edge 151 spürbare Produktivitäts- und Wartungsanpassungen. So verschwindet die Funktion „Drop“, die bislang dem Teilen von Dateien und Notizen diente; bereits geteilte Inhalte bleiben aber über OneDrive abrufbar, Textnotizen lassen sich separat herunterladen. Auf dem Mac zieht Microsoft zudem eine klare Mindestanforderung: Edge 151 benötigt mindestens macOS 13 (Ventura). Damit zieht der Browser faktisch mit Google Chrome gleich, das mit dem Update vom 30. Juli 2026 ebenfalls den Support für macOS 12 beendet. Daneben endet der Support für den integrierten Übersetzer: Microsoft Translator funktioniert in Edge-Versionen 136 und älter seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr, wer also die Übersetzungsfunktion nutzen will, muss auf eine aktuelle Browsersion wechseln.
Für die Praxis im Unternehmen ist außerdem die Admin-Steuerung der neuen Browser-Funktionen relevant. Die Adressleiste schlägt künftig Inhalte aus der Zwischenablage vor – also eine Komfortfunktion, die Nutzer schnell mögen, die aber in regulierten Umgebungen meist durch Richtlinien abgesichert werden muss. Microsoft nennt explizit, dass Administratoren diese Funktion über Richtlinien steuern können. Ebenso wird die Seitenleiste in Unternehmensumgebungen „verschlankt“, weil die App-Liste entfernt wird, plus technische Fixes etwa für Drittanbieter-Erweiterungen auf der Domain m365.cloud.microsoft. Insgesamt ist damit Edge 151 nicht nur sicherheitsgetrieben, sondern auch betriebstechnisch: Stabilität und Kontrollierbarkeit rücken näher an die Identitätsumstellung heran, statt wie bei früheren Updates getrennt zu betrachtet zu werden.
Auch die mobile Entwicklung läuft parallel: Für Android stehen Beta- und Dev-Versionen bereit, darunter eine neue „Ask Copilot“-Option im Kontextmenü sowie Stabilitätsverbesserungen für Geräte mit Android 10 und neuer. Für deutsche Nutzer heißt das vor allem: Edge zeitnah aktualisieren. Die neuen Funktionen sind dabei zweitrangig gegenüber den Sicherheitsanpassungen, zumal die Umstellung auf Passkeys den Login-Alltag grundlegend verändert und in Unternehmen zwangsläufig Fragen zu Support-Prozessen, Geräte-Rollouts und Übergangsstrategien aufwirft. Wer Edge produktiv einsetzt, sollte Passkey-Readiness nicht erst im Februar 2027 als Stichtag betrachten, sondern die automatisierte Aktivierung ab September 2026 als Startpunkt für Tests mit echten Nutzer- und Geräteprofilen nehmen – damit der Sicherheitsgewinn nicht an organisatorischen Hürden hängen bleibt.
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